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Natascha Kaßner

Institut für Kunst und visuelle Kultur

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Graphic Novels

Darstellen wie im Film

Dozentin Natascha Kaßner über "Bildgeschichten"

Es begann mit einem japanischen Popsong als Manga. Den hat vor einigen Jahren in einem meiner Kunstpraxiskurse ein Student mit Begeisterung gezeichnet.

„Bild und Text“ war der Titel der Veranstaltung in Kooperation mit der Germanistin Mareile Oetken, und die meisten Teilnehmenden arbeiteten zu Werken der Literatur. Doch gerade derjenige, der sich mit seinem aufwändigen Manga einen Herzenswunsch erfüllte, schien mir anschließend die größte Genugtuung über sein Werk zu empfinden.

Mir wurde klar, dass Studierende mit dem Zeichnen einer Graphic Novel eigene Themen verwirklichen können und dies einen hohen Grad an Identifikation mit dem fertigen Projekt ermöglicht. Vor zehn Jahren stellte die Universitätsbibliothek erstmals solche studentischen Arbeiten aus, meist noch mit engem Bezug zu klassischer Literatur. Die Folgeprojekte, entstanden etwa in einem Kurs zu autobiografischem Arbeiten, bekamen mehr den Charakter von Graphic Novels und reflektierten die Lebenswirklichkeit der Studierenden.

2018 ermöglichte uns die Unibibliothek zu jeder ausgestellten Graphic Novel dankenswerterweise große Schautafeln, die wir zusätzlich im Rahmen der Ausstellung „Die neunte Kunst“ im Horst-Janssen-Museum zeigen konnten.

Seitdem gehört die Graphic Novel in allen meinen Kursen zum möglichen Medium künstlerischer Umsetzung. So lassen sich persönliche Geschichten, politische Ereignisse, gesellschaftspolitische Reflexionen, aber auch Popsongs erzählen.

Der Lerneffekt ist enorm. Es beginnt mit der umfangreichen Planung und Organisation einer Graphic Novel. Die Studierenden haben die Geschichte zu erarbeiten und diese in Erzähleinheiten auf Doppelseiten aufzuteilen. Es gilt, über Layout, Perspektiven, Blickwinkel und Darstellung der Protagonisten zu entscheiden. Wie im Film sind gewissermaßen Kameraeinstellungen, Schnittrhythmus beziehungsweise Panelgliederung und Zeitabläufe zu klären, Farbstimmung und eventuelle Farbdramatik zu überlegen. So können einzelne Erzählstränge eigene Farbstimmungen haben, erzählerische Höhepunkte lassen sich durch Farbe steigern. Auch unterschiedliche Techniken gilt es auszuprobieren – Bleistiftzeichnung, Lavierung von Tusche, Einsatz von Aquarellfarbe oder digitaler Bildbearbeitung. Es sind unglaublich viele Felder, auf denen ein Lernzuwachs entsteht.

Einmal habe ich erlebt, wie eine Studentin im Kurs ihre Graphic Novel aus dem vorangegangenen Semester zeigte und sagte, es sei das bisher beste Projekt ihrer gesamten Studienzeit gewesen.                   

 

Dieser Text ist im April 2021 zuerst in der Hochschulzeitung UNI-INFO erschienen.

Redaktion: Deike Stolz

(Stand: 09.06.2021)