Aktuelles

Workshop: Idylle und Geschlecht. Schäferdichtung der Frühen Neuzeit im kulturellen Kontext

24. Juni 2022 (Schlaues Haus, Oldenburg)

Geschlechterordnungen und Begehrenskonstellationen bilden ein konstitutives Zentrum der Gattung Idylle und ihrer Vorläufer, der antiken und frühneuzeitlichen Schäferdichtung. Während die geschlechtlichen Dimensionen von pastoral in der englischsprachigen Forschung unter Einbezug der ausdifferenzierten Theoriebildung rege diskutiert wurden, findet die Idylle in der deutschsprachigen Diskussion zum Verhältnis von Gattung und Geschlecht bisher allerdings kaum Berücksichtigung. Der Workshop möchte diese Lücke füllen und lädt dazu ein, diesem Verhältnis im 17. und 18. Jahrhundert nachzugehen. Im Mittelpunkt soll dabei die Frage stehen, in welcher Weise Idyllen und Schäfertexte Geschlecht(er) und Begehren konstruieren und wie sich solche Konstruktionen zu den kulturellen Kontexten verhalten, in denen sie entstehen.

Programm

8:30–9:00       Christian Schmitt (Oldenburg): Idylle und Geschlecht. Begrüßung & Einführung
9:00–10:00     Karin Peters (Mainz): Die unübersetzbare Revolte: Jorge de Montemayors Felismena (‚La Diana‘) und ihre europäische Rezeption 

10:30–11:30   Jakob C. Heller (Halle): Schäferdichtung als Bühne der Keuschheit bei Philipp von Zesen
11:30–12:30   Kristin Eichhorn (Stuttgart/Paderborn): Wer gibt den ersten Kuss? Aufklärerische Liebes- und Geschlechterkonzepte im Schäferspiel des mittleren 18. Jahrhunderts

13:30–14:30   Jan Gerstner (Bremen): Augen und Ohren im Verborgenen. Das Geschlecht der Beobachtung in der Schäferdichtung
14:30–15:00   Abschlussdiskussion

Der wissenschaftliche Workshop ist an eine Lehrveranstaltung gekoppelt und findet, aufgrund begrenzter räumlicher Möglichkeiten, als nicht-öffentliche Veranstaltung statt. Einzelplätze stehen für interessierte Zuhörer:innen zur Verfügung: Bitte wenden Sie sich bis zum 22.06. per E-Mail an Christian Schmitt (christian.schmitt (at) uol.de).

Workshop: Der Osten im Westen. Deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus dem östlichen Europa im Rundfunk nach 1945

10./11. Mai 2022 (Deutsches Rundfunkarchiv, Standort Potsdam-Babelsberg)

Veranstalter

  • Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg
  • Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut, Hamburg
  • Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt am Main/Potsdam
  • Historische Kommission der ARD
  • Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam

Weitere Informationen und Programm.

Ansprechpartnerin: Silke Pasewalck

 

Ringvorlesung: Diagnosen der Gegenwart? Literatur(theorie) im 21. Jahrhundert

Sommersemester 2022

Anders als Sachbücher dienen literarische Texte zumeist der Unterhaltung, aber bieten sie gesellschaftliche Erkenntnispotenziale? Ist Literatur – auch in Zeiten, die als besonders krisenhaft wahrgenommen werden – ein Mittel, um gerade diese Krisen nicht nur zu benennen oder zu beschreiben, sondern um Alternativen und Lösungen zu formulieren? Kann Literatur überhaupt einen gesellschaftlichen Beitrag leisten und wenn ja, welchen? Welchen Stellenwert besitzen literarische Texten in unserer Gesellschaft?

Diese und weitere Fragen wollen wir im Rahmen unserer Ringvorlesung stellen. Schließlich werfen insbesondere die aktuellen Krisen nicht nur die Frage nach dem Stellenwert der Literatur in unserer Gesellschaft auf. Vielmehr wird das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft derzeit neu ausgelotet.

Mit Unterstützung der Universitätsgesellschaft Oldenburg (UGO) und in Kooperation mit dem Literaturhaus Oldenburg haben wir Literaturwissenschaftler:innen eingeladen, sich über die Bedeutung der Literatur in unserer Gesellschaft und über die Funktion(en) von Literaturtheorie im 21. Jahrhundert Gedanken zu machen. Fragen der gesellschaftlichen Relevanz werden wir ebenso mit dem Schriftsteller Roman Ehrlich diskutieren.

Zu der öffentlichen Ringvorlesung laden wir alle Interessierten herzlich ein.

Termin: Mittwochs, A07 0-030 (Hörsaal G) | 18-20 Uhr c.t.
Organisation: Prof. Dr. Thomas Boyken & Dr. Haimo Stiemer

Tagung: Michael Ende. Poetik und Positionierungen

24./25. März 2022 (Deutsches Literaturarchiv Marbach)

Mehr Informationen auf den Seiten der KJL.

Neuerscheinung: Labiles Gleichgewicht. Vermittlungen der Idylle im 19. Jahrhundert

Christian Schmitt (Hannover: Wehrhahn 2022)

Seit der Antike erzählen Idyllen vom Ausgleich – allerdings nicht, wie Kritiker der Gattung unterstellt haben, indem sie komplexen Realitäten eine ›heile Welt‹ gegenüberstellen, die diese verleugnet. Stattdessen werfen Idyllen, wie die Studie zeigt, die grundsätzliche Frage auf, wie Ausgleich möglich wäre, und bieten ihren Leser:innen Antworten an, die ethische, soziale oder politische Implikationen haben. Für die von der Forschung wenig beachtete Idyllik des 19. Jahrhunderts ist diese Funktion der Gattung besonders wichtig, stellt sie doch eine Möglichkeit dar, auf Prozesse der Modernisierung zu reagieren, ohne die zugrundeliegenden Spannungen zu verschweigen. Im Gegenteil: Diese Spannungen geraten in der Idyllik des 19. Jahrhunderts in besonderer Weise in den Blick. Die Studie erschließt dieses Potenzial der Gattung erstmals mit kulturwissenschaftlichen Lektüren kanonischer wie unbekannterer Texte von Autor:innen wie Adalbert Stifter, Annette von Droste-Hülshoff, Hans Christian Andersen, Ida Hahn-Hahn oder Luise Mühlbach. Über die Idylle ergeben sich so Einblicke in unterschiedlichste kulturelle Bereiche, in denen Modernisierungsprozesse Spuren hinterlassen, etwa der Tourismus, die Naturwissenschaften oder die Medizin. So erweist sich die Idylle im 19. Jahrhundert insgesamt als literarisches Labor, in dem Möglichkeiten der Vermittlung des Gegensätzlichen durchgespielt werden.

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Neuerscheinung: Medien der Aufklärung – Aufklärung der Medien. Die baltische Aufklärung im europäischen Kontext

Silke Pasewalck u.a. (Hg., Berlin/Boston: De Gruyter 2021)

Die Aufklärung als Epoche und Denkbewegung ist eng an einen neuen Gebrauch der Medien gebunden. Erwerb, Vermittlung und Vertrieb von Wissen mögen zunächst nur das Privileg weniger gelehrter Köpfe gewesen sein, im Kern intendierte die Aufklärung jedoch eine Öffnung der respublica litteraria für alle Menschen. Diese Ausformung der Medien fand nicht nur in den Zentren der Aufklärung statt, sondern auch in deren Peripherien, wie etwa dem Baltikum. Auch dort entstanden und etablierten sich Medien der Aufklärung. Welches waren die wirkmächtigsten Medienpraktiken? Wer waren die wichtigsten Träger und an wen richtete sich die Aufklärung in Estland, Livland und Kurland? Welche Funktionen hatten die unterschiedlichen Sprachen? Das Buch stellt das Baltikum als eine exemplarische europäische Aufklärungsregion vor und zeigt durch verschiedene disziplinäre Zugriffe (Germanistik, Geschichte, Komparatistik, Kunstgeschichte, Theologie) die Wirksamkeit aufklärerischer Medienformate in dieser Region.

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Internationale Tagung: Figuren der Diagnostik

8./9. September 2021

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Organisation: Prof. Dr. Sabine Kyora, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, ; Dr. Till Huber, Universität Hamburg,

Den Ausgangspunkt der Tagung an der Schnittstelle von Literatur und Medizin bildet der Begriff der Diagnose. Die Hypothese lautet, dass literarische Texte zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ‚diagnostische Schreibweisen‘ entwickeln und so Diagnostizieren als ein für die Moderne typisches Narrativ etablieren. Die Konferenz befasst sich mit der Frage, wie medizinische Argumentationsstrukturen literarisch verarbeitet und verändert werden. Sie wird darüber hinaus die Verschiebung des medizinischen Vokabulars von der individuell gestellten auf die literarisch inszenierte, auf die Gesellschaft bezogene Diagnose in den Fokus nehmen.

Der medizinische Fachterminus führt dabei in die metaphorische und narrative Verwendung, die auch in den Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert auftaucht (als Gesellschafts- oder Gegenwartsdiagnose). Unter dem Titel „Figuren der Diagnostik“ werden, erstens, literarische Figuren gefasst, die diagnostizieren oder denen eine Diagnose gestellt wird, zweitens, werden Figuren im Sinne rhetorischer Figuren und literarischer Verfahren als ‚diagnostische Schreibweisen‘ untersucht. Hinzu kommt, drittens, eine Analyse einschlägiger literarischer und außerliterarischer Autorinszenierungen. So werden mit Gottfried Benn, Alfred Döblin, Rainald Goetz und Ernst Weiß Autoren in den Blick genommen, die medizinisches Wissen verarbeiten und gesellschaftlich versteh- und übertragbar machen.

Eine Online-Teilnahme als Diskutant/in ist möglich. Für den Zugang schreiben Sie bitte eine E-Mail an

Mi., 8.9.2021

9.30 Uhr

Einleitung: Figuren der Diagnostik

Prof. Dr. Sabine Kyora / Dr. Till Huber

10.15–11.00 Uhr

PD Dr. Urte Helduser (Marburg)

Düstere Diagnostik. Adalbert Stifters Erzählung Turmalinund der Kretinismus im 19. Jahrhundert

Pause

11.30 Uhr

PD Dr. Lars Korten (Münster)

Die wird nich wieder“. Diagnostik und Vorhersage in Theodor Fontanes Stine

Mittagspause

14.00 Uhr

Dr. Till Huber (Hamburg)

„Aus der Depression heraus erzählen“. Autofiktionales Schreiben in Benjamin Maacks Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein und Thomas Melles Die Welt im Rücken

Pause

15.00 Uhr

JProf. Dr. Thomas Boyken (Oldenburg)

‚Prosa Nova‘. Autopathographien und die Möglichkeiten des Erzählens über Krankheit

Pause

16.15 Uhr

Prof. Dr. Sophie Witt (Zürich)

Diagnostik zwischen Medizin und Gesellschaft: Psychosomatik literaturwissenschaftlich

Pause

17.15 Uhr

Keynote:

Prof. Dr. phil. Dr. med. Martina King (Fribourg)

Das instabile Ich: erzählerische Selbstdiagnose und erzählte Diagnosen in Ernst Weiß’ Arztromanen Der arme Verschwender (1936) und Georg Letham, Arzt und Mörder (1931)

Do., 9.9..2021

9.30 Uhr

Dr. Philipp Pabst (Münster)

Jenseits von Ätiologie, Epidemiologie und Diagnostik. Popularisierte Medizin und ihre Bezweiflung in Gottfried Benns später Lyrik

Pause

10.30 Uhr

Prof. Dr. Christine Kanz (Linz)

Die Ablehnung medizinischer Diagnostik in Ingeborg Bachmanns Todesarten-Projekt und in Male oscuro

Pause

11.45 Uhr

PD Dr. Anja Schonlau (Göttingen)

Zur Diagnose Syphilis

Mittagspause

14.00 Uhr

Prof. Dr. Martin Butler (Oldenburg)

Die Singer-Songwriter-Figur als Diagnostiker: Zur Aneignung eines (medizinischen) Problematisierungsmodus in der Populärkultur

Pause

15.00 Uhr

Prof. Dr. Sabine Kyora (Oldenburg)

(Zeit-)Diagnostik in Rainald Goetz’ Irre

Pause

16.15 Uhr

Keynote:

Prof. Dr. med. Cornelius Borck (Lübeck, Institut für Medizingeschichte)

Ex juvantibus – Die Diagnose als performativer Akt

Pause

17.15 Uhr

Schlussdiskussion

Tagung: Kolportage-Literatur. Textverfahren, Medien und Distributionsformen populärer Literatur im Vor- und Nachmärz

24./25. Juni 2021

Am 24. und 25.06.2021 findet die von der Thyssen-Stiftung geförderte Online-Tagung Kolportage-Literatur: Textverfahren, Medien und Distributionsformen populärer Literatur im Vor- und Nachmärz statt. Das Programm der Tagung finden Sie auf den Seiten des Projekts Kolportage/Literatur.

Ansprechpartner: Christian Schmitt

(Stand: 20.06.2022)