Aktuelles

Workshop: NS-'Euthanasie' in Literatur und Film: Zur medialen Repräsentation von Behinderung seit 2000

23. Juni 2026, 18:00–20:00 Uhr (Unikino GEGENLICHT im UNIKUM Oldenburg, Bühne 1)

Seit der Jahrtausendwende ist die Geschichte der ‚Euthanasie‘ im Nationalsozialismus zunehmend ins öffentliche Bewusstsein gerückt und zum Gegenstand der Erinnerungskultur geworden. Erkennbar ist das gewachsene öffentliche Bewusstsein an der verstärkten Aufmerksamkeit für die Erinnerungsarbeit der Gedenkstätten an Orten wie Hadamar, Bernburg, Grafeneck, Hartheim und – nicht zuletzt – Wehnen bei Oldenburg. Zunehmend begegnet man dem Thema der NS-‚Euthanasie’ auch in kulturellen und medialen Diskursen: in Literatur, bildender Kunst und audiovisuellen Medien. Die mediale Erinnerungskultur steht auch mit historischen und aktuellen Diskursen über Behinderung und medizinethischen Debatten, etwa um pränatale bzw. Präimplantationsdiagnostik und Sterbehilfe, in Verbindung. Im Rahmen des Workshops möchten wir daher dieser literarisch-medialen Auseinandersetzung mit der NS-‚Euthanasie’ aus einer Perspektive der Cultural Disability Studies nachgehen. Dazu möchten wir ausgewählte Filme, Theaterstücke und Romane zum Thema in Ausschnitten vorstellen und gemeinsam diskutieren: Wie stehen die medialen Erinnerungsformen mit Verständnisweisen von Behinderung in Verbindung? Welche Bilder werden hier transportiert? Auf welche affektiven Wirkungen zielen filmische Inszenierungen von Opfergeschichten? Wie tragen fiktionale Formen des Erinnerns in Literatur und Film zur historischen Aufarbeitung der NS-Biopolitik bei?

Referierende:

Johannes Görbert (Université de Fribourg, Schweiz) ist Literaturwissenschaftler und arbeitet zu Literary Disability Studies und Medical Humanities. Er ist Mitverantwortlicher des DFG-Netzwerks „Inklusive Philologie“.

Urte Helduser ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und forscht zum Thema Literatur und Biopolitik.

Neuerscheinung: Idylle und Geschlecht. Transformationen der Schäferdichtung im 18. Jahrhundert

Hg. von Kristin Eichhorn und Christian Schmitt (=Das achtzehnte Jahrhundert 49/2, 2025)

Die Beiträge des Themenhefts gehen der Frage nach dem Verhältnis von ›Idylle‹ und ›Geschlecht‹ in exemplarischen Zusammenhängen nach. Das 18. Jahrhundert erscheint dabei in zweierlei Hinsicht als eine Übergangsperiode. In dieser Zeit vollzieht sich – so die Ausgangsüberlegung – nicht nur die Transformation der frühneuzeitlichen Schäferdichtung zur bürgerlichen Idylle, wie sie von der Forschung vielfach beschrieben wurde.Diese gattungshistorische Transformation geht zudem mit der Transformation von Geschlechterordnungen einher und so ändert sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts auch die Art und Weise, in der Schäfertexte bzw. Idyllen Geschlecht(er) und Begehren konstruieren. Lässt sich die Geschichte der Gattung als spannungsvolles Wechselspiel zwischen der Bestätigung etablierter und der Eröffnung alternativer Konzeptionen von Geschlecht und Begehren lesen, so stellt sich die Frage, wie die Schäferdichtung des 18. Jahrhunderts diesbezüglich einzuordnen ist.

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Neuerscheinung: Jahrbuch der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung

Themenheft: Unheimlich. Hg. von Thomas Boyken u.a. (Jg. 9, 2025)

Das  diesjährige  Jahrbuch  der  Gesellschaft  für  Kinder-  und  Jugendliteraturforschung  widmet sich dem Unheimlichen in seiner Breite und Vielfältigkeit und zeigt, wie es in verschiedenen Medien – von Hörspielen über Romane und Comics bis hin zu Filmen und Computerspielen  –  verhandelt  und  ausgestaltet  wird.  Die  Beiträge  widmen  sich  dem  Thema  sowohl  aus  verschiedenen  theoretischen  als  auch  aus  gegenstandsorientierten  Perspektiven, vielfach unter Bezugnahme auf die Überlegungen Sigmund Freuds.

Mit Beiträgen von Sabrina Dunja Schneider u.a.

Das Jahrbuch steht als Open Access hier zur Verfügung

Neuerscheinung: Adalbert Stifter: Abdias

Nachwort und Anmerkungen von Christian Schmitt (Stuttgart: Reclam 2025)

Abdias lebt als stolzer, erfolgreicher Händler in einer afrikanischen Wüstenstadt, doch dann wird ihm alles genommen: Eine Krankheit zeichnet ihn, Räuber plündern sein Haus, seine Frau stirbt im Kindbett. Mit seiner Tochter Ditha, der seine ganze Fürsorge gilt, wandert er nach Europa aus. Doch das Glück kehrt nicht zurück. Mit der Erzählung Abdias gelang Stifter 1842 der literarische Durchbruch.

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Neuerscheinung: Figuren der Diagnostik

Hg. von Till Huber und Sabine Kyora (Boston/Berlin: De Gruyter 2025)

Der Aufsatzband geht der Frage nach der Verknüpfung von medizinischem Wissen und ästhetischem Verfahren nach, im Mittelpunkt steht das Narrativ der Diagnose als Verbindung zwischen medizinischem, literarischem und gesellschaftlichem Diskurs. Den Ausgangspunkt des Bandes bildet die Hypothese, dass literarische Texte etwa ab 1800 bis in die Gegenwart hinein ‚diagnostische Schreibweisen‘ entwickeln und so Diagnostizieren als ein für die Moderne typisches Narrativ etablieren. Bei der Analyse von Figuren der Diagnostik wird in einem ersten Schritt textintern nach literarischen Figuren gefragt, die diagnostizieren oder denen eine Diagnose gestellt wird. Untersucht werden Ärzte, Patienten und Situationen des Diagnostizierens, die in literarischen Texten seit Mitte des 19. Jahrhunderts dargestellt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich bei der Verknüpfung von medizinischer und literarischer Diagnostik auch die Frage nach rhetorischen Figuren: Denn literarische Verfahren können unabhängig von den beteiligten Akteuren als ‚diagnostische Schreibweisen‘ untersucht werden. Das heißt, dass in literarischen Texten nicht nur medizinnahe Sujets übernommen werden, sondern Krankheitsverläufe ästhetisiert und damit einem literarischen Prinzip untergeordnet werden. So können sie versuchen, die medizinische Logik außer Kraft zu setzten. Schließlich sind auch Schriftsteller-Ärzte und Schriftsteller als Akteure innerhalb des Narrativs zu untersuchen. Zumindest für die Ärzte unter ihnen ist dabei die klinische Ausbildung zum Diagnostiker von Bedeutung.

Mit Beiträgen von Urte Helduser, Ella M. Karnatz, Thomas Boyken, Sabine Kyora u.a.

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Interview: Christian Baron "Ein Mann seiner Klasse"

Der Schriftsteller Christian Baron im Gespräch mit Studierenden

Am 24.06.2025 war der Schriftsteller Christian Baron auf Einladung des Instituts für Germanistik und der Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften zu Besuch an der Uni Oldenburg. Mit Studierenden sprach er über seine 2020 erschienene Autosoziobiographie „Ein Mann seiner Klasse“. 

Barons Buch, das von seinem Aufwachsen als Arbeiterkind mit einem alkoholkranken und gewalttätigen Vater im Kaiserslautern der 1990er Jahre handelt, stand auf der Spiegel Beststeller-Liste. Der daraus hervorgegangene TV-Spielfilm (R: Marc Brummund 2024) wurde als "Bester Fernsehfilm des Jahres" mit dem Deutschen Fernsehpreis 2025 ausgezeichnet. 

Im Video gibt Christian Baron Auskunft über seinen Werdegang, seine Arbeit als Journalist und Schriftsteller, die Entstehungsgeschichte des Buchs und sein literarisches Verfahren. Das Interview führten Bachelor-Studierende des Seminars “Soziale Herkunft und Literatur” unter der Leitung von Prof. Dr. Urte Helduser.

(Stand: 24.06.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p88339
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