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Dr. Thomas Klenke

Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung COAST

+49-441-798-4799

Energie für alle

Wie können lokale Initiativen Wege finden, sich künftig selbst umweltfreundlich mit Energie zu versorgen? Dieser Fragen gehen die Partner im EU-Projekt COBEN nach. Die Oldenburger Experten Thomas Klenke und Gerard McGovern leiten das Vorhaben.

Die Abwärme einer Fabrik lokal nutzen, mit überschüssigen Strom Elektromobilität auf dem Land ermöglichen: Klimaschutz in Kommunen durch neue Energiestrukturen verankern und gleichzeitig andere lokale Entwicklungsziele zu verfolgen - dieses Ziel steht im Mittelpunkt des COBEN-Projekts. In dem vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderten Projekt geht es um konkrete Ansätze, wie Beteiligte vor Ort den Energiewandel eigenverantwortlich gestalten können.

„Unser Ziel ist, dass Kommunen selbstbestimmt Energie erzeugen, nutzen und dafür leistungsfähige Strukturen aufbauen können“, sagt Dr. Thomas Klenke. „Und zwar von den Energiequellen über die Erzeugung bis zur Vermarktung.“ Klenke und sein Kollege Gerard McGovern vom Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung (COAST) der Universität leiten das Projekt.

Mit dem Aufbau solcher lokalen Energieinitiativen sind die am Projekt mitwirkenden Kommunen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Schottland und Dänemark Vorreiter eines Wandels, der auf europäischer Ebene gerade erst begonnen hat. „Civic Energy“ heißt der Ansatz, für den die Europäische Kommission erst im Mai 2019 mit den letzten Entscheidungen zum Gesetzespaket „Clean Energy for all Europeans“ den Weg geebnet hat.

Alternative zur klassischen Energieversorgung

Unter anderem sind Energieproduzenten und Verbraucher künftig nicht mehr auf Vorgaben der großen Energienetzbetreiber angewiesen, sondern können Strom oder Wärmeenergie selbst erzeugen, speichern und verteilen. Bisher war dies rein rechtlich nicht möglich. „Civic Energy ermöglicht damit eine echte Alternative zur klassischen, zentralen Energieversorgung“, erläutert Projektkoordinator McGovern. „Das ist schon etwas Revolutionäres.“

Eines der Ziele der Wissenschaftler in COBEN rückt damit näher: Dass letztlich die Kommunen und damit die Menschen selbst von den Ergebnissen des Energiewandels profitieren. Die Wertschöpfung und damit auch der finanzielle Nutzen sollen in den Kommunen verbleiben. „Das ist leicht ausgesprochen, aber schwer umzusetzen“, sagt McGovern.

Um das Vorhaben anzugehen, erarbeiten die Beteiligten in den sechs Pilotregionen daher zunächst, welches die Bedürfnisse der jeweiligen Kommune sind: Welchen Wärme- oder Strombedarf gibt es beispielsweise? Wie steht es um die Mobilität? Welches sind die möglichen Energiequellen? Und welche Vorteile haben die Kommunen, wenn sie eigene Wertschöpfungskreisläufe für Energie aufbauen?

Kommunen treiben die Energiewende selbst voran

„Das Besondere ist, dass wir die Energiewende mit anderen kommunalen Entwicklungszielen verbinden“, sagt Klenke. „Dabei stehen immer die Menschen im Vordergrund.“ Im dänischen Ringkøbing-Skjern beispielsweise hat sich die Kommune selbst zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Energiebedarf komplett aus erneuerbaren Energien zu decken.

Der Vorteil in der windreichen Region: Schon jetzt erzielt die Windenergie mehr Strom für die Kommune, als Unternehmen und Bewohner tatsächlich benötigen. „Die dänischen Partner untersuchen jetzt, wie sie diesen Überschuss nutzen können, um weitere Vorteile für die ländlichen Strukturen zu erzielen“, erläutert McGovern – wie etwa ein neues kommunales Transportsystem, das ohne fossile Brennstoffe auskommt.

Das Beispiel verdeutliche, wie die gesteckten Ziele der gesamten Gemeinschaft dienen können, sagt Klenke. „Der Vorteil ist, dass die Kommunen so selbst zum Treiber der Energiewende werden.“ Die Aufgabe der Oldenburger Wissenschaftler dabei ist, generelle Schlussfolgerungen aus den sechs regionalen Initiativen zu ziehen. Dafür stellen sie die verschiedenen Prozesse dar, die nötig sind, um den Strukturwandel hin zu klimafreundlichen Kommunen zu vollziehen.

Ein Fahrplan für Civic Energy

So entstehe sukzessive ein Fahrplan für Civic Energy. Zudem fassen die Forscher die Erkenntnisse aus den Fallstudien in 12 verschiedenen Geschäftsmodellen zusammen, die andere Regionen zum Nachahmen anregen sollen. „Das Wichtigste dabei ist, dass die Kommunen oder Regionen von Beginn an ihre gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklungsziele klar definieren“, betont McGovern.

Letztlich gehe es bei COBEN darum, die Energieversorgung in die Kommunen zurückzubringen – und zwar unabhängig vom Einfluss großer Energiekonzerne und Netzbetreiber, erläutern die Oldenburger Forscher. Natürlich gebe es noch technische Herausforderungen – wie etwa den Aufbau lokaler Netze, betont Klenke. Hier könnten etwa die neuen dezentralen Strukturen Lasten der zentralen Systeme übernehmen. Und letztlich müsse die Idee, Strom auf anderen Wegen als bisher zu produzieren und zu verteilen auch finanziell attraktiv werden.

Aber der Anfang sei gemacht: „Wir sind als Projektpartner ein wenig stolz darauf, dass die positiven Zwischenergebnisse unseres Vorhabens in die aktuelle Beschlussfassung der EU eingegangen sind“, sagt er. Jetzt müssen die EU-Mitgliedsstaaten die neuen Richtlinien noch in nationale Gesetze umwandeln. Dabei hoffen Klenke und McGovern, dass dabei die Idee der Civic Energy nicht verwässert und so ein leistungsfähiges Energiesystem in Kommunen möglich wird.

Presse 8avwz& Komidmunk1u4ikatit7onmr9n (preschse@uol.andefw2hh) (Stand: 02.03.2020)