Laktat

Laktat

Laien als Akteure in Ganztagsschulen. Explorative Analysen im multiperspektivischen Mixed-Methods-Design

Kurzbeschreibung

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt Laktat soll die Gruppe der formal nicht pädagogisch qualifizierten Beschäftigten („Laien“) an Ganztagsschulen untersucht werden, um einen Überblick sowohl über die organisationale Einbindung im Feld als auch über pädagogische Orientierungsmuster, die Aufschluss über mögliche pädagogische Laien-Habitus geben, zu erhalten.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden quantitativen Relevanz dieser Gruppe für schulische Ganztagsangebote und der Fokussierung der Fachdiskussion auf Schule als zunehmend multiprofessionelle Organisation, besteht ein Desiderat an empirischer Forschung. Diese Entwicklung der tendenziellen „Laisierung“ von schulischen Aktivitäten, die zwar außerhalb des Unterrichts stattfinden, aber Teil des schulischen Ganztagsangebots sind, soll im Rahmen dieses Forschungsprojektes beleuchtet werden.

Ziel des Forschungsverbunds ist es, erste Elemente einer explorativen Theorie zur „pädagogischen Laisierung der Ganztagsschule“ zu formulieren.

Methodik

(a) eine quantitative Bestandsaufnahme auf sozialräumlicher Ebene mit
(b) qualitativen Netzwerkanalysen und
(c) Rekonstruktionen zum pädagogischen Habitus von Laien.

Die Studie wird in drei unterschiedlichen Sozialräumen im Bundesland Niedersachsen durchgeführt. Damit soll auch eine Kontrastierung von städtischen und ländlichen Gebieten erfolgen.

In der Teilstudie A Quantitative Bestandsaufnahme auf sozialräumlicher Ebene wird untersucht, in welchem quantitativen Umfang Laien im Ganztag eingebunden und welche spezifischen personen- und gruppenbezogenen Merkmalskombinationen für sie charakteristisch sind. Leitende Fragestellungen sind die Einbindung in die Schule sowie die pädagogischen Orientierungen. Mittels einer Latent Class Analysis wird eine erste kategoriale Bestimmung der Laien erfolgen, die in vertiefenden qualitativen Fallstudien weiter verdichtet wird. Verantwortet wird dieses Teilprojekt von der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf.

In der Teilstudie B Netzwerkanalysen auf organisationaler Ebene werden die lokalen und kollegialen Strukturen, in denen sich die Laien innerhalb der Schulen bewegen, untersucht. Insbesondere die strukturelle Integration in schulische Gremien und Organisationseinheiten sowie die Bereitschaft zur Einbindung werden in den Blick genommen. Die leitenden Fragestellungen sind, wie Laien untereinander und mit professionellen Akteuren in der Schule vernetzt sind und welche Formen der Handlungskoordination sich darin ergeben. Mittels erzählgenerierender Interviews und egozentrierter Netzwerkkarten werden die Kooperations- und Vernetzungsstrukturen der Laien als pädagogische Akteure erschlossen. Die Auswahl der in der Netzwerkanalyse zu befragenden Laien erfolgt über die quantitative Kategorisierung. Das Teilprojekt B wird von der Stiftung Universität Hildesheim verantwortet.

In der Teilstudie C Sequenzanalytische Habitusrekonstruktion auf Akteursebene werden die pädagogischen Selbstverständnisse und Orientierungsmuster der im Ganztag tätigen Laien rekonstruiert. Eine zentrale Annahme ist, dass die pädagogischen Haltungen und Orientierungen der Akteure individuell-biographisch wie auch organisational bzw. strukturell bedingt sind. Im Anschluss an die rekonstruktive Professionsforschung wird gefragt, ob auch die pädagogischen Laien über ein feldspezifisches konjunktives Wissen verfügen, das habituell verankert und im biographischen Prozess sowie über Erfahrungsbildung inkorporiert ist. Mithilfe von erzählgenerierenden Interviews und sequenzanalytischen Habitusrekonstruktionen werden die Orientierungsmuster rekonstruiert sowie eine relationale Typenbildung von pädagogischen Laien-Habitus angestrebt. Die Fallauswahl erfolgt über die quantitative Studie. Das Teilprojekt C wird von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verantwortet.

Projektpartner & beteiligte Wissenschaftler*innen

  • Leitung: Prof. Dr. Till-Sebastian Idel, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät I – Bildungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Pädagogik
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Franziska Bock M. A. Soziale Arbeit, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät I – Bildungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Pädagogik
     
  • Leitung: Prof. Dr. Markus Sauerwein, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Annalena Patt M. A. Soziale Arbeit, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
     
  • Leitung: Prof. Dr. Gunther Graßhoff, Stiftung Universität Hildesheim, Fachbereich 1: Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter:in: NN, Stiftung Universität Hildesheim, Fachbereich 1: Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik

 

Förderungsrahmen

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 2021-2024
Fördervolumen insg.: 470.388 Euro
Fördervolumen UOL: 175.880 Euro

 

(Stand: 21.12.2021)