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Fakultät IV - Human- und Gesellschaftswissenschaften  (» Postanschrift)

Twitter: @lhaasis

Wissenschaftlicher Mitarbeiter,
Forschungskoordinator für das Akademienprojekt
Prize Papers

Zur Person

Lucas Haasis ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit und Forschungskoordinator für das Akademienprojekt Prize Papers.

Seine Forschung konzentriert sich auf Briefschreibepraktiken und kaufmännische Kultur im 18. Jahrhundert; die Materialität historischer Briefe sowie Historische Praxeologie und Globale Mikrogeschichte als geschichtswissenschaftliche Ansätze.

Forschungsschwerpunkte:

  • Europäische und atlantische Geschichte der Frühen Neuzeit
  • Kaufmannsforschung
  • Historische Praxeologie
  • Briefforschung
  • Globale Mikrogeschichte

Lebenslauf

seit 01/2018
Wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie Koordinator internationale Forschungskooperationen und Forschungförderung im Akademienprojekt Prize Papers

seit 10/2017
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte
Abteilung Frühe Neuzeit, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Promotionsprojekt: The Power of Persuasion. The Luetkens Correspondence

2014 - 2017
Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Geschichte, Oldenburg

2016
Preis der Lehre in der Kategorie „Forschungsbasiertes Lernen“

02/2015
Stipendiat am DHI (Deutsches Historisches Institut) London, GB

2011 - 2014
Stipendiat im DFG-Graduiertenkolleg 1608/1 „Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung“, Universität Oldenburg

2011
Master of Arts
Abschlussarbeit: Von Müßiggängern und Heißspornen, Männern und Memmen. Junge Kaufleute in der frühneuzeitlichen Fremde und auf der Suche nach sich selbst. Ausgezeichnet als herausragende Abschlussarbeit im Fachbereich Geschichte

2010 - 2011   
Universität Uppsala, Schweden: International Master
“Consistencies and Contradictions, Early Modern Northern Europe“

2009 - 2011
Fachmaster Europäische Geschichte, Universität Oldenburg

2009
Bachelor of Arts
Abschlussarbeit: Schattenfiguren in militärischer Kulisse. Eine  diskursanalytische Annäherung an die Konstruktion und Konzeption des Phänomens Söldner-Invalidität in Bildquellen des Dreißigjährigen Krieges.
Ausgezeichnet als beste Abschlussarbeit im Fachbereich Geschichte

2006 - 2009
Zwei-Fach-Bachelor Geschichte und Musik, Universität Oldenburg

Dissertation

Das Geheimnis des Erfolgs: Kaufmännische Briefschaften zur Mitte des 18. Jahrhunderts

Kontext: Reederei, Kommissionshandel, Kredit- und Versicherungswesen, Compagnie-Geschäft: Als Wege und Mittel deutscher Handelsbeteiligung am entstehenden Weltmarkt des 18. Jahrhunderts nehmen diese kaufmännischen Betätigungsfelder eine prominente Rolle ein. Es handelt sich dabei um Mittleraktivitäten und das nicht ohne Grund. Im Unterschied zu den Kaufleuten der Kolonialmächte war der deutschen Kaufmannschaft der Direkthandel mit den Kolonien untersagt. Zudem besaßen sie keinen eigenen Zugriff auf Kolonien. Kolonialpolitisch und merkantilistisch geprägt, rein rechtlich erscheint das deutsche Kaufmannswesen dadurch im Aufgebot der Handelsmächte des 18. Jahrhunderts marginalisiert. Doch weit gefehlt. Tatsächlich mischten die deutschen Handelshäuser gehörig mit auf den Absatzmärkten um Zucker, Tabak oder Indigo und auf den Seewegen manövrierend zwischen den kolonialen Großmächten. Auch im 18. Jahrhundert gelangten insbesondere norddeutsche, allen voran die Hamburger Kaufleute, zu Vermögen und Einfluss. Wie war das möglich? Die Antwort: als ihr entscheidender Vorteil im Geschäft fungierte ihre weitestgehende handelspolitische Neutralität, wodurch die Kaufleute den eingangs benannten Handelssektor so lukrativ und legitim besetzen konnten. Im Geschäft als Zwischenhändler, Gewährsmänner oder in der Bereitstellung von Infrastruktur profitierten sie von ihrer Funktion als Scharnier der Kolonialmächte. Ebenso forderte es ihnen diese besondere Stellung jedoch ab, auch mit den zwangsläufig enstehenden Reibungsflächen kompetent zu verfahren, Grauzonen zu nutzen. Die kaufmännische Losung und Kernkompetenz von deutscher Seite lautete daher Verhandlungsgeschick, ein Changieren mit Möglichkeiten. Das Medium, das dieses tragen und begründen sollte war: die Korrespondenz. Insbesondere für den deutschstämmigen Kaufmann avancierte der Brief im 18. Jahrhundert zur Triebfeder des Handels, zum Passierschein in die Welt des Atlantikhandels, zur Verhandlungsgrundlage, die im Stande war sprachliche, rechtliche und länderspezifische Grenzen zu überwinden, zu unterlaufen oder zumindest vermittelnd einzutreten. Feder, Papier, der heimische Schreibtisch und der imaginierte gemeinsame Briefraum wurden zum eigentlichen Ort kaufmännischer Sozialität, das Briefeschreiben zum Gradmesser, zum effizienten Instrument und zur Belastungsprobe. Es fungierte als das sprichwörtliche Zünglein an der Waage von Unternehmungen, folglich ebenso der erfolgreichen Karriere. Welche Form und welchen Einschlag diese objektivierte Sozialität ‚Briefwechsel’ im 18. Jahrhundert für die deutschen Kaufleute annahm, oder besser: annehmen musste, steht in dieser Dissertation zur Frage.

Gegenstand: Erstmalig umfassend und im Detail dokumentiert das Projekt die soziale Praxis des kaufmännischen Korrespondierens als Standbein, Wiege und Weichensteller deutscher Handelspraxis und des dabei wirksamen Selbstverständnisses im 18. Jahrhundert. Im Vordergrund stehen Wege der Behauptung und Plausibilisierung der deutschen Kaufmannsgruppe im unsteten und hart umkämpften Feld des Handels. In diesem Bezug fokussiert das Projekt mit Bedacht auf die Phase im Leben deutscher Kaufleute, in der das Recht und die Befähigung zur Teilnahme auf dem Handelsparkett noch zur Disposition stand: die kaufmännische Etablierungsphase. Die Analyse von Briefwechseln aus gerade diesem Lebensabschnitt bietet aussagekräftige Einblicke in kaufmännische Such- und Findungsprozesse, Manöver und Winkelzüge und erlaubt es festzumachen, welche Handels- und Verhandlungvollzüge wie im Kaufmannsgeschäft von Erfolg gekrönt sein konnten. Denn Gegenteiliges führte hier zum Fiasko. Die Briefe zeugen dadurch einschlägig von adäquaten Arten und Weisen kaufmännischer Selbst-Bildung.

Quellen: Die Quellengrundlage liefert das für die Jahre 1743-1745 nahezu vollständig und in zweiseitiger Überlieferung erhaltene Briefarchiv des Hamburger Kaufmannes Nicolaus Gottlieb Lütkens (1716-1788). Dieses Archiv schließt im Herbst 1745, kurz bevor der Kaufmann in den Stand der Ehe eintreten sollte. Es deckt damit die zwei entscheidenden vorangehenden Jahre seiner Etablierung ab. Der Hamburger Kaufmann wird in der Arbeit jedoch nicht alleinig zum Gegenstand der Betrachtung gemacht. Vielmehr erlaubt es der Quellenbestand – mit Zugriff auf sowohl abgehende als auch eingehende Briefe – ihn und seine Aktivität von Beginn an als einen Teil eines weitverstrickten und insgesamt auf die Rechtmäßigkeit deutscher Ansprüche am Atlantikgeschäft insistierendes Netzwerkes deutschstämmiger Kaufleute im Nordeuropa der 1740er Jahre zu verorten. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Briefkorrespondenz und die Rekonstruktion der Handelsaktivität einer ‚Community of Practice’ von ingesamt 30 deutschstämmigen Handeltreibenden, sesshaft und miteinander verbunden in Hamburg, London, Bilbao, Amsterdam, Bordeaux und Nantes – und dieses auf Grundlage des Lütkens-Bestandes.

Theorie: Die theoretisch-methodische Anlage der Arbeit trägt dieser Herangehensweise Rechnung. Das Projekt folgt einer praxeologisch-konversationsanalytischen Grundannahme. Bedeutet: Die Prozesshaftigkeit von Briefwechseln - im Zeitraffer und vor der Bedingung der Beteiligung gleich mehrerer Partizipanden an spezifischen brieflichen Konversationen – erhält für die Rekonstruktion kaufmännischer Briefschaften den Vorzug vor einer Fokussierung auf den Einzelakt des Briefe-Schreibens. Die These ist, dass sich Form, Gehalt und Machart kaufmännischer Sozialität, Aktivität und Selbst-Bildung letztlich erst aussagekräftig im Verlauf und im gegenseitigen Aushandlungsmoment – den Effekten von Briefwechseln – erschließen lassen. Das schriftliche Gespräch, die Praxis, erklärt sich selbst ihrer spezifischen Grundelemente und der wirksamen kaufmännischen Qualitäten.

Anspruch: In acht Episoden zu charakteristischen kaufmännischen Aktivitäten, die zu Anfang erwähnten eingeschlossen, als Briefgeschehen dicht, mehrstimmig und im Zeitverlauf rekonstruiert, bietet diese Dissertation Erkenntnisse zu verschiedensten und dabei zur Etablierung entscheidenden kaufmännischen Vorgehensweisen, Taktiken, Lösungswegen, Handhabungen und Selbstbestimmungen. Dass dabei geläufige Forschungsmeinungen zu vermeintlichen Erfolgsgaranten kaufmännischer Betriebsamkeit zu überdenken, zumindest jedoch zu nuancieren sind, versteht sich als Postulat der Arbeit. Im Blick auf Briefwechsel vor praxeologischer Grundannahme gilt: Sämtlich erklärt sich die kaufmännische Sozialität und die jeweils als adäquat verhandelten Umgangsweisen mit verortetem Selbst und verübter Handelspraxis der kaufmännischen Akteure zur Verhandlungssache. Was Tugend und Tüchtigkeit, legitim oder Grauzone, ehrbar oder verschlagen, ‚recht woll’ oder ‚thöricht’ war, lag im Auge der Betrachter. Rückschlüsse ergeben sich in den Episoden jedoch daraus, was letztlich funktionierte. Diese Dissertation tritt an, den Blick vom Kaufmann mit der weißen Weste zum Kaufmann mit Raffinesse zu wenden. Das jedoch positiv konnotiert. Im dreifachen Wortsinn versteht sie sich als damit als eine Geschichte ‚geschickter’ Handelsmänner am Siedepunkt der Frühen Neuzeit.

Die Dissertationsschrift zum Hamburger Kaufmann und Senator Nikolaus Gottlieb Luetkens erscheint 2020.

 

Publikationen

Herausgeberschaft:

Haasis, Lucas, and Constantin Rieske (eds.): Historische Praxeologie. Dimensionen vergangenen Handelns. Paderborn: Schöningh, 2015.

Artikel

“The writing Seamen of the Bremen ship Concordia. Learning from text and materiality of a notebook and three letters about the writing habits of early modern sailors.” In: Peter Burschel, Sünne Jüterczenka (eds.): Das Meer. Maritime Welten in der Frühen Neuzeit / The Sea: Maritime Worlds in the Early Modern Period, Cologne/Weimar/Vienna, erscheint 2020.

Mit Christina Beckers, Thomas Heidorn und Annika Raapke: Kaperer im Archiv. Über Vernetzung und Grenzen und die riskante Geschichte der „Herzog von  Oldenburg“, in: Freist, Dagmar et al. (Hrsg.): ArchivGeschichten. Festschrift für Gerd Steinwascher, Kröner, Stuttgart 2018.

"Papier, das nötigt und Zeit, die drängt übereilt. Zur Materialität und Zeitlichkeit von Briefpraxis im 18. Jahrhundert und ihrer Handhabe.” In Praktiken der Frühen Neuzeit, edited by Arndt Brendecke, 305-319. Cologne/Weimar/Vienna, 2015.

“Noch bleibt mir ein Augenblick Zeit um mich mit Euch zu unterhalten.“ Praxeologische Einsichten zu kaufmännischen Briefschaften des 18. Jahrhunderts.” In: Dagmar Freist (Hrsg.): Diskurse-Körper-Artefakte. Historische Praxeologie in der Frühneuzeitforschung, , 87-113, Bielefeld 2014.

Mit Annika Raapke. “Ihr ergebenster und sehr gehorsamer Diener und Sohn. Selbstzeugnisse (2013): 16-23.

Tagungsberichte

Haasis, Lucas/Rieske, Constantin: Tagungsbericht Doings-Sayings-Writings. 2. Historiker-Workshop des DFG-Graduiertenkollegs 1608/1 „Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung“. 12.07.2013-13.07.2013, Oldenburg, in: H-Soz-u-Kult, 21.10.2013, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5080.

Haasis, Lucas/Rieske, Constantin: Tagungsbericht Doings-Sayings-Writings. 1. Historiker-Workshop des DFG-Graduiertenkollegs "Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung". 07.12.2012-08.12.2012, Oldenburg, in: H-Soz-u-Kult, 23.02.2013, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4665.

Haasis, Lucas: Tagungsbericht Praktiken der Selbst-Bildung im Spannungsfeld von ständischer Ordnung und gesellschaftlicher Dynamik. 16.02.2012-18.02.2012, Oldenburg, in: H-Soz-u-Kult, 12.05.2012,

We2xbmasthuer (sa.wucr6neumann@uol.ukvgqde) (Stand: 15.06.2020)