Bachelorstudiengang Umweltwissenschaften, 68 Seiten (Erst- und Zweitgutachter)
Im Rahmen dieser Arbeit konnten insgesamt 36 Neophytenarten auf Wangerooge dokumentiert werden. Es wurden 13 dieser Arten als invasiv klassifiziert und 21 als nicht-invasiv. Die Arten Pinus nigra und Spartina anglica konnten zwar nachgewiesen werden, wurden allerdings weder kartiert noch hinsichtlich der potenziellen Invasivität bewertet.
Der Vergleich der Ergebnisse zu denen Hahns aus dem Jahr 2006 zeigte, dass sich die von Hahn als invasiv klassifizierten Arten Fallopia japonica und Prunus serotina auf Wangerooge deutlich ausbreiten konnten. Der Vergleich der Biotoptypenkartierung 2017 mit den Ergebnissen Hahns (2006) konnte belegen, dass sich auch Rosa rugosa zusätzlich ausbreiten konnte. Die Arten Senecio inaequidens und Impatiens glandulifera wurden von Hahn (2006) nicht als invasiv klassifiziert, werden in dieser Arbeit jedoch als invasiv gewertet und konnten sich seit dem Jahr 2006 ebenfalls auf Wangerooge ausbreiten. Die Bestände der invasiven Neophyten Campylopus introflexus, Solidago gigantea und Helianthus tuberosus haben sich seit 2006 verkleinert.
Somit kann der Hypothese, dass alle von Hahn (2006) als invasiv klassifizierten Neophyten die 2006 auf Wangerooge zu finden waren, auch im Jahr 2018 nachweisbar sind, zugestimmt werden. Der Neophyt Heracleum mantegazzianum gilt zwar als invasiv und wurde 2018 nicht dokumentiert, galt jedoch 2006 als nicht-invasive Art (Hahn 2006).
Die Hypothese, dass sich diese Neophyten seit dem Jahr 2006 ausgebreitet haben, kann nur teilweise bestätigt werden, da sich die Bestände von Rosa rugosa, Fallopia japonica und Prunus serotina zwar vergrößern konnten, die flächenmäßige Verbreitung von Campylopus introflexus jedoch deutlich zurückgegangen ist. Die invasiven Neophyten Aronia prunifolia, Crassula helmsii, Quercus rubra und Lonicera involucrata sind erst nach dem Jahr 2006 auf Wangerooge in die natürliche Vegetation eingewandert und haben sich seitdem ausbreiten können.
Auf der Basis der genannten Vergleiche und der dargestellten Ergebnisse wurde unter Berücksichtigung der entsprechenden Fachliteratur für jede invasive Art individuell beurteilt, ob eine Bekämpfung notwendig und realisierbar ist.
Die invasiven Neophyten Fallopia japonica und Impatiens glandulifera konnten sich ebenfalls ausbreiten, jedoch fast ausschließlich in anthropogen geprägten und naturschutzfachlich weniger bedeutenden Bereichen, wie beispielsweise an Straßenrändern. Die Bekämpfung von Fallopia japonica findet bereits statt und sollte in jedem Fall fortgeführt werden. Von einer Bekämpfung der Art Impatiens glandulifera ist aufgrund der geringen Ausbreitung abzusehen. Der Neophyt Senecio inaequidens konnte sich auf Wangerooge expansiv ausbreiten und besiedelt im Jahr 2018 verschiedenste Bereiche, sowohl in der natürlichen Vegetation als auch im direkten Einflussbereich des Menschen. Da von Senecio inaequidens allerdings keine nachweisbare Gefahr für die Biodiversität ausgeht, muss die Art noch nicht bekämpft werden.
Falls Forschungsprojekte jedoch Gegenteiliges beweisen sollten, muss eine Bekämpfung erneut diskutiert werden. Da sich das flächenmäßige Vorkommen des Kaktusmooses, Campylopus introflexus, deutlich verkleinert hat, muss die Art ebenfalls nicht bekämpft werden. Stattdessen sollte eine Untersuchung an den betreffenden Flächen erfolgen, die die Folge-Vegetation bzw. eine mögliche Besiedlung durch Flechten erfasst. Die Ausbreitung von Lonicera involucrata ist bislang auf die Randbereiche einer Straße beschränkt und erfordert ebenfalls noch keine Maßnahmen, es sollte jedoch regelmäßig beobachtet werden, ob die Art es schafft sich auch abseits dieses Vorkommens in der natürlichen Vegetation zu etablieren. Auch die Vorkommen von Quercus rubra sind derzeitig noch vermeintlich klein und verursachen höchstwahrscheinlich noch keine Schäden in den besiedelten Arealen. Um jedoch vorzubeugen, dass sich die Art ausbreitet sollten die Individuen entfernt werden. Je schneller dies erfolgt, desto einfacher und effektiver kann eine solche Maßnahme gestaltet werden.Es konnte gezeigt werden, dass besonders die Ausbreitungen der Arten Prunus serotina, Aronia prunifolia, Crassula helmsii und Rosa rugosa aus Sicht des Naturschutzes als höchst problematisch anzusehen sind. Daher sollte die Bekämpfung dieser Arten erste Priorität haben, besonders in bedrohten und naturschutzfachlich wertvollen Gebieten der Insel.
Neben der Bekämpfung bestehender Vorkommen von Neophyten sollte in Zukunft vermehrt auch die Prävention neuer Vorkommen angestrebt werden. Besonders das unsachgemäße Entsorgen von Gartenabfällen an Straßenrändern konnte in der Vergangenheit auf Wangerooge zur Ausbreitung bzw. Etablierung einiger, teilweise invasiver, Neophyten. Um zu verhindern, dass dies in Zukunft weiterhin ein Ausbreitungsfaktor für Neophyten darstellt, sollte das Thema der Neophytenproblematik auch zunehmend mit den Einheimischen Wangerooges diskutiert werden. Neben dem Umgang mit Gartenabfällen könnte auch grundsätzlich diskutiert werden, welche Arten in Gärten angebaut werden sollten. Es konnte beobachtet werden, dass in zahlreichen Gärten Wangerooges teils invasive Neophyten angebaut werden. Um zu verhindern, dass invasive Arten aus Gärten heraus in die natürliche und wertvolle Vegetation Wangerooges verwildern, könnten den Gartenbesitzern alternative Gartenpflanzen empfohlen werden, von denen voraussichtlich ein geringeres Invasionsrisiko ausgeht. Eine solche Empfehlung zu alternativen Gartenpflanzen wurde bereits vom Zentralverband Gartenbau e.V. passend zu jeder potenziell invasiven Gartenpflanze formuliert (Zentralverband Gartenbau e.V. 2008).
Diese Arbeit konnte Wissenslücken hinsichtlich des Artenspektrums und der Ausbreitung von Neophyten auf Wangerooge seit dem Jahr 2006 schließen. Die kartographischen Darstellungen der Vorkommen sowie die Diskussion über Maßnahmen zur Bekämpfung können zukünftig den Naturschutzbemühungen im Nationalpark als Hilfsmittel dienen. Außerdem können die Ergebnisse als Vergleichsgrundlage für zukünftige Erfassungen genutzt werden. Um eine solche Datengrundlage auch für die anderen ostfriesischen Inseln zu erstellen, könnten Abschlussarbeiten wie diese, zukünftig auch dort durchgeführt werden.