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EIN-IMDE - Einfluss etablierter und subjektiv wahrgenommener und bewerteter individueller Charakteristika auf das Inanspruchnahmeverhalten von Menschen mit depressiven Störungen? Eine Längsschnittuntersuchung zur Ergänzung des „Behavioral Model of Health Services Use“ und zu bedarfskongruenter Inanspruchnahme 

Zwei von drei Personen, die die Diagnosekriterien für eine Depression erfüllen, nehmen keinen Kontakt zum Versorgungssystem auf. Aus objektiver Sicht sind somit zwei Drittel aller Depressionspatienten unterversorgt. Weniger berücksichtigt bei der Bewertung der Versorgung wird die subjektive Perspektive der Menschen, die Versorgung (nicht) in Anspruch nehmen. Um zu klären, von welchen Faktoren das Inanspruchnahmeverhalten von Menschen mit Depressionen abhängt, kann auf das „Behavioral Model of Health Services Use“ zurückgegriffen werden.
 


Abbildung 1: Ergänzung des Behavioral Model of Health Services Use um subjektiv
wahrgenommene und bewertete Charakteristika

Um Charakteristika zu identifizieren, die mit der Inanspruchnahme professioneller Hilfe von Menschen mit Major Depression zusammenhängen, wurde zunächst ein Systematisches Review durchgeführt, welches einen Mangel an prospektiven Kohortenstudien sowie an Studien zum Einfluss subjektiv wahrgenommener und bewerteter Charakteristika aufdeckte (1). Eine Pilotstudie im querschnittlichen Mixed-Methods Design diente dazu, subjektiv wahrgenommene und bewertete individuelle Charakteristika in das „Behavioral Model of Health Services Use“ zu integrieren und Zusammenhänge zwischen ihnen und dem Inanspruchnahmeverhalten von Patienten mit Depressionen aufzudecken.

Im Rahmen dieser prospektiven, repräsentativen Längsschnittstudie mit zwei Messzeitpunkten soll nun untersucht werden, ob durch die Ergänzung subjektiver Charakteristika im „Behavioral Model of Health Services Use“ das Inanspruchnahmeverhalten von Menschen mit Depressionen besser erklärt werden kann. Dafür werden über Telefoninterviews zu T0 und 12 Monate später (T1) etablierte und subjektive Charakteristika sowie die Inanspruchnahme quantitativ erfasst. Weiterhin werden die Personen genauer betrachtet, die inkongruent zum objektiven Bedarf bzw. ihrem subjektiven Bedarf, depressionsspezifische Versorgung in Anspruch nehmen bzw. nicht in Anspruch nehmen. Zunächst soll beschrieben werden, wie groß der Anteil dieser Personen ist. Schließlich wird untersucht, wie Menschen die Inkongruenz in ihrem Verhalten erklären (qualitative Befragung). Identifizierte veränderbare Einflussfaktoren stellen Ansatzpunkte für Strategien zur Erhöhung einer zum objektiven und zum subjektiven Bedarf kongruenten Inanspruchnahme von Menschen mit Depressionen dar.

 

  1.          Magaard JL, Seeralan T, Schulz H, Brütt AL. Factors associated with help-seeking behaviour among individuals with major depression: A systematic review. PLoS One. 2017;12(5):e0176730.
Webmasqjfugter (david.sass@uol.deuy0) (Stand: 27.01.2020)