NIPT und Schwangerschaft - was macht das gewonnene Wissen mit schwangeren Personen?
NIPT und Schwangerschaft - was macht das gewonnene Wissen mit schwangeren Personen?
Marie-Sophie Müller
Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität zu Lübeck
Seit 2012 ermöglichen nicht-invasive Pränataltests (NIPT) als etabliertes Instrument, schwangeren Personen einen einfachen und risikoarmen Zugang zu genetischen Informationen über den Fötus. In der modernen medizinischen Praxis haben sich pränatale Tests als häufig genutzte Methode zur Früherkennung von möglichen genetischen Auffälligkeiten etabliert. Doch während diese Tests den schwangeren Frauen mehr Informationen über die Gesundheit des Fötus bieten, entstehen zugleich auch soziale und emotionale Herausforderungen, die weitgehend unerforscht geblieben sind.
Die ersten zwölf Wochen als besondere Zeit - In den ersten zwölf Wochen sprachen die Studienteilnehmerinnen nur wenig oder gar nicht über die beginnende Schwangerschaft. Die erste zeit war vielmehr durch Schweigen, Unsicherheit und Tabuisierung geprägt. Ängste und Sorgen, insbesondere im Zusammenhang mit pränatalen Untersuchungen, Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüchen, blieben häufig unausgesprochen und führten zu Isolation. Die frühe Durchführung des NIPT kollidierte mit empfundenen Unsicherheiten und dem rechtlichen Entscheidungsdruck des §218a, wodurch das erste Trimester als außergewöhnlicher zeitlicher Kontext pränataler Diagnostik erlebt wurde. Mit dem Begriff der Isolation ist unter anderem die Abwesenheit interaktiver Unterstützung in der Auseinandersetzung mit dem NIPT gemeint. Innerhalb der sozialen Strukturen im Leben der Frauen fand so wenig Austausch statt, dass diese sich teilweise in ihrer Auseinandersetzung auf sich selbst gestellt, isoliert wiederfanden. Letztlich führte diese Art der Isolation zu einer starken Verschiebung der Entscheidungsverantwortung auf die Seite der Schwangeren.
Isolation im gesellschaftlichen Kontext: Das in den Interviews beschriebene gemeinschaftliche Schweigen über frühe Schwangerschaften führte zur Isolation der schwangeren Personen. Schwangerschaft und pränatale Testungen, einschließlich der nicht-invasiven Diagnostik, blieben meist privat. Gründe hierfür waren das Bedürfnis nach persönlicher Auseinandersetzung, ein gesellschaftlicher Konsens gegen frühe Verkündung sowie die Tabuisierung von Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüchen. Das fehlende Teilen der Erfahrungen verstärkte das Gefühl des Alleinseins und führte zu einer ungleichen Verteilung mentaler Belastungen.
Isolation in der Partnerschaft: Die Partnerschaften der interviewten Frauen erwiesen sich als zentraler, teils belastender Bezugsrahmen der Entscheidungsfindung zur Pränataldiagnostik. Da die Partner häufig die einzigen Gesprächspersonen waren, verdichtete sich die Verantwortung für die Entscheidung innerhalb der Beziehung. Die Frauen beschrieben einen starken Druck, eine Entscheidung treffen zu müssen, insbesondere bei Uneinigkeit über mögliche Konsequenzen verschiedener Testergebnisse. Zugleich bestanden Ängste vor dem Verlust der Partnerschaft sowie davor, mit der Entscheidung und deren Folgen allein dazustehen.
Isolation in der gynäkologischen Vorsorge: Die Frauen gingen häufig unaufgeklärt in die NIPT-Situation und wussten weder, was genau getestet wurde, noch welche Aussage das Ergebnis haben würde. Die Übermittlung der Ergebnisse erfolgte kurz und unverbindlich telefonisch. Während unauffällige Befunde von den Frauen als unproblematisch erlebt wurden, führten auffällige Ergebnisse zu starken Gefühlen des Alleingelassenseins. Die Gynäkologin wurde als zentrale Bezugsperson für Verständnis, Begleitung und emotionale Unterstützung während dieser Phase gesehen.