Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V.

Was wäre unsere Region ohne ihre Universität?!

Dr. h.c. Peter Waskönig (1932 - 2017)

Mitglied werden

Nahezu 1.000 Mitglieder zählt die UGO. Damit ist sie eine der größten Universitätsgesellschaften in Deutschland. Wer Mitglied wird, erhält die Möglichkeit, an zahlreichen Aktivitäten der UGO teilzunehmen. 

mehr

Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V.

Festakt anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Kooperationsvereinbarung zwischen der Rijksuniversiteit Groningen und der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg am 29. Oktober 2020 im Schloss zu Oldenburg

Es kam alles anders als geplant.

In Anwesenheit vom Minister für Wissenschaft und Kultur, Herrn Björn Thümler, wurde im Oldenburger Schloss die neue Kooperationsvereinbarung mit einer Laufzeit von 10 Jahren vom Präsidenten der Carl-von-Ossietzky-Universität, Herrn Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper, unterzeichnet. Sein Kollege, Herr Prof. Dr. Jouke de Vries, tat es ihm gleich, aber nicht in Oldenburg, sondern in Groningen. Dieses Beispiel macht deutlich, unter welchen Umständen dieser Festakt durchgeführt werden musste. Es war der Plan D, wie Frau Prof. Dr. Esther Ruigendijk von der Universität Oldenburg anmerkte, „ohne Publikum, aber Live-Stream“.

Als Moderatorin dieser in jeder Beziehung bemerkenswerten Veranstaltung wies Frau Ruigendijk darauf hin, dass dieser Festakt eigentlich im Rahmen der geplanten „Auftakt“-Veranstaltung hätte stattfinden sollen. So der Plan A.

Wegen Corona musste man allerdings auf Plan B ausweichen; im Schloss, in kleinem Kreis mit Vertretern aus Groningen und Oldenburg. Doch dann wurde Holland zum Risikogebiet erklärt. Also musste Plan C her.

Oldenburger und ihre wenigen Gäste im Schloss und die Groninger und ihre wenigen Gäste aus Groningen online dazugeschaltet.

Aber auch daraus wurde nichts.

Es musste Plan D umgesetzt werden: ohne Publikum im Oldenburger Schlosss, ohne Publikum in Groningen, aber nicht nur im Geiste, sondern auch online verbunden.

In seinem Grußwort wies der Präsident der Rijksuniversiteit Groningen, Herr Prof. Dr. Jouke de Vries, darauf hin, dass die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg eine sehr starke, anerkannte Universität sei und er heute die Unterzeichnung des neuen Kooperationsvertrages mit zusätzlich geplanten Aktivitäten sehr gerne vornehmen würde.

Es schloss sich dann das Grußwort unseres Ministers für Wissenschaft und Kultur, Herrn Björn Thümler, an. Der Minister wies darauf hin, dass die beiden Vertragspartner eine sehr unterschiedliche Historie hätten. Dort die 400 Jahre alte Rijksuniversiteit und hier die noch junge Universität Oldenburg mit ihrer 46-jährigen Geschichte. Trotz dieses großen Unterschiedes hat sich die Kooperation zwischen beiden Universitäten hervorragend entwickelt und das Ergebnis erfülle ihn mit Stolz. Gerne erinnerte er sich an die Vorbesprechung vor 2 Jahren in Groningen gemeinsam mit Prof. Piper.

In den letzten 40 Jahren ist aus dem Vertrag heraus eine grenzüberschreitende, stabile und belastbare Partnerschaft entstanden, die mit der Gründung und Umsetzung der European Medical School (EMS) ihre absolute Krönung erfahren habe. Gerade EMS sei ein herausragendes Beispiel für intensive, erfolgreiche europäische Zusammenarbeit. Daher müsse EMS unbedingt fortgeführt werden. Es handele sich auch um ein Versprechen gegenüber Groningen und die gefassten Beschlüsse der Landesregierung ließen ja auch den Beginn des weiteren Ausbaus z. B. in Form von Laborgebäuden zu.

Es ginge auch darum, unterschiedliche Gesundheitssysteme zu analysieren und daraus wichtige Erkenntnisse für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zu gewinnen. Minister Thümler hob insbesondere auch die sehr guten Studienergebnisse hervor, auf die auch der Wissenschaftsrat in seinem neuesten Gutachten ausdrücklich hingewiesen habe. In diesen Studiengang seien viele Ideen und Erkenntnisse aus Groningen eingeflossen und mit Platz 3 im bundesweiten Ranking könnten beide Partner zu Recht sehr stolz sein.

Die Versorgungsforschung müsse weiter ausgebaut werden, das Geld stünde dafür zur Verfügung.

Nach diesem Grußwort wurden einige Beispiele von Projekten aus 40 Jahren Kooperation in Form von Video-Clips vorgestellt, frei nach dem Motto:

Wie aus Partnern Freunde werden.

 

z. B.

  • Theologie und Geschichte in der Grenzregion Groningen/Ostfriesland
  • International Teacher Education
  • European Medical School
  • Niederlandistik
  • Grenzkontakte, Begegnungen zwischen ehemaligen Kriegsgegnern
  • Hanse Law School
  • Health Service Research
  • Water and Coastal Management
  • Gründungsförderung im Bereich Digitalisierung und Gesundheit

Wenn es Groningen nicht gäbe, müsste man es erfinden.

 

In seiner anschließenden Rede ging Herr Prof. Piper u. a. auf die unmittelbaren Auswirkungen der Gründung und das Bestehen einer Universität auf die jeweilige Region ein.

Sowohl die im Jahre 1614 gegründete Rijksuniversiteit Groningen als auch die 1974 gegründete Universität Oldenburg hätten sehr zur positiven Entwicklung des jeweiligen ländlichen Raumes beigetragen.

Für Oldenburg stand dabei am Beginn die Frage im Raum, wie man ein eigenes Profil entwickeln könne. Dabei standen in den 70er-Jahren gesellschaftspolitische Ambitionen im Vordergrund, z. B.

  • Energie- und Meeresforschung oder auch
  • Wirtschaftsforschung.

Heute hat die Universität Oldenburg nicht nur für die Region Oldenburg mit ihren Leuchttürmen

  • Meeresforschung
  • Hörforschung
  • Informatik
  • Neuroforschung

eine prägende Bedeutung.

Seit Jahrzehnten bildet die Universität Oldenburg herausragende Lehrer*innen und Informatiker*innen aus. Zukünftig werden auch herausragende Mediziner*innen als Haus- und Fachärzte die Universität Oldenburg verlassen.

Dabei ist die Gründung und Weiterführung des Medizin-Studiengangs ein großer Kraftakt, der nur gemeinsam mit Groningen zu stemmen ist. Daher geht der Dank zunächst an die Kolleginnen und Kollegen in Groningen. Groningen hat Kurs gehalten und die Landesregierung muss auch Kurs halten.

Die Universität Oldenburg ist ein wichtiger Motor für die Wirtschaft und sie setzt Impulse. Letzteres drückt sich u. a. auch darin aus, dass die Universität im Ranking der Gründungsuniversitäten in der Kategorie „Mittelgroße Universitäten“ den 1. Platz belegt.

Die Zusammenarbeit mit Groningen ist ein Glücksfall für die Universität Oldenburg, es ist ein Beispiel für ein gelebtes Europa, trotz kultureller und geschichtlicher Unterschiede. Diese Freundschaft ist spannend und wertvoll und sie trotzt der Pandemie.

Deshalb ist es so wichtig, die Kooperation nun weitere 10 Jahre zu verlängern.

Herr Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper schloss mit den Worten

vivat, crescat, floreat

 

Es blühe, wachse und gedeihe die Zusammenarbeit mit der Rijksuniversiteit Groningen.

In seiner Ansprache hob Herr Präsident Prof. Dr. Jouke de Vries die enge Zusammenarbeit der nördlichen Region Hollands mit der nördlichen Region Deutschlands hervor und betonte, dass er stolz sei auf die kreative Art, wie diese Feierstunde am Tag der Vertragsunterzeichnung vor 40 Jahren in Corona-Zeiten gestaltet werde. Beide Regionen müssten ihre Kräfte im Interesse von Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit bündeln. Forschung und Bildung müssten auch im Interesse von mehr „Entrepreneurship“ verstärkt werden. Gemeinsam mit Drenthe, Eemshaven, Emmen, Leeuwarden, Papenburg, Dörpen und Oldenburg könnte diese „Universität des Nordens“ genauso erfolgreich werden wie das Silicon Valley.

Forschung und Innovation haben großen Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft. Es müssen gemeinsam Fortschritte im Bereich

  • erneuerbare Energien
  • Digitalisierung
  • Gesundheitswesen
  • grüne Chemie

erreicht werden. Studentinnen und Studenten müssen für die Weiterentwicklung in eine nachhaltige, verantwortungsbewusste und zukunftsfähige Gesellschaft befähigt werden.

Oldenburg und Groningen vereint eine reiche gemeinsame Geschichte, deren Dauer für die nächsten 40 oder gar 400 Jahre heute besiegelt wird.

Nach einer kurzen Musikeinlage durch das „Schneider Swing Trio“

stellten Frau Prof. Ruigendijk und Prof. Mervin Bakker die „Roadmap“ für die zukünftige Kooperation vor. U. a. sollen folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

  • Healthy ageing for a healthy society
    • EMS
    • Cross Border Institute (CBI)
  • Governance, law and politics for a sustainable society
  • Energy Transmission and Climate Adaption
  • Water and Coastal Management
  • Teacher Training and Pedagogics
  • German and Dutch Language
    • Linguistics and history
    • Cultural heritage
  • Digital Society and Technologies
    • Mathematics
    • Algebra
    • Informatics
  • Knowledge Transfer
    • Entrepreneurship
    • Public engagement and outreach

Frau Ruigendijk schloss mit den Worten

offen für neue Wege – making connections

 

Nach der Vorstellung der „Roadmap“ und kurzer Musikeinlage unterzeichneten die beiden Präsidenten an ihrem jeweiligen Ort den neuen Kooperationsvertrag mit einer Laufzeit von 10 Jahren.

Beide Präsidenten hoben noch einmal die große Bedeutung dieser Kooperation hervor.

Den Festvortrag hielt Frau Prof. Dr. Cisca Wijmenga von der Rijksuniversiteit Groningen zum Thema

Of Man and microbes: diversity matters

 

Hierin ging sie sehr detailliert auf die Gesamtheit der Mikroben, ihre Gene und ihre Stoffwechselprodukte bei Menschen ein. Sie wies darauf hin, dass 68 % der Menschen, die älter sind als 65, an zwei oder mehr chronischen Krankheiten leiden und diese wiederum die Krankheitssymptome bei Covid-19 verstärken. Zu diesen chronischen Krankheiten gehören am häufigsten Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufgrund dieser Krankheitsbilder ist bei den davon betroffenen Patienten auch die Todesrate bei Covid-19-Erkrankten deutlich höher.

Frau Wijmenga führte dann weiter aus, dass sowohl genetische Veranlagungen als auch Umwelteinflüsse für die entsprechenden chronischen Erkrankungen verantwortlich sind. In einer Studie mit 167.000 Teilnehmer*innen kam sie zu der Erkenntnis, dass eine vielfältige, gesunde Gesamtheit an Mikroben bei

  • gesunder Ernährung
  • Kindheit in ländlicher Region
  • Anwesenheit von Haustieren und
  • grüner Umgebung
  • vorliegt. Negativ wirken sich
  • fettreiches, kalorienreiches Essen
  • hoher Medikamentengebrauch
  • Rauchen und
  • Umweltverschmutzung

aus.

Zu den dadurch möglichen Erkrankungen gehört u. a. Diabetes.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden ab dem 30. März diesen Jahres an mehr als 500.000 Personen detaillierte Fragebögen verschickt, um die unterschiedlichen Aspekte der Verbreitung des Corona-Virus zu erforschen. Die Rücklaufquote pro Fragebogen lag bei 30.000 bis 50.000 Teilnehmer*innen.

Die Ergebnisse wurden in ein s. g. „Corona-Barometer“ für die Niederlande überführt. Folgende Ergebnisse wurden explizit genannt:

  • Junge, alleinlebende Personen (jünger als 30 Jahre) fühlten sich am Beginn des Lockdowns einsam.
  • Viele Personen haben aufgehört zu rauchen.
  • 86 % der Niederländer haben im eigenen Land ihren Urlaub verbracht.
  • Die Arbeitslosigkeit ist Corona-bedingt gestiegen.

Aus medizinischer Sicht bestimmen zwei genetische Risikofaktoren eine Anfälligkeit gegenüber Covid-19, wovon einer die Schwere der Erkrankung bestimmt. Dieses Gen, das das größte Risiko für Covid-19-Patienten bedeutet, wurde von den Neandertalern weitervererbt.

Zusammenfassend stellte sie fest:

  • Das große Potential unserer Infrastruktur-Lebensadern wurde vor 15 Jahren noch nicht erkannt.
  • Die Gesamtheit der Mikroorganismen eines menschlichen Darms ist ein „Organ“, das in unserem Immunsystem und unserem Stoffwechsel eine herausragende Rolle spielt.
  • Eine gesunde Darmflora ist ausgesprochen vielfältig.
  • Die Möglichkeit, die Gesamtheit der Mikroorganismen einzustellen bzw. zu modulieren, eröffnet neue Möglichkeiten, chronische Krankheiten zu bekämpfen.

Leider konnte dieses Ereignis, nämlich 40 Jahre Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen, nicht im gebührenden Rahmen einer Auftaktveranstaltung gefeiert werden. Die hier gewählte Alternative, nämlich eines Online-Festaktes im Oldenburger Schloss, wurde dem Anlass unter den herrschenden Umständen sehr wohl gerecht.

Prof. Dr. Werner Brinker

Internetkoordinator (Stand: 22.07.2021)