Das SimLab - ein innovativer Ansatz für die Ethiklehre?
Das SimLab - ein innovativer Ansatz für die Ethiklehre?
Wiebke Paulsen1, Irene Hirschberg2, Matthias Katzer2, Corinna Klingler3, Katja Kühlmeyer3, Nora Ryback4, Carola Seifart5, Anna Siemens6, Annett Wienmeister7, Julia Wolters8 für die AG ethik learning
1 Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Uniklinik RWTH Aachen
2 Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin, Medizinische Hochschule Hannover
3 Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München
4 Hochschule für angewandte Wissenschaften Campus Wien
5 Institut für angewandte und klinische Ethik im Gesundheitswesen, Universität Marburg
6 Fachbereich Geschichte, Ethik und Theorie der Medizin, OVGU Magdeburg
7 Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Charité Universitätsmedizin Berlin
8 Stabsstelle Klinische Ethik am UKE, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zielgruppe: alle Personen, die in Gesundheitsfächern und -berufen kompetenz-orientierte Ethik-Lehre anbieten (wollen) und ihr Methodenrepertoire erweitern wollen
Dauer: 180 Minuten
Ziel: Im Workshop beschäftigen wir uns mit dem methodischen Ansatz des Simulations-Labors (SimLab) als mögliches didaktisches Mittel für den Ethikunterricht in Gesundheitsberufen. Die Teilnehmenden erhalten eine kurze konzeptionelle Einführung, führen ein SimLab als simulierende oder beobachtende Personen durch und reflektieren im Anschluss die dabei gewonnenen Lernerfahrungen, die Lehrmethode und deren mögliche Eignung für die Vermittlung von ethischen Kompetenzen.
Hintergrund: Das didaktische Konzept des SimLabs ist in Anlehnung an sog. „Skills Labs“ entstanden. Skills Labs sind praxisorientierte Lernumgebungen, die es angehendem Gesundheitspersonal ermöglichen, relevante Fähigkeiten (Skills) für die (spätere) Berufstätigkeit in einer geschützten Simulationsumgebung (Lab) zu erproben und weiterzuentwickeln. Dieser Ansatz hat sich für kompetenz- und handlungsorientierte berufliche Lehre zunehmend etabliert und ist in manchen Studiengängen wie der Medizin bereits fest verankert. Skills Labs sind somit neben dem Lernort Theorie („im Klassenzimmer oder Hörsaal“) und dem Lernort Praxis („am Patientenbett“) ein wichtiger Ort für die professionelle Kompetenzentwicklung. Ursprünglich wurde diese Methode für das Erlernen klinisch-praktischer Fertigkeiten, wie bspw. dem Legen eines Gefäßzugangs oder der ärztlichen Gesprächsführung konzipiert. Mittlerweile werden mit dieser Methode auch komplexe interprofessionelle Simulationen durchgeführt – bis hin zu Notfallszenarien, die in der Praxis nur schwer geübt werden können. Neben fachpraktischen Trainings steht die (Selbst-)Reflexion im Mittelpunkt: Die Simulationen werden in einem separaten Raum durch weitere Lernende und die Lehrperson per Kamera oder Spiegelscheibe beobachtet und ggf. aufgezeichnet. Für die Nachbesprechung lassen sich so relevante Stellen leicht herausgreifen, um diese anschließend unter professioneller Anleitung ausführlich zu reflektieren.
Eine Übertragung dieses methodischen Ansatzes im Sinne eines Simulations-Labors (SimLab) zur Vermittlung ethischer Kompetenzen in Gesundheitsberufen scheint verlockend. Anhand konkreter realitätsnaher Szenarien im Lernort „SimLab“ könnten ethische Kompetenzen wie z.B. Wahrnehmungs-, Reflexions-, Bewertungs-, und Handlungskompetenzen vermittelt werden. Mittels simulierter Handlungssituationen könnte so eine Vertiefung und Ergänzung bereits gelehrter theoretischer Inhalte erfolgen. Zugleich stellen die Auswahl und Durchführung ethischer Szenarien die Lehrenden vor Fragen: Welche Szenarien bieten sich für das Erlernen ethischer Kompetenzen mithilfe einer Simulation an? Wie bereitet man die Simulationspersonen auf ihre Rolle vor? Worin genau besteht der Vorteil eines SimLabs im Vergleich zu etablierten Lehrmethoden (z.B. zur strukturierten Besprechung eines Fallbeispiels und zum klassischen Rollenspiel)? Wie soll Feedback bzw. Reflexion bei ethischen Szenarien gestaltet werden, in denen verschiedene Handlungen begründbar sind?
In diesem Workshop soll erprobt und diskutiert werden, ob und inwiefern dieser Ansatz auch für die Ethik-Lehre interessante Anwendungsperspektiven bieten kann, aber auch welche spezifischen Herausforderungen damit einhergehen. Dafür werden die Teilnehmenden zunächst kurz mit den theoretischen und methodischen Grundlagen des SimLab-Konzeptes vertraut gemacht. Danach wird ein Szenario aus dem klinisch-ethischen Kontext für eine Ethik-Lehreinheit im SimLab vorgestellt. Die Teilnehmenden werden in simulierende und beobachtende Personen eingeteilt und führen gemeinsam die Lernerfahrung durch.
Im Anschluss werden die Erfahrungen der simulierenden und beobachtenden Personen gemeinsam reflektiert und analysiert. Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen der Methode für die Ethik-Lehre an sich werden diskutiert, außerdem können Teilnehmende Anknüpfungspunkte für die eigene Lehrtätigkeit formulieren.
Ablauf:
30 min: Begrüßung, Vorstellungsrunde und konzeptionelle Einführung in die SimLab-Methode
20 min: Vorstellung eines SimLab-Szenarios, Verteilung von Rollen und Klärung von Fragen
20 min: Vorbereitende Kleingruppenphase für Simulationspersonen und Beobachtende
15 min: Pause
35 min: Durchführung der Simulation
45 min: Reflexion der eigenen Lernerfahrung, Diskussion des Szenarios und der Methode
15 min: Abschlussrunde
Literatur:
Seifart C, Schönbauer A, Monteverde S, Krones T 2022. Konzeption von Simulationen mit Simulationspersonen für die Medizinethik-Lehre. Ethik Med 34, 319-338.
Riedel A, Eckstein C 2024. Der dritte Lernort (Skills-Lab) als bedeutsame Chance der Ethikkompetenzentwicklung im Rahmen des primärqualifizierenden Pflegestudiums. In: Frewer A (Hg.): Ethical Competencies in Medicine German and Global Perspectives. Würzburg: Königshausen und Neumann, JEK 17, 177-198.