Zeit als kostbares Gut – Lebensverlängerung um jeden Preis?

Zeit als kostbares Gut – Lebensverlängerung um jeden Preis?

Sophia Bröchtel 1, Andre Nowak2, Theresa Schneider3

1 Klinisches Ethikkomitee, Universitätsmedizin Göttingen sowie Akademie für Ethik in der Medizin e.V.

2 Klinisches Ethikkomitee und Klinische Ethik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel/Lübeck

3 Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Profilzentrum Gesundheitswissenschaften, Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität, Halle (Saale)

Rahmenbedingungen:

Zeit: 150min (2,5h)
Gruppe: max. 20 Personen 
Zielgruppe: Angestellte im Gesundheitswesen, Ethikberatende
Thema: Futility

Kurzbeschreibung: Lebenszeit ist ein kostbares Gut, da sie für alle Menschen begrenzt ist. Durch gesunde Ernährung, Sport und die Vermeidung riskanter Aktivitäten kann die Lebenszeit in vielen Fällen verlängert werden. Aber auch der medizinische Fortschritt sorgt dafür, dass die durchschnittliche Lebenserwartung immer weiter steigt. Mit High-Tech-Operationen, Chemotherapie, Herz-Lungen-Maschine und ähnlichem sorgt die moderne Medizin dafür, dass der Tod deutlich später eintritt als noch vor 100 Jahren.

In vielen Lebenssituationen wird diese Entwicklung als ein Segen wahrgenommen und viele Patient*innen haben von den immer besseren und neuen Behandlungsoptionen profitiert. Jedoch stellt sich dadurch auch immer häufiger die Frage, wie weit die Medizin gehen soll oder darf. In der Praxis kommt es zu Konflikten im Team oder zwischen dem Team und den Angehörigen, wenn unterschiedliche Auffassungen zu Therapieziel und Indikation vorliegen. Es stellen sich Fragen wie diese: Wann ist eine Behandlung noch indiziert und wann ist es sinnlos, Patient*innen kurativ zu behandeln oder am Leben zu halten? Ist ein bloßer Lebenserhalt ein Therapieziel? Wie ist bei einem Dissens vorzugehen?

Im Laufe des Workshops soll das Wissen um „Futility“ (Sinnlosigkeit/Nutzlosigkeit) erweitert und anhand eines Fallbeispiels näher analysiert sowie diskutiert werden. Damit wird ein Thema adressiert, das für Angestellte im Gesundheitswesen sowie Personen der Ethikberatung im Alltag immer wieder für Unbehagen und/oder Unsicherheit sorgt.

Ablauf: Nach einer kurzen Einleitung startet eine Gruppenarbeit mit der sogenannten „Placemat“-Methode. Dazu setzen sich vier Personen gemeinsam an ein großes Blatt Papier, um zunächst in ihrem eigenen Feld ihr Vorwissen zum Thema „Futility“ zu notieren. Danach tauscht sich die Gruppe aus und notiert in der Mitte des Blattes die wichtigsten Erkenntnisse zu diesem Thema. Im Anschluss werden die Kernpunkte der jeweiligen Gruppe dem Plenum vorgestellt und die bisherigen Informationen durch die Workshopleitung erweitert.

Mit Vorstellung eines fiktiven, aber realitätsnahen Falls wird das Thema „Futility“ praktisch veranschaulicht, um danach in die Diskussion einzusteigen. Die Teilnehmenden werden drei Untergruppen zugeordnet, um eine spezielle Fragestellung zum Fall zu diskutieren. Nach 15 Minuten Diskussion wechseln die Teilnehmenden die Gruppe, bis alle Personen jede Fragestellung bearbeitet haben. Ziel ist es, die Bedeutung von Zeit und die ethischen Aspekte anhand des konkreten Falls zu analysieren.

  • Eine Untergruppe beschäftigt sich mit der Frage, was in der Zeit der kurativen Behandlung für die jeweiligen Betroffenen passiert. Wie wird die Verlängerung der Lebenszeit vom Patienten selbst, von seinen Angehörigen und vom Team erlebt? Wie beantworten sie die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen?
  • Eine zweite Untergruppe beschäftigt sich mit der Frage „Zeit = Geld?“. Hierbei soll diskutiert werden, ob die Kosten für den Platz auf einer Intensivstation oder einer Beatmungs-WG bei der Frage der Lebensverlängerung eine Rolle spielen sollten und warum (nicht).
  • Eine dritte Untergruppe befasst sich mit dem Nutzen-Schaden-Verhältnis über die Zeit hinweg. Ist der Schaden im Fallbeispiel bereits so hoch, dass eine Behandlung nicht mehr gerechtfertigt ist? Nimmt der Schaden über die Zeit hinweg zu? Welchen Nutzen bringt die Lebensverlängerung dem Patienten?

Abschließend werden die Ergebnisse der Untergruppen im Plenum gesammelt und zugleich in Hinblick auf eine mögliche Rolle von Ethikberatung diskutiert. 
Mit dem Workshop sollen verschiedene Perspektiven auf die Bewertung der Sinnhaftigkeit medizinischer Maßnahmen eingenommen und gemeinsam reflektiert werden.

Zeitplan Satelliten-Workshop (150min):

  1. Einleitung (5min)
  2. Gruppenarbeit zu Futility (15min)
  3. Sammeln im Plenum, Ergänzung durch Workshopleitung (30min)
  4. Fallvorstellung (5min)
  5. Falldiskussion in unterschiedlichen Kleingruppen (3x 15min)
  6. Strukturierte Sammlung im Plenum (25min)
  7. Diskussion der Rolle von Ethikberatung bei einem Dissens (20min)
  8. Abschluss (5min)
Internetkoordinator (Stand: 24.06.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p119949
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