Zeitenwende(n) in der Medizinethik – Zur Rolle der Medizinethik in aufgewühlten Zeiten

Zeitenwende(n) in der Medizinethik – Zur Rolle der Medizinethik in aufgewühlten Zeiten

Niklas Ellerich-Groppe1, Florian Funer2, Christin Hempeler3, Anna Hirsch4, Jonas Karneboge5, Nele Röttger6

1 Abteilung Ethik in der Medizin, Department für Versorgungsforschung, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

2 Eberhard Karls Universität Tübingen, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

3 Institut für Gesichte und Ethik der Medizin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 

4 Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin

5 Universität Siegen, Professur für Psychologische Alternsforschung

6 Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie und Medizinische Fakultät OWL, AG Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin 

Die ausgerufene Zeitenwende in der deutschen Politik angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stellt nur ein besonders eindrückliches Beispiel für jüngste politische, soziale und gesellschaftliche Umbrüche dar, mit denen sowohl Medizin und Gesundheitsversorgung wie auch die Medizinethik konfrontiert sind. Ebenso lassen sich weitere globale Entwicklungen beobachten, etwa die Krise liberaler Demokratien wie prominent in den USA oder die tiefgreifenden Veränderungen der (digitalen) Öffentlichkeit, die auch die Medizinethik als Fach vor Herausforderungen stellen.

Wenngleich im Fachdiskurs erste Ansätze zu erkennen sind, diesen veränderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen (vgl. etwa Schicktanz 2025), werden die konzeptionellen, anwendungs- und professionsbezogenen Herausforderungen für eine Medizinethik in aufgewühlten Zeiten bislang nur zurückhaltend thematisiert. Beispielsweise verdienen die Adaption medizinethischer Konzepte für die überzeitliche und kollektive Anwendung wie auch die Reflexion von Gesundheitsversorgung angesichts von Krieg oder der dramatischen Veränderung (sozial)politischer Voraussetzungen eine fundierte Auseinandersetzung. Gleiches gilt etwa für das öffentliche Auftreten der Medizinethik in zunehmend polarisierten Diskurslandschaften.

Gerade für Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen, die mit spezifischen Fragen der Selbstverortung konfrontiert sind, eröffnen solche aufgewühlten Zeiten zugleich Chancen und Herausforderungen: Einerseits besteht die Möglichkeit, die Entwicklung des Faches selbst nachhaltig zu prägen, andererseits kann die Orientierung in einer Situation des stetigen Wandels besonders herausfordernd sein.

Der Satelliten-Workshop des Netzwerks Junge Medizinethik setzt hier an und zielt darauf, sich insbesondere aus der Perspektive von Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen mit der Rolle der Medizinethik als Profession angesichts grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen und Umbrüche auseinandersetzen.

Zu diesem Zweck thematisiert der Workshop zunächst allgemein die Herausforderungen der Zeitenwende(n) für die Medizinethik. Nach einem Impulsvortrag entwickeln die Teilnehmer*innen im Rahmen eines Round-Table-Formats ein differenziertes Verständnis der professionsbezogenen Auswirkungen dieser Umbrüche. Anhand dreier Fallbeispiele – der Krise liberaler Demokratien (am Beispiel der USA), der Bedeutung von Krieg für die Medizinethik und der Veränderung der (digitalen) Öffentlichkeit – werden individuelle, institutionelle, strukturelle und politische Implikationen für eine Medizinethik in der Zeitenwende herausgearbeitet und diskutiert. Die einzelnen Fallbeispiele werden jeweils gemeinsam mit den Teilnehmer*innen durch einen kurzen Videoimpuls einschlägiger Expert*innen zum Themenbereich, einer Fallbeschreibung sowie weiterführende Diskussionsfragen erschlossen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Anfragen, die sich aus diesen Entwicklungen an professionsethische Maßstäbe der Medizinethik ergeben.

Daran schließt sich ein zweiter, selbstreflexiver Teil an. Dabei werden die gewonnenen Erkenntnisse in einen strukturierten Schreibprozess überführt, in dessen Rahmen ein Positionspapier initiiert wird. In diesem Positionspapier soll festgehalten werden, wie sich die Medizinethik angesichts der Zeitenwende(n) als Profession verstehen kann, die mit klarem professionsethischem Kompass ihrem wissenschaftlichen Anspruch, ihrem gesellschaftlichen Auftrag, ihrer politischen Verantwortung und der Pluralität unterschiedlicher Standpunkte unter den Medizinethiker*innen gerecht wird und damit sowohl Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen als auch dem weiten Adressat*innenkreis der Medizinethik Orientierung in aktuellen gesellschaftlichen Prozessen bieten kann.

Zeitplanung:

Zeit (exemplarisch)Inhalt
12:00 – 12:15h Ankommen; Begrüßung; Vorstellungsrunde
12:15 – 12:30hImpulsvortrag: Zeitenwende(n) in der Medizinethik
12:30 – 13:00h Arbeit an den drei Fallbeispielen in Kleingruppen
13:00 – 13:30h Gemeinsame Diskussion der Fallbeispiele im Plenum
13:30 – 13:45hKaffeepause
13:45 – 14:00hImpuls: Medizinethik for Future? Zur Notwendigkeit und Möglichkeit einer professionellen Selbstverortung der Medizinethik angesichts der Zeitenwende(n) 
14:00 – 14:45hDiskussion und strukturierter Schreibprozess
14:45 – 15:00hErgebnissicherung; Verständigung über das weitere Vorgehen; Ausblick

Referenz:

Schicktanz, Silke (2025): Medizinethik in Zeiten herausfordernder Politikentwicklungen. Ethik in der Medizin 37:1-5. https://doi.org/10.1007/s00481-025-00846-9

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