Advance Care Planning – auch ein Ansatz für die Vorausplanung medizinisch begleiteter Geburten?

Advance Care Planning – auch ein Ansatz für die Vorausplanung medizinisch begleiteter Geburten?

Pezi Veronica Mang1,2, Katja Kühlmeyer2

Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE), Ludwig-Maximilians-Universität München, Pettenkofer School of Public Health, München

Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München 

Advance Care Planning (ACP) ist ein prozessorientierter Ansatz, um medizinische Behandlungsentscheidungen zeitlich vorzuziehen und für Situationen (drohender) Einwilligungsunfähigkeit vorzusorgen. Dem Ansatz liegen die Annahmen zugrunde, dass Behandlungsentscheidungen auch durch prospektive Autonomie gerechtfertigt werden können und selbstbestimmte gegenüber fremdbestimmten Behandlungsentscheidungen ethisch zu bevorzugen sind. 

ACP wurde insbesondere für Behandlungsentscheidungen über das Lebensende entwickelt. Für die Vorausplanung der Geburt wurde der Ansatz bisher noch wenig beachtet. Hier hätte ACP das Potential die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Behandlung während der Geburt auch im Einklang mit den Präferenzen der Gebärenden stattfindet. Gegenwärtige Forschung zur ACP der Geburt vernachlässigen Gebärende und fokussieren auf die (palliative) Behandlung des (ungeborenen) Kindes. Der Beitrag geht vor diesem Hintergrund der Frage nach, wie ACP für medizinisch begleitete Geburten aus ethischer Sicht zu bewerten ist. Die Grundlage für die ethische Bewertung sind die Berufsethiken, auf der Basis der Rekonstruktion von berufsethischen Pflichten. 

In dem Beitrag wird zunächst erläutert, was Geburten im Krankenhaus kennzeichnet und welche Behandlungsentscheidungen (z.B. Präferenz- und Notfallentscheidungen) dabei getroffen werden. Notfälle sind besonders zeitkritisch und komplex, können doch indizierte Maßnahmen in Bezug auf die Gebärende auch unerwünschte Konsequenzen für das (ungeborene) Kind haben. Dann wird diskutiert, inwiefern Einschränkungen der Selbstbestimmungsfähigkeit unter der Geburt zu erwarten ist. Daraufhin wird das Konzept des ACPs vorgestellt und in Beziehung zum Status Quo der Geburtsplanung. Im nächsten Schritt werden die professionellen Verantwortungsbereiche der beteiligten Berufsgruppen in diesem Setting herausgearbeitet und verdeutlicht, inwiefern ACP hier die Erfüllung professioneller ethischer Verpflichtungen unterstützen oder einschränken würde. Hier greifen wir Ergebnisse einer qualitative Interviewstudie auf, in denen Expert*innen befragt wurden. Zuletzt kommen wir zu einer ethischen Bewertung, ob ACP für die Vorausplanung von medizinisch begleiteten Geburten geboten erscheint und zeigen Veränderungsbedarfe in der gegenwärtigen Versorgungspraxis auf. 

Internetkoordinator (Stand: 24.06.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p119965
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