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Erfahrene Postdoktorandinnen, Nachwuchsgruppenleiterinnen, Junior-Professorinnen mit und ohne Tenure-Track können sich noch bis Ende Juni für den nächsten Durchgang bewerben, der im Oktober 2026 startet. Das seit 2020 bestehende Programm dauert ein Jahr und unterstützt Teilnehmerinnen dabei, die eigenen Karriereziele konsequent weiter zu verfolgen. 

Neben dem Mentoring durch eine nach den Bedürfnissen der Mentee selbst gewählte erfahrene Person gibt es ein Rahmenprogramm aus Workshops, Einzelcoachings und Diskussionsabenden. „Progressio“ wird aus der Strategiepauschale des „Tenure Track-Programms“ finanziert, einem Förderprogramm des Bundessforschungsministeriums. Es gibt bis zu zwölf Plätze. 

Progressio - nähere Informationen und Bewerbung

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Team Akademische Karrierewege / Referat Forschung und Transfer

Dr. Susanne Elpers

  • Eine Frau mit rosa Pullover steht vor einer Klasse.

    „Progressio" unterstützt Frauen dabei, ihre wissenschaftliche Karriere voranzutreiben. Adobe Stock/Laflor2000

Karriereziel Professur? „Normal, zwischenzeitlich zu zweifeln“

Wer eine Spitzenposition in der Wissenschaft anstrebt, braucht Durchhaltevermögen. Besonders als Frau. Zwei Mentees erzählen, wie das Programm „Progressio“ in dieser herausfordernden Karrierephase hilft. Der nächste Durchgang startet im Herbst. 

Wer eine Spitzenposition in der Wissenschaft anstrebt, braucht Durchhaltevermögen. Besonders als Frau. Zwei Mentees erzählen, wie ihnen das Programm „Progressio“ in dieser herausfordernden Karrierephase hilft. Der nächste Durchgang startet im Herbst. 

Schon einige Jahre in der Wissenschaft verbracht, promoviert, die erste Postdoc-Phase hinter sich: Da setzt das Mentoring-Programm „Progressio. Spitzenpositionen in der Wissenschaft erfolgreich gestalten“ an. Es ist eine von zwei Förderlinien des Helene Lange-Mentoring-Programms der Uni Oldenburg – und richtet sich an wissenschaftlich hochqualifizierte Frauen, die an einem entscheidenden Punkt ihrer beruflichen Entwicklung stehen und das Karriereziel Professur oder eine Leitungsposition in der Wissenschaft im Blick haben. Zwei Mentees erzählen von ihren Erfahrungen:

Dr. Ricarda Schmidt-Scheele, Mentee 2024/25

Ich bin Techniksoziologin. Nach der Promotion an der Uni Stuttgart bin ich 2021 für meine erste Postdoc-Stelle nach Oldenburg gewechselt und forsche seitdem in der Arbeitsgruppe Organisation und Innovation am Institut für Sozialwissenschaften. Ich erforsche, wie sich nachhaltige Transitionsprozesse im Energiesektor entfalten und welche Rolle Digitalisierung dabei spielt. Als Postdoc bewege ich mich viel eigenständiger als noch während der Promotion. Ich kann meine Forschungsthemen eigenständig entwickeln und vorantreiben, das gefällt mir. Ich kann mir gut vorstellen, langfristig in der Wissenschaft zu bleiben. 

Das Programm „Progressio“ hat mich darin bestärkt, dass der Weg, den ich mir vornehme, der richtige ist. Dass es aber auch normal ist, zwischenzeitlich zu zweifeln. Wir sind neun Mentees und kommen alle aus unterschiedlichen Disziplinen. Durch den internen Austausch, bei Workshops und informellen Treffen habe ich gemerkt, dass andere Wissenschaftlerinnen ähnliche Themen beschäftigen, wenn es um die strategische Ausrichtung der Karriere geht.

Postdoc zu sein, bringt neue Anforderungen mit sich. Einerseits bin ich einem bestimmten Lehrstuhl unterstellt und noch nicht komplett eigenständig. Andererseits habe ich bereits viel Verantwortung, die ich durchsetzen muss. Ich muss Drittmittel beantragen, viel und an den richtigen Stellen publizieren, in wissenschaftlichen Communities präsent sein und Lehre machen. 

Die Eins-zu-Eins-Betreuung durch meine Mentorin hat mir eine wertvolle Außenperspektive gegeben. Ich habe mir bewusst eine Professorin ausgesucht, die in meinem Forschungsfeld zur Soziologie der Digitalisierung arbeitet. Wir konnten deshalb auch strategische, größere Fragen betrachten, die sich konkret auf mein Fach beziehen. Etwa, in welchen Zeitschriften ich publizieren sollte und wie ich insgesamt als Wissenschaftlerin sichtbarer werde. 

Mich und viele der Mentees beschäftigt die Unsicherheit der Perspektive. Was kommt nach der befristeten Beschäftigung? Wie flexibel will ich leben und wohnen? Bin ich bereit, mit meinen Kindern für die nächste Stelle ans andere Ende von Deutschland zu ziehen? Auch wenn Universitäten insgesamt flexibler und familienfreundlicher werden: Wissenschaftliche Karrieren sind oft darauf ausgerichtet, dass man die Institution mehrfach wechselt – im In- wie Ausland. Gerade wenn man Familie hat, ist das nicht so einfach umsetzbar. 

Für solche Fragen fand ich die Workshops sehr hilfreich. Es gab Einzelcoachings, in denen wir einen Plan B entwickelt haben, der auch funktionieren könnte, wenn der ideale wissenschaftliche Karriereverlauf ins Stocken gerät. Das hat mir etwas den Druck genommen.

„Progressio“ hat mir verdeutlicht, dass es sinnvoll ist, mir strategisch Gedanken über die eigene Karriere zu machen und mich mit meinen Zielen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig weiß ich noch einmal mehr, dass auch extrem lange Durststrecken und Zweifel dazugehören. Und dass eine Portion Glück nötig ist, um am Ende Erfolg zu haben. Vieles lässt sich nicht planen – und das ist auch in Ordnung für mich. 

Dr. Thaís Girão da Silva, Mentee 2024/25

Ich komme aus Brasilien und habe in São Paulo auf dem Gebiet der Gefäßbiologie promoviert. Seit fünf Jahren forsche ich als Kardiologin an der Uni Oldenburg, seit 2020 bin ich Postdoc an der Universitätsklinik für Innere Medizin, seit 2024 leite die experimentelle Kardiologie. Jetzt habe ich Verantwortung für ein ganzes Labor, für ein Team, für Studierende. 

Wir entwickeln mithilfe von 3D-Technologie sogenannte bioresorbierbare Gewebegerüste. Unser Ziel ist es, damit die Heilung des Endothels in den Koronarterien nach einem Herzinfarkt zu beschleunigen. Das Besondere: Die Gerüste bestehen aus Polymeren, lösen sich nach wenigen Monaten im Körper auf und beschleunigen die Erholung des Gefäßes – im Gegensatz zu herkömmlichen Stents aus Metall, die ehemals verstopfte Gefäße ohne medizinische Notwendigkeit über mehrere Jahre offenhalten. Das Thema interessiert mich sehr und ich weiß, wie man das Ganze wissenschaftlich angeht. 

Ich wusste aber nicht, wie das akademische System in Deutschland funktioniert, wie relevant beispielsweise eine Habilitation für den beruflichen Aufstieg ist. Deutsch ist nicht meine Muttersprache. Ich habe auch keine Ausbildung darin, Menschen zu führen oder zu leiten. Das Programm „Progressio“ hat mir dabei geholfen, meine Fähigkeiten in diesen Bereichen auszubauen. Es hat mir die Möglichkeit gegeben, in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich mir meine wissenschaftliche Karriere vorstelle. Im regulären Berufsalltag ist für solche Reflexionen wenig Raum – zwischen Experimenten, Lehre und Besprechungen. 

In den Workshops konnte ich meine Kompetenzen in Kommunikation und Konfliktmanagement erweitern. Ich konnte herausfinden, welcher Führungsstil zu mir passt. Auch meine Mentorin war in diesem Prozess sehr wichtig. Ich habe mich mit ihr über das Jahr hinweg mehrfach getroffen, auch nach dem Auslaufen des Programms halten wir Kontakt. Sie ist objektiv, lässt mich aber auch an persönlichen Erfahrungen teilhaben, die zu ihrer heutigen Position geführt haben. Mir hat es sehr geholfen, von einer Frau in leitender Position aus und in Deutschland zu hören, dass der Weg dahin nicht immer einfach ist. Ich habe gemerkt: Viele Herausforderungen erlebe ich nicht nur deshalb, weil ich aus dem Ausland komme. Vieles hat leider auch damit zu tun, dass ich eine Frau bin. 

Auch im Austausch mit den anderen Mentees wurde mir das vor Augen geführt. Wir haben ähnliche Themen, die uns beschäftigen. Die Mehrheit hat beispielsweise Familie und fragt sich regelmäßig: Wie lassen sich Erwerbsarbeit und Karriereambitionen vereinbaren mit Haushalt und Kinderbetreuung? Wie kann ich mich auf die Wissenschaft einlassen, wenn klar ist, dass es erst einmal keinen unbefristeten Vertrag gibt? Als ich nach Deutschland kam, mitten in der Coronazeit, da habe ich mich sehr isoliert gefühlt. Mittlerweile habe ich mir, auch dank „Progressio“, ein weites berufliches Netzwerk aufgebaut. 

Ich kann mir vorstellen, länger in Oldenburg zu bleiben. In São Paulo, einer Stadt mit rund zwölf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, habe ich von Zuhause zur Arbeit mindestens zwei Stunden gebraucht. Hier ist alles viel ruhiger, mit kürzeren Wegen und viel Natur. Das passt gut zu meinem Leben als alleinerziehende Mutter. Ich habe auch das Gefühl, in der medizinisch-akademischen Welt in Deutschland bereits mehr Frauen in leitenden Positionen zu begegnen als in Brasilien. Das inspiriert mich. 

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