Das europäische Exzellenzprogramm Erasmus Mundus fördert den Studiengang EMMIR, European Master in Migration and Intercultural Relations, für fünf weitere Jahre. Die Universität koordiniert das internationale Vorhaben, an dem neun Partner von drei Kontinenten beteiligt sind.
Seit 15 Jahren bringt der Studiengang EMMIR - European Master Migration and Intercultural Relations (Migration und interkulturelle Beziehungen) Studierende aus aller Welt nach Oldenburg. 278 junge Menschen aus 89 Ländern haben das Programm inzwischen absolviert, 71 weitere werden bald abschließen. Das europäische Exzellenzprogramm Erasmus Mundus fördert den von der Universität Oldenburg koordinierten Studiengang nun für fünf weitere Jahre mit rund 4,6 Millionen Euro.
Der Masterstudiengang EMMIR vermittelt interdisziplinär wissenschaftliche Theorien, Konzepte und Methoden zum Thema Migration und ermöglicht es den Studierenden, umfangreiche praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Universität Oldenburg bietet das Programm gemeinsam mit fünf europäischen, drei afrikanischen und zwei indischen Partnerinstitutionen an.
„Wir sind dankbar und stolz, den Studiengang gemeinsam mit unseren internationalen Partnern weiterzuführen“, sagt Prof. Dr. Katharina Al-Shamery, Vizepräsidentin für Internationales an der Universität Oldenburg. „Die EMMIR-Studierenden sind nach ihrem Abschluss auf dem globalen Arbeitsmarkt äußerst erfolgreich. Knapp ein Fünftel der bisherigen Absolvent*innen arbeiten in renommierten internationalen Organisationen wie dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, Ärzte ohne Grenzen oder dem Internationalen Roten Kreuz. Hier bringen sie ihre vielfältigen Perspektiven ein und tragen so dazu bei, die gesellschaftspolitischen Herausforderungen zu bewältigen, die mit Migration zusammenhängen.“
Theoretisch reflektiert und praxisnah
Das erneuerte Konzept des Studiengangs verknüpfe äußerst überzeugend die Themen Migration, Klimawandel, Digitalisierung sowie Demokratie mit dem Bedarf an Expertise von verschiedenen Kontinenten, heißt es in der Evaluation des Vorhabens. „Unser Ziel ist es, mit EMMIR im internationalen und interdisziplinären Austausch theoretisch reflektierte zugleich praxisnahe Perspektiven auf das Thema Migration in einer Zeit zu vermitteln, die geprägt ist von zunehmendem Nationalismus, Desinformation, Militarisierung und Angriffen auf unsere demokratischen Grundsätze und die akademische Freiheit“, betont der für das Projekt verantwortliche Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Martin Butler.
In den kommenden Jahren liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf neuen politischen Herausforderungen, etwa der klimabedingten Vertreibung von Menschen oder den Auswirkungen von KI auf Prozesse und Praktiken der Migration. „Wir richten dabei unseren Fokus bewusst auch auf Chancen und nachhaltige Lösungen“, erläutert Dr. Lydia Potts, langjährige EMMIR-Koordinatorin. Ein anderer wichtiger Aspekt sei ein diversitätssensibler Umgang mit Mehrsprachigkeit im Kontext von Migration, um das Bewusstsein für die vielfältigen Wege des Wissenserwerbs und den interkulturellen Austausch im Sinne epistemischer Gerechtigkeit zu fördern. Im Studiengang wird es künftig vermehrt auch um die Rolle von KI in der Migrationsforschung gehen.
Das Besondere des Studiengangs ist die Mobilität der Studierenden selbst: Die Teilnehmenden eines Jahrgangs verbringen das erste Semester gemeinsam in Oldenburg, das zweite gemeinsam an der Universität Stavanger (Norwegen). Daran schließt sich eine Projektphase an, in der die Studierenden individuell ein Modul an einer der zehn beteiligten Institutionen wählen. Die Masterarbeit in einem frei gewählten Partnerland im vierten Semester bildet den Abschluss.
Konferenzen in Prag, Accra, Johannesburg und Kolkata
Bis zu 1100 Interessierte aus allen Regionen der Welt bewerben sich jährlich auf den Studiengang. Die Projektkoordination und die Partnerinstitutionen wählen in einem aufwändigen und sorgfältig abgestimmten Prozess rund 34 Studierende aus.
Für die künftige Förderperiode haben die Verantwortlichen neben dem regulären Programm Konferenzen zu Themen wie Populismus in Prag (Tschechien), Klimawandel in Accra (Ghana) sowie Migration und Gesundheit in Johannesburg (Südafrika) und zu Forschungsmethoden in Kolkata (Indien) geplant. Von der Fördersumme fließt gut die Hälfte in insgesamt 70 Vollstipendien für je 24 Monate. Den zweiten Teil der Fördergelder nutzen die Partner, um den Studiengang vor Ort zu realisieren. 120.000 Euro stehen für Studierende mit besonderen Bedürfnissen zur Verfügung.
EMMIR verleiht seit dem ersten Abschlussjahrgang einen sogenannten Joint Degree aller beteiligten Partnerinstitutionen. Damit zählt der Studiengang zu den weltweit exzellenten, transnationalen Masterstudiengängen mit einem Doppel-, Mehrfach- oder gemeinsamen Abschluss (Erasmus Mundus Joint Master Degrees EMJM). Diese Studienprogramme richten sich an hervorragende Studierende aus der ganzen Welt.
Neben den neun beteiligten Partnerinstitutionen pflegt das von der Universität Oldenburg koordinierte Programm Austausch mit 44 assoziierten Partnern in 17 Ländern, darunter Universitäten und Forschungszentren, die zu Lehre sowie Forschungsberatung und -betreuung in Bereichen beitragen, die im Konsortium unterrepräsentiert sind. Das EMMIR-Netzwerk umfasst zudem 28 Partner aus der Arbeitswelt, etwa Regierungsorganisationen sowie internationale Organisationen beziehungsweise Nichtregierungsorganisationen.