KI, Windanlagen, Nanochemie: Fünf Studierende aus Oldenburg präsentieren im Rahmen des Projekts „Poster im Bundestag“ gesellschaftlich relevante Forschung vor Abgeordneten. Eine Chance, um eigene Ansätze öffentlich sichtbar zu machen.
Eine Bachelorarbeit zu schreiben oder an einem Forschungsprojekt mitzuwirken, ist das eine. Aus den Ergebnissen ein wissenschaftliches und zugleich allgemeinverständliches Poster für die breite Öffentlichkeit zu entwickeln, ist nochmal etwas ganz anderes. Diese Erfahrung haben fünf Oldenburger Studierende gemacht, deren Projekte von einer unabhängigen Jury für die Ausstellung „Poster im Bundestag“ in Berlin ausgewählt wurden. Abgeordnete, Mitarbeitende und interessierte Gäste können sich vom 26. Juni bis 17. Juli im Parlament zu ihren Forschungsprojekten informieren – sowie zu denen von zahlreichen weiteren Bachelorstudierenden verschiedener deutscher Unis und Hochschulen. Die Poster beleuchten Forschungsarbeiten zu aktuellen gesellschaftlichen, politischen, technologischen und ökologischen Themen.
„Poster im Bundestag“ ist Teil des Erasmus+ Projekts „Posters in Brussels“, das Studierende aus europäischen Ländern mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern zusammenbringt. Beteiligt sind Hochschulen aus Deutschland, Irland, Litauen, Luxemburg und Österreich. „‚Poster im Bundestag‘ macht studentische Forschung sichtbar“, sagt Susanne Haberstroh, Leitung des Gesamtprojekts und Leiterin des Referats Studium und Lehre an der Uni Oldenburg. „Die Ausstellung bringt politischen Entscheidungsträger*innen und der interessierten Öffentlichkeit näher, in welchen Forschungsbereichen sich junge Menschen engagieren – und fördert gleichzeitig die Fähigkeit der Studierenden, komplexe Forschung verständlich zu vermitteln.“
Forschung ansprechend präsentieren
Denn das war die Aufgabe: die eigene Forschung auf allgemeinverständliche Kernbotschaften zu reduzieren – auf einem DIN A0-Poster und in einem einminütigen Video. Mit künstlicher Intelligenz im akademischen Kontext hat sich beispielsweise Pädagogikstudentin Eva Verena Keding beschäftigt. Im Bachelorstudium ist sie der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen Studierende in ihren Forschungsarbeiten transparent machen, dass sie KI verwenden. Viel Statistik, Befragungen, verschiedene Hypothesen: „Es war wirklich herausfordernd, mich für das Poster auf das Wesentliche zu reduzieren“, berichtet Keding. „Mir hat geholfen, verschiedenen fachfremden Bekannten von meinem Thema zu erzählen.“ Was unverständlich war, sei ihr dadurch schnell gespiegelt worden.
Das wiederholte Präsentieren vor Nicht-Fachleuten hat auch Torben Schaefer weitergebracht. „Meine Forschung ist sehr daten- und diagrammbasiert – für die Ausstellung im Bundestag galt es, den Kontext aufzubereiten, ohne den wissenschaftlichen Kern zu verlieren.“ Im Bachelor arbeitete der Engineering Physics-Student daran mit, wie Rotorblätter von Windrädern so optimiert werden, dass sie sowohl bei schwachem als auch starkem Wind genug Energie liefern. Das Thema von Carlotta Steimke: die politische Repräsentation von Frauen, sowie Stereotype gegenüber Politikerinnen aufgrund ihrer visuellen Darstellung. „Für eine gleichberechtigte Teilhabe und demokratische Strukturen bräuchte es deutlich mehr Frauen generell und vielfältige Frauenbilder im Politikbetrieb“, sagt die Studentin der Sozialwissenschaften. „Für das Poster habe ich viel darüber nachgedacht, ob und wie ich mithilfe meiner Ergebnisse konkrete Forderungen an die Abgeordneten formulieren kann.“
Austausch mit Abgeordneten in Berlin
Drei Online-Workshops unterstützten die Studierenden bei der Umsetzung. Mit einer erfahrenen Wissenschaftskommunikatorin erweiterten sie ihre Fähigkeiten: Sie lernten, ihre Thesen ansprechend mit Überschriften, Grafiken, Farbwahl und Text auf ein Plakat zu bringen, sich gegenseitig konstruktiv Feedback zu geben, einen Pitch vor großem Publikum zu gestalten. So auch Joshua Stolle, der in seiner Bachelorarbeit analysierte, wie wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Argumentationsmuster in Spotify-Podcasts eingesetzt und welche Formen von Wissenschaftsskepsis dabei sichtbar werden. „Es war sehr wertvoll, während der Workshops mit Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen ins Gespräch zu kommen“, sagt der Student, der im Bachelor Sozialwissenschaften und Germanistik studiert hat. „Dadurch bekam ich interdisziplinäre Einblicke in Forschungsthemen, mit denen ich sonst kaum Berührungspunkte hätte.“
Ende Juni geht es schließlich nach Berlin. In der Ausstellung sehen die Studierenden ihre Plakate selbst zum ersten Mal in voller Größe. Bei einer feierlichen Eröffnung präsentieren sie ihre Forschung live vor Abgeordneten des Deutschen Bundestags und wollen über ihre Ideen und Ansätze ins Gespräch kommen. Auch Prof. Dr. Ralph Bruder, Präsident der Uni Oldenburg, sowie Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Bundestags, sprechen dort.
„Es ist toll, dazu beizutragen, dass ein größeres Bewusstsein für studentische Forschungsthemen in der Öffentlichkeit entsteht“, sagt Pia Wolken, Lehramtsstudentin für Biologie und Chemie, die sich für ihr Projekt mit Krebsforschung als Lernfeld im Chemieunterricht auseinandergesetzt hat. „Gerade Themen aus der Nanochemie werden oft als abstrakt und weniger interessant wahrgenommen. Ich freue mich, lebensnahe Einblicke geben zu können.“ Torben Schaefer findet: „Mit Politikerinnen und Politikern über die eigene Forschung in den Austausch zu gehen – das ist ein Schritt aus der üblichen Fachblase heraus.“