Ein neues Gewächshaus auf dem Unigelände erzeugt wetterunabhängig ein ideales Klima für ganz unterschiedliche Pflanzen. Im Alltag sei dadurch vieles einfacher geworden – und energiesparender, sagt Gärtnereimeisterin Martina Klinger.
Anfang März. Während draußen erste Pflanzen, Bäume und Wiesen aus dem Winterschlaf erwachen, ist im Inneren des neuen Gewächshauses auf dem Campus Wechloy bereits jede Menge zu tun. Gärtnereimeisterin Martina Klinger beobachtet ihre Pflanzen dieser Tage besonders genau. Ist die Luft zu warm? Zu kalt? Braucht es mehr Feuchtigkeit? Sehen die Blätter schlaff aus, wachsen nicht so, wie sie es eigentlich sollten? Setzt Pilzbefall an?
Am Küpkersweg kultiviert Klinger mit ihrem Gärtnereiteam ganzjährig und wetterunabhängig Pflanzen für den öffentlichen Teil des Botanischen Gartens, die Forschung und zu Lehrzwecken. Der gesamte Pflanzenbestand ist allerdings vor Kurzem umgezogen. Das alte, schlecht isolierte Gewächshaus, Baujahr 1976, ist einem modernen Neubau mit einer Gesamtfläche von 827 Quadratmetern gewichen. Das vorrangige Ziel: energieeffizienter zu werden. Die Kosten: 3,8 Millionen Euro, finanziert von der Universität aus Eigenmitteln. Eingeweiht wurde dieser im Sommer 2025.
„Energieschirm“ und automatisierte Klimasteuerung
Wir haben keine kalten Füße mehr im Arbeitsbereich.
Martina Klinger; Gärtnereimeisterin
Während sich die Pflanzen mit den Jahreszeiten erst noch gewöhnen müssen an die neue Umgebung, haben sich Klinger und ihr Team, bestehend aus einer weiteren Gärtnerin und zwei Auszubildenden, mittlerweile gut eingelebt in den Räumlichkeiten. Die langen Glasfronten und der Fußboden seien spürbar besser isoliert. Ein großer Vorteil im Arbeitsalltag: „Wir haben keine kalten Füße mehr im Arbeitsbereich“, berichtet Klinger. „Das ist angenehm für uns – und gleichzeitig gut für den Energieverbrauch“. Auch der „Energieschirm“ sei unverzichtbar, ein unter der Glasdecke angebrachtes lichtdurchlässiges Gewebe, das im Winter den Wärmeverlust senkt und an heißen Tagen für Beschattung sorgt.
Praktisch seien auch mehrere unterirdische Zisternen, die große Mengen Regenwasser auffangen, wodurch die Pflanzen bewässert werden, ohne auf Trinkwasser zurückgreifen zu müssen. Es gibt große mobile Tische aus Aluminium, die sich einfach auf Rollen hin- und herschieben lassen. Eine ausgeklügelte Steuerungstechnik überwacht, wie sich Temperatur und Feuchtigkeit innen und außen verhalten und passt die klimatischen Verhältnisse im Gewächshaus automatisch an. „In den fünf Bereichen des Gewächshauses können wir damit ohne viel Aufwand ein ideales Klima für ganz unterschiedliche Pflanzen erzeugen.“
Pflanzen aus aller Welt – und Grünkohl
Die Flora des Uni-Gewächshauses kommt aus aller Welt. In Teilen herrscht Tropenatmosphäre. Bei bis zu 28 Grad Celsius entfalten sich Zitrusfrüchte, Palmen. Bambara-Erdnuss aus Afrika. Aechmea, ein Bromeliengewächs mit rosa Blütenständen aus Südamerika. In einem an der Wand angebrachten Topf schwebt eine Kannenpflanze, Nepenthes, fleischfressend, aus Asien. „Sie ernährt sich hauptsächlich von unseren Ameisen hier“, erklärt Klinger. Einen Raum weiter, bei etwas weniger Luftfeuchte, wo es frostfrei, aber auch nicht zu warm sein sollte, entfaltet sich die volle Blüte einer Strelitzia reginae, auch bekannt als Paradiesvogelblume, knallig orange, ursprünglich beheimatet in Südafrika. Kleinkindgroße Agaven und Sukkulenten reihen sich auf dem Boden.
Weniger exotische Gewächse finden ebenfalls ihren Platz im Gewächshaus: Salzwiesenpflanzen aus dem Wattenmeer, das Wegerichgewächs Veronika, heimische Kräuter, Kübelpflanzen und Stauden. Einen großen Bereich, bei rund 12 Grad, nutzen Klinger und ihr Team für die Anzucht von Sämlingen, Stecklingen, Wildpflanzen, Lilien, winterharten Pflanzen. Und dann wäre da noch die „Drahthalle“: ein Außenbereich, wo ein Drahtnetz über den Aussaattöpfen aufgespannt ist. Der soll vor hungrigen Tauben und Krähen schützen. Bodendecker, Elfenblumen, Waldsteinia, Astilben, Farne wachsen dort. Speziell für wissenschaftliche Versuche mit seltenen Grünkohlsorten ist, wie auch schon am alten Gewächshaus, ein eigener Acker vorgesehen.
Ein bisschen Platz lässt Klinger aber immer frei. Sie müsse flexibel bleiben für kurzfristige Aufträge – wenn ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin eine bestimmte Pflanze für Versuche in der Gärtnerei anfragt. „Wir wissen nie, was kommt“, sagt Klinger. Aussähen, pikieren, beobachten, umtopfen – die Gärtnereimeisterin hält sich bereit.