Einen Einblick ins wissenschaftliche Arbeiten gewinnen, die Universität kennenlernen und Klarheit über Studien- und Berufswahl finden: Mit diesen Zielen startete Enno Gronewold ins Freiwillige Wissenschaftliche Jahr. Nach sieben Monaten zieht er Bilanz.
Enno Gronewold läuft zügig über den Schulhof. Er sucht nach neuem Klebeband, mit dem er Kameras an einer weißen Styroporbox befestigen kann. Windfest müssen sie sein. Nur so sind beeindruckende Aufnahmen garantiert. „Festkleben kann man nie genug“, ruft ihm Björn Poppe, Professor und Leiter der Abteilung für Medizinische Strahlenphysik und Weltraumumgebung, aus wenigen Metern Entfernung zu. Schon hält Gronewold das Klebeband und die Box in der Hand. „Hier, halt mal“, sagt er zu einem Kind. Der Junge, der daraufhin beim Anbringen der Kameras hilft, versteht sofort. Denn auf das, was jetzt zu tun ist, haben sie sich wochenlang gemeinsam vorbereitet. Sie wollen einen Wetterballon bis an den Rand des Alls schicken.
Zu Beginn seines Freiwilligen Wissenschaftlichen Jahres (FWJ) an der Universität Oldenburg hatte Gronewold nicht damit gerechnet, einmal ein so spannendes Schulhof-Experiment zu begleiten. „Das ist einer der Höhepunkte, an den ich mich noch in vielen Jahren erinnern werde“, sagt der 20-Jährige.
Der Tag dafür ist perfekt: Milde Temperaturen und ein wolkenloser Himmel bieten beste Voraussetzungen. Auch alle anderen Vorbereitungen laufen wie am Schnürchen – im wahrsten Sinne. Ein weißer Ballon, der an ein Bettlaken erinnert, wird mit Helium befüllt. Schnüre und Klebeband verhindern, dass die Füllung wieder entweicht. Ein roter Fallschirm soll später für eine weiche Landung sorgen. In der weißen Styroporbox, die sich als Sonde herausstellt, sind drei Kameras, ein Mobilfunk- und ein GPS-System verbaut. Neben den beteiligten Kindern tummeln sich auch viele schaulustige um den Ballon herum. Sie strömen aus den Klassenzimmern, um den Ballonflug gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern hautnah mitzuerleben. Gronewold und Poppe sind leicht angespannt. Schließlich soll heute niemand enttäuscht werden.
Jetzt wird es laut: zuerst der Countdown, dann Jubelschreie. Der Ballon ist erfolgreich gestartet. Er fliegt schließlich 36 Kilometer in die Höhe, ehe er platzt und nahe Achim in einer Baumkrone landet. Dabei sind neben Landschaftsaufnahmen auch Fotos und Videos vom Rand des Alls entstanden, denn der Ballon ist tatsächlich bis in die Stratosphäre hinaufgestiegen. Mission Accomplished!
Für das Experiment leitete Gronewold über mehrere Monate mit Poppe eine „Astro-AG“ für die Grundschüler*innen der Freien Schule Oldenburg. Dort stand das Vermitteln von Wissen rund ums All, die Atmosphäre und die Planeten auf dem Programm. „Der Ballonflug hat heute allen Spaß gemacht. Mit solchen besonderen Formaten lässt sich für Wissenschaft begeistern“, sagt Gronewold. Die einmal wöchentlich stattfindende Arbeit mit den Kindern sei für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen: „Es hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe dabei gelernt, wie man Forschung für junge Menschen erlebbar macht.“
Ein Jahr voller Erkenntnisse
Private Kontakte haben Enno Gronewold im letzten Jahr auf das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr an der Universität aufmerksam gemacht. „Es kam für mich zur richtigen Zeit“, sagt er. Nach dem Abitur habe er sich zwar für Physik und Mathematik interessiert, sich aber noch nicht auf einen Studiengang festlegen wollen. Das FWJ bietet ihm die Gelegenheit, Einblicke in Forschungsprojekte und Arbeitsabläufe zu gewinnen sowie Studien- und Berufsmöglichkeiten kennenzulernen. Begleitende Workshops und ein Englischkurs runden das Jahr ab. Außerdem kann er Vorlesungen, etwa aus der Astrophysik, besuchen. „Jetzt bin ich mir sicher, dass ich nach dem FWJ Physik studieren möchte“, sagt er. „Am liebsten an der Uni Oldenburg.“
Sein Betreuer Björn Poppe freut sich. „Enno Gronewold ist der erste FWJler in unserer Abteilung. Schön, dass es ihm so gut bei uns gefallen hat.“ Gronewold: „Ich konnte mein Jahr von Anfang an mitgestalten. Ich hoffe, dass auch künftige FWJler*innen ähnlich tolle Erfahrungen machen werden.“