Im Botanischen Garten wird aktuell täglich gebohrt. Dabei entsteht ein sogenanntes Erdsondenfeld. Es ist das Herzstück einer Geothermie-Anlage, die zukünftig das Tropenhaus und das neue Ausstellungsgebäude klimatisieren soll.
Auf der großen Wiese stehen Säcke mit Baumaterial, gegenüber türmen sich große Kabeltrommeln mit schwarzen Leitungen. Ein Minibagger und ein Bohrgerät warten auf ihren Einsatz. Schon seit einigen Monaten sind Bauarbeiten im Botanischen Garten der Universität im Gange – aktuell finden sie auch ganz viel unter der Erde statt. „Wir errichten ein Erdsondenfeld, mit dem das Tropenhaus und das neue Ausstellungsgebäude nachhaltig mit Wärme versorgt werden sollen“, erklärt Britta Fromm, Projektleiterin für das Projekt „Geothermie für das Tropenhaus“ in der Flächen- und Bauplanung im Dezernat für Gebäudemanagement.
Das Projekt ist ehrgeizig: Insgesamt 16 Bohrungen, die jeweils 200 Meter tief in die Erde reichen, sollen die erforderliche Energie liefern. Rund 600.000 Kilowattstunden pro Jahr benötigen die beiden Gebäude, etwa so viel wie 60 neuere Einfamilienhäuser. Davon entfallen 500.000 Kilowattstunden allein auf das Tropenhaus, das ganzjährig auf eine Temperatur von 25 Grad Celsius gebracht werden muss. „Das Tropenhaus klimaneutral heizen zu können, ist für uns so wichtig, weil es einer der wichtigsten Anziehungspunkte für die Besucherinnen und Besucher ist“, erklärt Prof. Dr. Dirk Albach, Direktor des Botanischen Gartens. Es biete allen Bevölkerungsgruppen einen lebendigen Einblick in die feucht-heiße Welt tropischer Regenwälder. Auch für die Forschung sei es wichtig, tropische Pflanzen halten zu können.
Die Arbeiten gehen gut voran: Eine Bohrung pro Tag wird derzeit abgeteuft. Der Boden unter dem Botanischen Garten besteht zunächst aus einer rund fünf Meter dicken Lehmschicht, darunter jedoch überwiegend aus Sand. Die Bohrmeißel können sich problemlos bis in die gewünschte Tiefe vorarbeiten.
Die Temperatur in der Tiefe liegt ganzjährig bei 16 Grad Celsius
Zuvor haben die Mitarbeitenden des Botanischen Gartens und Baufirmen bereits ein mehrere hundert Meter langes Leitungsnetz zwischen den 16 Erdwärmesonden, einem Verteilerschacht und den beiden Gebäuden installiert. „Allein die Leitung vom Sondenfeld bis zum Tropenhaus ist rund 400 Meter lang entlang“, berichtet Fromm. In den Rohren zirkuliert gewöhnliches Wasser, das ein biologisch abbaubares Frostschutzmittel enthält, damit die Leitungen im Winter nicht einfrieren. „Es handelt sich um einen geschlossenen Kreislauf, die Wärmeträgerflüssigkeit kommt nicht in Kontakt mit dem Boden“, erklärt Fromm.
Diese Flüssigkeit nimmt im Erdboden die Temperatur der Umgebung an: In der Tiefe beträgt sie ganzjährig rund 16 Grad Celsius. Vom Sondenfeld wird die Wärme über die Leitungen zu den beiden Gebäuden transportiert. Zwei große Wärmepumpen – eine am Tropenhaus und eine im Ausstellungsgebäude – nutzen die Energie aus dem Untergrund, um die Gebäude wie gewünscht zu temperieren. Der Fachbegriff für ein solches System lautet „kaltes Nahwärmenetz“.
Dabei profitiert die Geothermie-Anlage von den unterschiedlichen Anforderungen der beiden Gebäude: Während das Tropenhaus einen großen Teil des Jahres Wärme benötigt, befinden sich im Ausstellungsgebäude drei jeweils rund 50 Quadratmeter große Klimakammern, die vor allem gekühlt werden müssen. Die Abwärme, die diesen Räumen entzogen wird, gelangt über die Leitungen wieder in die Erde und regeneriert das Erdsondenfeld. „Das ist wichtig, damit die Temperaturen in der Tiefe, insbesondere im Grundwasser, nicht langfristig absinken“, betont Fromm. Ohne das Ausstellungsgebäude, erklärt die Ingenieurin für Versorgungstechnik, hätte das Geothermie-Feld deutlich größer ausgelegt werden müssen. „Es ist wunderbar, dass es dieses Zusammenspiel zwischen Tropenhaus und Ausstellungsgebäude gibt.“ In einer weiteren Bohrung befinden sich Sensoren, die den Temperaturverlauf im Boden überwachen.
Die Kosten für die Anlage liegen bei rund 600.000 Euro, die größtenteils aus Sondermitteln des Bundes im Projekt „Klimagarten Nordwest“ stammen. „Wir wollen die gesamte Wärmeversorgung der Universität auf Strom umstellen“, erklärt Fromm, „da ist es wichtig zu zeigen, dass dies auch bei einem Energiefresser wie dem Tropenhaus möglich ist.“ Die Oldenburger Bevölkerung, so ihr Eindruck, nimmt die Arbeiten mit Interesse wahr. „Vor allem Eltern mit kleinen Kindern bleiben bei den Baumaschinen stehen und schauen sich alles ganz genau an.“