Eine besonders ungewöhnliche Verbindung aus Kunst und Wissenschaft erlebte das Publikum bei der dritten Ausgabe der Reihe „wissenskunst“ im Botanischen Garten der Uni.
Inmitten von Pflanzen und auf einer eigens angelegten Sandfläche traf vergangenen Donnerstag das Tanzduett „Is this it?“ von Antoine Jully, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Staatstheaters, auf die Forschung der Biologin Dr. Maren Striebel vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). Die Themen schienen nur auf den ersten Blick unterschiedlich: beide Beiträge kreisten um zentrale Fragen von Beziehungen und Abhängigkeiten – in Ökosystemen wie im menschlichen Zusammenleben. Ebenso ungewöhnlich wie passend war das Tropenhaus des Botanischen Gartens als Spielort.
Den künstlerischen Ausgangspunkt bildete das Duett „Is this it?“. In der Choreografie gingen Nicol Omezzolli und Fran Kovačić den Fragen nach, wie Nähe und Distanz entstehen, wie Erwartungen unser Miteinander prägen und wie äußere Einflüsse Beziehungen verändern können. Die Begegnung der beiden Figuren entwickelte sich zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit der Zerbrechlichkeit menschlicher Gemeinschaften. Dass dabei die Bühne im Tropenhaus aus Sand bestand, bedeutete für das Duett eine besondere Herausforderung und machte das tänzerische Spiel umso intensiver.
Aus wissenschaftlicher Perspektive griff Striebel diese Gedanken auf. In ihrem Vortrag stellte sie ihre Forschung zu Plankton-Lebensgemeinschaften in Meeren und Seen vor. Teil davon sind die sogenannten Planktotrone. In diesen 600-Liter-Behältern untersucht Striebel unter realistischen Bedingungen, wie Lebensgemeinschaften aus Algen, winzigen Krebsen und Bakterien auf Umweltveränderungen wie steigende Temperaturen, Nährstoffmangel oder andere Störungen reagieren. Die Organismen spielen eine zentrale Rolle für Klima und Ökosysteme – und verdeutlichen zugleich, wie sensibel selbst stabile Gemeinschaften auf äußere Einflüsse reagieren können.