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Niedersachsenpanel: Wer macht mit?

Das „Niedersachsenpanel” ist ein langfristig angelegtes, interdisziplinäres Forschungsinstrument zur Erhebung von Daten zu Einstellungen und Verhalten in Niedersachsen. Es wird vom sogenannten Wissenschaftsraum „Verhaltensökonomik und gesellschaftliche Transformation“ organisiert. Beteiligt sind sieben niedersächsische Universitäten - neben der Uni Oldenburg diejenigen in Clausthal, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Osnabrück und Vechta - sowie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Die Universität Lüneburg leitet das Projekt operativ. Es wird durch zukunft.niedersachsen gefördert, eine gemeinsame Initiative des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.

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Prof. Dr. Jan Sauermann

Institut für Sozialwissenschaften / Moderne Politische Theorie 

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Dr. Janina Kraus

Leuphana Universität Lüneburg / Projektkoordination Niedersachsenpanel

+49 (0)4131 677-2938

 

  • Ein Zebrastreifen, auf dem Beine und Fahrräder zu sehen sind.

    Mithilfe eines repräsentativen Befragungspools erfragen Forschende Einstellungen, Präferenzen und Verhalten der niedersächsischen Bevölkerung über einen längeren Zeitraum hinweg. Adobe Stock

Was Menschen in Niedersachsen denken

Einen optimistischen Blick auf die künftige Rolle Künstlicher Intelligenz und breite Zustimmung zu klimaneutralem Wirtschaften misst eine neue Studie bei den Menschen in Niedersachsen. Oldenburger Forschende tragen auch künftig Daten bei.

Einen optimistischen Blick auf die künftige Rolle Künstlicher Intelligenz und breite Zustimmung zu klimaneutralem Wirtschaften misst eine neue repräsentative Studie bei den Menschen in Niedersachsen. Oldenburger Forschende tragen auch künftig Daten bei – etwa wenn es um die Landtagswahl 2027 geht. 

Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Menschen in Niedersachsen angekommen, aber in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Das zeigt eine aktuelle Studie auf Basis des „Niedersachsenpanels“, an der 4.388 Menschen aus Niedersachsen teilgenommen haben. Insgesamt geben 43,6 Prozent der Befragten an, KI regelmäßig für alltägliche Aufgaben zu nutzen. Unter den 18- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil bei 61,2 Prozent, bei den über 54-Jährigen dagegen nur bei 31,5 Prozent. 

Uni Oldenburg beteiligt am Niedersachsenpanel

Für das „Niedersachsenpanel“ werden mithilfe eines repräsentativen Befragungspools Einstellungen, Präferenzen und Verhalten der niedersächsischen Bevölkerung über einen längeren Zeitraum hinweg wissenschaftlich erfasst. Seit 2025 bemühen sich die Projektbeteiligten des sogenannten Wissenschaftsraums „Verhaltensökonomik und gesellschaftliche Transformation“ gezielt um Befragte. Sieben niedersächsische Universitäten, darunter die Universität Oldenburg, sowie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik kooperieren dafür. 

Auch Oldenburger Forschende unter Leitung des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Jan Sauermann vom Institut für Sozialwissenschaften haben erste Befragungsrunden zu den Themen KI und Klimawandel durchgeführt. Künftig planen sie, im Rahmen des Panels bei Menschen in Niedersachsen politische Einstellungen abzufragen. 

„Unsere Arbeitsgruppe konzentriert sich auf den Aspekt der Polarisierung“, erklärt Sauermann. „Wir schauen darauf, unter welchen Bedingungen die Extreme in der Gesellschaft erstarken und wieso Kompromisse schwieriger zu werden scheinen.“ Der Politikwissenschaftler plant, Teilnehmende vor, während und nach der Landtagswahl im Jahr 2027 zu ihren politischen Einstellungen zu befragen. Vergleichbare Daten in so großem Umfang speziell aus Niedersachsen gebe es bislang nicht. 

Niedersachsen als optimistische Menschen 

Die Auswertung der ersten Panelerhebung zeigt: Sowohl mit Blick auf die gesellschaftlichen Effekte als auch die Leistungsfähigkeit von Künstlicher Intelligenz zeigen sich die Niedersächsinnen und Niedersachsen als optimistische Menschen. 67,5 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass ein Großteil der Gesellschaft von einer von KI geprägten Zukunft profitieren wird. Ein ähnlich hoher Anteil ist der Meinung, dass KI die meisten Routineaufgaben inzwischen besser erledigen könne als Menschen. Diese Einschätzungen sind über die Altersgruppen hinweg bemerkenswert stabil; ältere Befragte bewerten die Leistungsfähigkeit von KI sogar besonders positiv.

Trotz dieser positiven Grundhaltung bleibt KI für viele mit Unbehagen verbunden. 42,6 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass sie Künstliche Intelligenz unheimlich finden. Allerdings ist der Anteil derjenigen, die diese Einschätzung nicht teilen, fast genauso groß. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Geschlechtern: 50,2 Prozent der Frauen empfinden KI als unheimlich, bei den Männern sind es 35,7 Prozent.

„Spätestens seit der starken Verbreitung von Sprachmodellen wie ChatGPT nimmt die öffentliche Diskussion über mögliche Arbeitsplatzverluste durch KI Fahrt auf“, sagt Dr. Janina Kraus von der Universität Lüneburg, Hauptautorin der Studie. „Im Niedersachsenpanel zeigt sich hingegen auch hier ein eher optimistisches Bild. Lediglich 17,8 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, ihren Job durch KI zu verlieren. Diese Sorge ist bei Frauen etwas stärker ausgeprägt als bei Männern und bei Personen ohne Hochschulabschluss etwas häufiger als bei Personen mit Hochschulabschluss.“

Klimawandel: Skepsis ist ungleich verteilt

Auch beim Klimawandel zeigt sich ein differenziertes Bild. Eine klare Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass sich das Weltklima ändert. 14,8 Prozent bestreiten hingegen die Existenz des Klimawandels. Diese Skepsis ist jedoch nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt. Frauen (18,6 Prozent) äußern häufiger Zweifel an der Existenz des Klimawandels als Männer (11,2 Prozent). Besonders deutlich ist der Unterschied nach Bildung und politischer Einstellung. Unter Personen ohne Hochschulabschluss liegt der Anteil derjenigen, die nicht an eine Veränderung des Weltklimas glauben, bei 19,5 Prozent; unter Personen mit akademischer Bildung bei 9,4 Prozent. Ähnliche Abweichungen finden sich zwischen den politisch eher links (9,5 Prozent) und eher rechts orientierten Befragten (19,8 Prozent).

Trotz unterschiedlicher Einschätzungen zur Existenz, Ursache und individuellen Beeinflussbarkeit des Klimawandels gibt es breite Zustimmung zu zentralen Zielen ökologischer Transformation. 83,4 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Zukunft der Wirtschaft klimaneutral sein muss. Während die überwältigende Mehrheit der Befragten der Meinung ist, dass Verbrauch reduziert sowie Güter stärker recycelt und wiederverwendet werden sollten, wäre nur ein Drittel damit einverstanden, wenn dies auf Kosten der ökonomischen Entwicklung ginge. 

Als konkretes klimapolitisches Instrument wurde 2021 in Deutschland die CO2-Bepreisung eingeführt. 65,0 Prozent der Befragten fühlen sich überhaupt nicht oder eher schlecht über den CO2-Preis informiert. Zwar erkennt die Mehrheit der Befragten korrekt, dass Klimaschutz ein Ziel des CO₂-Preises ist und dieser Aktivitäten mit CO₂-Ausstoß verteuert. Dass der CO₂-Preis bedeutet, dass man für selbst verursachtes CO₂ bezahlt, geben jedoch nur 41,5 Prozent korrekt an. 

„Die Daten zeigen: Klimapolitische Ziele finden in Niedersachsen breite Unterstützung. Aber bei konkreten Instrumenten wie dem CO₂-Preis bestehen erhebliche Wissenslücken“, sagt Prof. Dr. Mario Mechtel von der Universität Lüneburg, der das „Niedersachsenpanel“ leitet. „Das ist politisch relevant. Akzeptanz hängt nicht nur davon ab, ob Menschen ein Ziel teilen, sondern auch davon, ob sie verstehen, wie eine Maßnahme funktioniert und warum sie eingesetzt wird.“

Veränderungen über die Zeit messbar 

„Niedersachsen ist als großes und vielfältiges Flächenland ein besonders spannendes Reallabor“, so Hauptautorin Kraus. „Das Panel ermöglicht es, Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen, Regionen und Lebenssituationen sichtbar zu machen – und diese Entwicklungen langfristig zu beobachten.“ Mechtel ergänzt: „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, wie wichtig der Blick auf Unterschiede innerhalb der Bevölkerung ist. Es gibt nicht einfach ‚die‘ Haltung der Menschen in Niedersachsen. Vielmehr sehen wir klare Unterschiede nach Alter, Geschlecht, Bildung und politischer Orientierung. Für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist genau das entscheidend, wenn Maßnahmen verständlich und wirksam sein sollen.“

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung des Wissenschaftsraums „Verhaltensökonomik und gesellschaftliche Transformation“

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