Wie funktioniert das deutsche Wissenschaftssystem und wie werbe ich erfolgreich Drittmittel ein? Antworten auf Fragen wie diese erhalten internationale Forschende an der Uni Oldenburg durch Workshops und Beratung.
Habilitation, Wissenschaftszeitvertragsgesetz, Drittmittelförderung – für internationale Forschende, die in Deutschland eine akademische Karriere anstreben, sind solche Wortungetüme eine Herausforderung. Doch auch das Wissenschaftssystem selbst und die Wege, die etwa zu einer Professur führen, sind für viele undurchsichtig.
„Das akademische System in Deutschland ist wirklich kompliziert“, findet Dr. Rezwana Binte Delwar aus Bangladesh, derzeit Postdoktorandin am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften. Die Hydrogeologin möchte gerne als Forscherin in Deutschland bleiben, vielleicht sogar Professorin werden. Aber wie sie ihren Traum am besten verwirklichen kann, weiß sie nicht genau. Die Beratungsmöglichkeiten und Workshops, die die Universität für internationale Forschende anbietet, kommen für sie gerade richtig.
„Wir möchten unseren internationalen Forschenden dabei helfen herauszufinden, was sie sich von einer akademischen Karriere in Deutschland versprechen und wie sie strategisch klug und erfolgreich durch unser Fördersystem navigieren können“, sagt Dr. Anne Clausen, Referentin für internationale Forschungsförderung im Referat Forschung und Transfer. Gemeinsam mit Dr. Simone Brühl, Zentrale Studien- und Karriereberatung, hat Clausen bereits zum dritten Mal den Workshop „Academic career paths in Germany“ angeboten, jeweils organisatorisch unterstützt von Inger Zychla, International Office.
Die Fachkultur kennenlernen
Ziel der Workshops ist es, internationalen Forschenden eine möglichst umfassende Beratung und einen guten Service zu bieten. Aus ihrer Erfahrung mit der Beratung zu Fördermöglichkeiten im In- und Ausland und weiß Clausen zudem, wie wichtig es ist, dass sich Forschende in frühen Karrierephasen klare Ziele setzen, wenn sie im deutschen Wissenschaftssystem vorankommen möchten.
Auch Timothy Musharu aus Zimbabwe sucht gezielt Informationen zu diesem Thema. Er promoviert in Wirtschaftsinformatik in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jorge Marx Gómez. Noch ist er sich unsicher, ob er eine akademische Karriere anstreben soll. Ihm gefällt die Forschung, aber er würde auch gerne in Südafrika, wo er seinen Master gemacht hat, sein kleines Startup ausbauen. Der Workshop, für den er sich genauso wie Delwar angemeldet hatte, helfe ihm, verschiedene Optionen abzuwägen und seine Ziele genauer zu definieren, sagt er.
Genau dieses Reflektieren der eigenen Kompetenzen und Wünsche, auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt, sei für die internationalen Forschenden in einer frühen Karrierephase wichtig, erläutert Brühl, die im Team der ZSKB für die Beratung von Promovierenden zuständig ist. Darüber hinaus empfiehlt sie den Teilnehmenden des Workshops, neben den festgelegten Wegen und Regeln, die das deutsche Wissenschaftssystem hat, die „ungeschriebenen Regeln ihrer jeweiligen Disziplin“ herauszufinden. Dafür sei es nötig, sich innerhalb der jeweiligen Disziplin zu vernetzen und die jeweilige Fachkultur kennenzulernen, sagt Brühl.
In ihren Workshops und ihren Beratungen erklären Clausen und Brühl den Interessierten zudem, wie sie ein akademisches Portfolio anlegen und mit welcher Strategie sie erfolgreich Drittmittel beantragen können, etwa um ihr erstes eigenes Projekt zu finanzieren. Für die Hydrogeologin Delwar sind all dies wertvolle Hinweise, die sie in ihrem Wunsch bestärkt haben, eine akademische Laufbahn in Deutschland einzuschlagen. Nun möchte sie ihr nächstes Ziel ansteuern und einen eigenen Forschungsantrag stellen. Denn die Zeit drängt, ihre derzeitige Postdoc-Stelle endet im Februar 2027.