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Beziehungskiste

Die Überschrift eines Berichtes der Deutschen Forschungsgemeinschaft lautete:

"Der Holzwurm nagt gern in den ökologischen Nischen".

Offensichtlich will der Verfasser die Gänge der Käferlarven ansprechen und verfällt damit demselben Irrtum wie viele Schüler, Laien und sogar Biologen, die die "ökologische Nische" für einen (engen) Raum halten. So schreibt ein Paläontologe über ein fossiles Lebewesen: "Dieses Tier lebte in einer so versteckten ökologischen Nische, dass seine fossilen Reste nur sehr schwer zu finden sind". In Lehrbüchern wird die ökologische Nische "besetzt" und "eingenommen" als handelte es sich um ein Territorium. Das Wort "Nische" verführt dazu, an einen (schützenden oder bergenden) Raum zu denken. Dabei ist mit ihm ein abstraktes System von Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und Umwelt gemeint. Hinter dem Terminus "versteckt" sich also ein ganz anderer Begriff: Die ökologische Nische ist das System der Umweltbeziehungen einer biologischen Art, kurz: die "Art-Umwelt". Logischerweise gibt es die Wechselbeziehungen nur, wenn die betreffende Art existiert. Ökologische Nischen sind daher ohne die Lebewesen gar nicht vorhanden, sondern sie werden von den Organismenarten anhand der Bedingungen und Angebote in einem Lebensraum "entwickelt" oder "gebildet" und dann "aufrecht erhalten". Vielleicht läßt sich die suggestive Wirkung des Wortes "Nische" überwinden, indem man eine andere (ebenfalls räumliche) Metapher anwendet, um die räumliche Nischenvorstellung ad absurdum zu führen:
"Die ökologische Nische ist die Beziehungskiste einer Art".

Weil ökologische Nischen durch Beziehungen charakterisiert sind, können sie anschaulich als Pfeildiagramme dargestellt werden (vgl. Fachdidaktik Biologie. Köln: Aulis 1996)

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