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Die Basis für grenzüberschreitende und vertiefte Forschung zwischen der Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen wurde 1980 durch einen gemeinsamen Kooperationsvertrag gelegt. Im Rahmen der Partnerschaft gibt es auch speziell zugeschnittene Promotionsprogramme, insbesondere im Bereich der Medizin und Gesundheitswissenschaften. 

25 binationale Promotionen wurden seit 2017/2018 allein an der Fakultät VI begonnen, acht davon abgeschlossen - mit Doktoranden und Doktorandinnen aus Oldenburg und Groningen. Die Universität Groningen ist auch internationaler Partner der Northwest Alliance, dem strategischen Bündnis zwischen den Universitäten in Oldenburg und Bremen. 

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  • Ein Buch und ein Laptop auf einem Schreibtisch, eine Person sitzt mit Stift davor.

    Eine binationale Promotion ermöglicht den Erwerb eines Doktorgrades, der gemeinsam von zwei Universitäten aufgrund einer einzelnen wissenschaftlichen Leistung in zwei verschiedenen Ländern verliehen wird. Adobe Stock/fizkes

Oldenburg und Groningen: Promovieren in zwei Ländern

Promovierende können an der Universität Groningen und an der Universität Oldenburg ihre Doktorarbeit schreiben – und am Ende in beiden Ländern einen anerkannten Titel erhalten. Drei Beteiligte erzählen.

Promovierende können an der Universität Groningen und an der Universität Oldenburg ihre Doktorarbeit schreiben – und am Ende in beiden Ländern einen anerkannten Titel erhalten. Drei Beteiligte erzählen.

Internationaler Kontext, grenzüberschreitend forschen: Eine binationale Promotion ermöglicht den Erwerb eines Doktorgrades, der gemeinsam von zwei Universitäten aufgrund einer einzelnen wissenschaftlichen Leistung in zwei verschiedenen Ländern verliehen wird. Die Promovierenden sind an beiden Universitäten zur Promotion zugelassen und verbringen Phasen der Promotion möglichst ausgewogen an beiden Orten. Der rechtlich bindende Rahmen ist die „cotutelle“: ein Vertrag zwischen der Universität Oldenburg und einer ausländischen Hochschule mit Promotionsrecht. Grundsätzlich kann mit jeder beliebigen Universität weltweit eine Kooperationsvereinbarung über eine binationale Promotion abgeschlossen werden. An der Uni Oldenburg läuft der Großteil der binationalen Promotionen in Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen. Die beiden Hochschulstandorte verbindet eine langjährige, interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Johannes Stalter (Medizin)

Nach dem Medizinstudium war für mich klar: Ich will eine Karriere als klinischer Spezialist voranbringen und gleichzeitig forschen – am liebsten mit einer binationalen Promotion in Oldenburg und in Groningen. 2022 bin ich deshalb als einer der ersten Teilnehmenden im neuen Joint MD/PhD-Programm der Universitätsmedizin Oldenburg und des Universitair Medisch Centrum Groningen in den Niederlanden gestartet. Aktuell fehlt noch der letzte Feinschliff, damit ich meine Doktorarbeit verteidigen kann. Am Ende habe ich einen Doktorabschluss – jeweils verliehen von der Universität Oldenburg und der Universität Groningen.

Schon während meines Medizinstudiums habe ich zwei Auslandssemester an der Universität Groningen gemacht – und war beeindruckt von der Forschungsinfrastruktur im medizinischen Bereich. Die Uni Groningen ist international sehr gut vernetzt und kann auf große Datensätze zugreifen. Die Ressourcen dort haben mir sehr für meine Doktorarbeit geholfen. 

In Oldenburg konnte ich im Klinikalltag direkt am Patienten arbeiten und parallel Teilnehmende für meine Studien rekrutieren. Ich beschäftige mich mit nichtinvasiver tiefer Hirnstimulationen bei der chronischen Krankheit Morbus Parkinson. Bei dem Verfahren werden auf dem Kopf von Patienten und Patientinnen Elektroden angebracht, über die ganz schwacher Strom läuft. Ich untersuche die These, dass die neuronale Aktivität bei Erkrankten dadurch verändert und Parkinson-Symptome abgemildert werden könnten – ganz ohne Operation.

Eine binationale Promotion bedeutet organisatorischen Mehraufwand. Der Bewerbungsprozess ist aufwändiger. Es braucht zwei Betreuende von den zwei Universitätsstandorten. Ich lebe mit meiner Familie in Oldenburg und bin zwischenzeitlich wöchentlich für Pflichtkurse nach Groningen gependelt. Ich würde es aber immer wieder so machen. Ich habe sehr davon profitiert, zwei Betreuer mit Erfahrungen in der Neurostimulation, aber verschiedenen Forschungsschwerpunkten an meiner Seite zu haben. Ich befasse mich mit sowohl mit motorischen als auch mit neuropsychiatrischen Parkinson-Symptomen. Für die Bewegungsstörungen ist Professor Karsten Witt Experte, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie am Evangelischen Krankenhaus in Oldenburg. Prof. André Aleman, ehemaliger Professor für kognitive Neuropsychologie an der Universität Groningen, beschäftigt sich insbesondere mit Depressionen und Apathie. 

Ich darf später in Deutschland den Doktortitel (Dr. rer. nat.) tragen und international den Titel MD/PhD (Medical Doctor – Doctor of Philosophy). Eine binationale Promotion ist also ein eleganter Weg, um einen internationalen Abschluss zu erlangen, der mit einem gewissen Renommee verbunden ist. Und ich habe natürlich unser Nachbarland, die Niederlande, besser kennengelernt. 

Gijs Altena (Literaturwissenschaften)

In meiner binationalen Promotion beschäftige ich mich mit einem grenzüberschreitenden Thema: der Geschichte der niederländischen Sprache in Ostfriesland. Im 16. Jahrhundert sind niederländische Flüchtlinge in die Region an der niedersächsischen Nordseeküste gekommen. Es wurde dort auch später im 17. Jahrhundert noch Niederländisch gesprochen, auch unter Ortsansässigen, insbesondere in der reformierten Kirche, aber beispielsweise auch unter Mennoniten. Wie liefen in der Region also das Niederländische, die Mehrsprachigkeit und die Konfession zusammen? 

Ich habe an der Universität Groningen moderne deutsche und niederländische Literatur studiert. Meine Doktorarbeit ist nun angesiedelt im Forschungsprojekt „Grenzgänger“, das bereits auf einer engen deutsch-niederländischen Zusammenarbeit beruht. Geleitet wird es auf Oldenburger Seite von Prof. Andrea Strübind, Professorin für Kirchengeschichte. Vonseiten der Universität Groningen sind es die Historikerin Prof. Raingard Esser und der auf historische niederländische Literatur spezialisierte Prof. Bart Ramakers. Sie alle betreuen auch meine Doktorarbeit – und haben eine jeweils andere Perspektive darauf. Diese Diversität von Fachgebieten und Persönlichkeiten empfinde ich als sehr hilf- und lehrreich. 

Für Recherchen bin ich in Archiven in ostfriesischen Städten wie Emden und Aurich unterwegs, für den wissenschaftlichen Austausch in Oldenburg und Groningen. Binational zu promovieren, ist gerade bei einem grenzübergreifenden Forschungsthema ein großer Vorteil. Mein Wohnsitz ist zwar in Groningen, aber ich habe auch ein halbes Jahr in Oldenburg gewohnt und war regelmäßig auf dem Campus unterwegs. Einmal pro Monat komme ich auch jetzt noch für ein Kolloquium nach Deutschland, manchmal biete ich auch ein Blockseminar an der Uni an. Ansonsten laufen viele Besprechungen online – und auf Deutsch. Die Doktorarbeit schreibe ich aber, und das ist durchaus herausfordernd, auf Englisch. 

Zwischen Oldenburg und Groningen liegen nur wenige Fahrstunden. Es hat mich überrascht, dass sich die akademischen Systeme trotzdem voneinander unterscheiden. In Oldenburg empfinde ich beispielsweise die Hierarchien unter Forschenden als stärker – aber die Zuständigkeiten sind dadurch auch klarer formuliert. In Groningen sagen alle „Du“ zueinander, dahinter gibt es aber durchaus auch versteckte Hierarchien. In Oldenburg empfinde ich die Lehre als persönlicher. Was davon besser ist, kann ich nicht sagen. Klar ist aber, dass ich an beiden Universitäten eine Menge lerne und meine Sprachkenntnisse erweitere. Die internationale Erfahrung in der Forschung hilft sicherlich dabei, eine wissenschaftliche Karriere voranzutreiben. 

Sophie Ellermann (Molekularbiologie)

Meine binationale Promotion liegt schon etwas zurück. Ich habe 2018 damit angefangen und nach einer Elternzeit-Unterbrechung im November 2023 in Groningen verteidigt. Mein Betreuer und die Arbeitsgruppe aus Oldenburg waren auch dabei. Die ersten anderthalb Jahre habe ich in Groningen verbracht, die restliche Zeit in Oldenburg. Zunächst bin ich nach der Promotion in die Versorgungsforschung gewechselt – als wissenschaftliche Koordinatorin für Verbundprojekte mit Groningen. Das habe ich unter anderem meiner binationalen Promotion zu verdanken, denn ich wurde vom Dekanat gezielt angesprochen, weil ich genau die passende Erfahrung hatte. Heute bin ich Studiengangskoordinatorin für die Masterstudiengänge Versorgungsforschung im Gesundheitswesen und Pflege – Advanced Nursing Practice an der Uni Oldenburg. Ich habe mich für einen Wechsel aus der Forschung ins Wissenschaftsmanagement entschieden. 

Ich war immer schon gerne international unterwegs und mag den Perspektivwechsel: Ich habe im niederländischen Maastricht einen interdisziplinären Bachelor in Liberal Arts and Sciences gemacht, an der Universität Oxford in England einen Master in Onkologie. Ich fand es attraktiv, danach binational und interdisziplinär im Rahmen der „Joint Graduate Research Training Group“, einem gemeinsamen Programm aus Oldenburg und Groningen, zu promovieren. Dadurch konnte ich mich auf ein weiteres Feld spezialisieren: die Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

In meiner Doktorarbeit ging es um molekulare Grundlagen von Komplikationen nach Operationen. Die binationale Promotion hat mir verschiedene Methoden und Blickwinkel auf das Thema ermöglicht. In Groningen habe ich mich vor allem mit der Mikrovaskulatur beschäftigt – also einem feinen Netzwerk kleinster Blutgefäße, das in Organen für den Austausch von Blut und Gewebe zuständig ist. In Oldenburg ging es mehr um die Makrovaskulatur, also größere Gefäße wie Arterien und Venen. Ich habe unter anderem Zellmaterial ausgewertet, um mehr darüber zu erfahren, wie Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose ein Risikofaktor bei Operationen sind. 

In Oldenburg war es neu für mich, dass ich als Doktorandin auch Lehrverpflichtungen habe. In den Niederlanden und England arbeiten Promovierende ausschließlich an ihrer Doktorarbeit. Insgesamt waren an beiden Standorten viele Leute mit eigener Expertise in die Promotionssgruppe involviert, in unterschiedlichen akademischen Systemen: Dadurch konnte ich neben der reinen Forschung wertvolle Skills im Projektmanagement erlernen – was mir auch heute noch in meinem Job hilft. 

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