Feuerkugeln

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Feuerkugeln

Meteoritenfall im Schwarzwald?

Einige besonders glückliche Nachtschwärmer in der Schweiz und Süddeutschland konnten am 01.09.2021  ein beeindruckendes Naturphänomen beobachten. Ein heller Meteor hat in der Nacht um etwa 03:12 UT (05:12 CEST) den Himmel in der Grenzregion erleuchtet. Die spektakuläre Feuerkugel konnte aus weiter Entfernung gesehen werden und wurde sogar von einigen Feuerkugelnetzwerken und Webcams aufgenommen. 

Außerdem gab es eine Vielzahl an Augenzeugen, die ihre Beobachtungen mit der IMO/AMS geteilt haben. Aus den Berichten konnte sogar die Flugbahn (Trajektorie) berechnet werden.

Feuerkugelaugenzeugenbereichte, die der IMO/AMS gemeldet wurden. Die Daten wurden verwendet um die Flugbahn der Feuerkugel zu berechnen.IMO/AMS Trajektorie und Augenzeugenberichte.

Die Feuerkugel wurde außerdem von 12 Kameras des all-sky Kameranetzwerks FRIPON aufgenommen. Das Netzwerk wird in Deutschland von der Universität Oldenburg koordiniert und ausgebaut. Die Station, die am weitesten vom Event entfernt war und die Feuerkugel aufnehmen konnte, steht in Asiago, Italien und ist fast 500 km von der Flugbahn entfernt. Alle Bilder und Daten können hierangesehen werden.

Mit den Daten des FRIPON Netzwerks konnte die Trajektorie genauer berechnet werden. Außerdem konnten weitere wissenschaftliche Details des Meteoroiden ermittelt werden, so z.B. die initiale Masse von 0,5 - 2 kg. Das Objekt wurde das erste Mal über Yverdon-les-Bains, Schweiz, um etwa 05:12:56 CEST gesichtet. Nach einem Flug durch die Atmosphäre mit etwa 25 km/s wurde es das letzte mal über Gütenbach, Deutschland, gesehen.

Europäische FRIPON Stationen. Grüne Kameras haben die Feuerkugel aufgenommen. die Rote Linie gibt die Flugbahn an.FRIPON Trajektorie und Kameras, die die Feuerkugel aufgenommen haben.

Update: Die Feuerkugel wurde auch von Kameras des Schweizerische Meteornetzwerk aufgenommen. Es wird, unter dem Dachverband der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft SAG, betrieben von den Mitgliedern der Fachgruppe Meteorastronomie (FMA). Aus ihren All-Sky Daten konnten sie ebenfalls eine Trajektorie ermitteln.

Feuerkugel aufgenommen mit dem Schweizer MeteornetzwerkFeuerkugeltrajektorie berechnet aus Daten des Schweizer Meteornetzwerks.

Die AllSky7 Station in Wangen, Schweiz, von Erwin Späni hat den Feuerkugel mit 3 seiner 7 Kameras aufgenommen.

Stack der Bilder von der Allsky7 Station in Wangen. Copyright E. Späni, AllSky7 KameranetzwerkStack der Bilder, die mit AllSky7 aufgenommen wurden. Copyright E. Späni, AllSky7 Kameranetzwerk.

Basierend auf FRIPON Daten konnte berechnet werden, dass Teile des Meteoroiden den Flug durch die Atmosphäre überlebt haben könnten. Insgesamt könnten etwa 30 bis 140 g (oder auch mehr) Meteoritenmaterial auf die Erde in der Nähe von Lauterbach gestürzt sein. Das Streufeld (der Bereich in dem die Meteorite am wahrscheinlichsten zu finden sind) kann unten gesehen werden. Wenn Sie nach Meteoriten suchen wollen, ist dieser Bereich ein guter Ausgangspunkt.

Streufeld für MeteoriteStreufeld berechnet von FRIPON.

Da Meteoroide und Asteroide einige der einzigen Überreste aus den Anfängen des Sonnensystems sind, werden Meteorite untersucht um Rückschlüsse auf dessen Formation und Entwicklung zu schließen.

Wer glaubt einen Meteoriten gefunden zu haben, der kann durch ein paar einfache Tests eingrenzen, ob es sich möglicherweise um einen echten Meteoriten handelt. Fast alle Meteoriten enthalten einen gewissen Prozentsatz an Eisen/Nickel. Das macht sie relativ schwer. Außerdem schmilzt die Oberfläche in der Atmosphäre und frisch gefallene Meteorite haben eine schwarze, glatte und matte Oberfläche. Frische, erst kürzlich gefallenen Meteoriten, sollten besonders sorgfältig behandelt werden. Bitte verwenden Sie Einmalhandschuhe. Anders als bei alten Meteoriten, sollte man hier nicht mit einem Magneten checken, ob das Objekt Eisen oder Nickel enthält. Das würde ein eventuell vorhandenes Restmagnetfeld zerstören..

Weitere hilfreiche Informationen und Hinweise finden Sie hier.

Meteorite erkennenMeteorite erkennen, eine kurze Checkliste. Download

Sollten sie nach diesen Informationen der Meinung sein, einen echten Meteoriten gefunden zu haben, machen Sie bitte ein paar Fotos von dem Objekt und schicken diese zusammen mit Informationen über die Größe, Fundort und -Zeit an die folgende e-mail Adresse: meteorit@uni-oldenburg.de. Vergessen Sie nicht Ihre Kontaktinformation anzugeben.

Edit: Es gibt noch weitere Bilder dieses spektakulären Falls. Auf der Säntis Bergstation wurde er mit den dort stationierten Webcams aufgezeichnet.

Feuerkugel aufgenommen von einer Webcam bei der Säntis Schwebebahn. Copyright Säntis Schwebebahnen AG

Webcam Bild der Feuerkugel. Copyright Säntis Schwebebahnen AG 

(Stand: 13.09.2021)