• Carolin Becklas mit Gamepad vor einem Monitor auf dem ein comigartiges Spiel zu sehen ist.

    Unter dem Titel "Playing Bees, Trees, and Degrees" untersucht Carolin Becklas in ihrer Promotion die Darstellung des Themas Klimawandel in Videospielen. Außerdem engagiert sie sich für Open Science-Themen. Dafür hat sie den Open Science-Award der Universitätsgesellschaft Oldenburg erhalten. Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

Vom Frust zum Herzensthema

Carolin Becklas ist Preisträgerin des Open Science-Awards der Universitätsgesellschaft Oldenburg. Für sie steckt hinter dem Thema mehr als nur die frei zugängliche Veröffentlichung von wissenschaftlichen Texten und Forschungsdaten.
 

Carolin Becklas ist Preisträgerin des Open Science-Awards der Universitätsgesellschaft Oldenburg. Für sie steckt hinter dem Thema mehr als nur die frei zugängliche Veröffentlichung von wissenschaftlichen Texten und Forschungsdaten.

In den USA war Donald Trump gerade zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden, als Game Studies-Forscherin Carolin Becklas im November den Open Science-Award der Universitätsgesellschaft Oldenburg (UGO) entgegennahm. Einige Wochen später sitzt die 33-Jährige bei einem Tee in der Universitätsbibliothek und sagt: „Trump ist wieder Präsident – Entwicklungen wie diese machen es immer wichtiger, dass Menschen auf wichtige Studien unmittelbar zugreifen können und nicht vor einer Paywall sitzen.“ 

Becklas will ihre Forschungsergebnisse nicht nur aufschreiben, sondern zu den Menschen bringen – auch solchen, die selbst nicht in der Wissenschaft arbeiten. Mit den anderen Forschenden im von ihr mitgegründeten Kollektiv „oldengame“ tauscht sie sich deshalb nicht nur intern über die Kultur und die Einsatzmöglichkeiten von Videospielen aus, sondern schafft auch Möglichkeiten, mit Nicht-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen. Im vergangenen Jahr etwa hat das Kollektiv im Schlauen Haus sein noch junges Forschungsfeld Interessierten vorgestellt. „Ich war überrascht, wie viele Leute kamen, die nicht unmittelbar aus unserer eigenen Bubble stammen“, erzählt Becklas.

Menschen erreichen, am liebsten viele – genau darum geht es auch in ihrer Forschung zu Videospielen: Becklas interessiert sich für die großen Blockbustertitel, die Millionen Menschen auf der Welt spielen. „Da erkenne ich krasses Potenzial, weil man nach einer Session eben nicht das Gefühl hat, mit dem pädagogischen Zeigefinger zum Lernen gedrängt worden zu sein – obwohl die Entwickler*innen natürlich trotzdem Botschaften transportieren“, sagt Becklas. Das geschehe aber deutlich subtiler als in sogenannten Serious Games, in denen das Lernen im Vordergrund steht. In Abgrenzung zu anderen Medien wie Filmen und Büchern begeistert sie an Videospielen ihr prägendes Alleinstellungsmerkmal: Sie bieten ihren Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit, aktiv zu handeln.

In ihrer Doktorarbeit untersucht Becklas, wie Videospiele den Klimawandel darstellen. Dabei interessiert sie besonders, wie die Spiele auf interaktive Weise Wissen über den Klimawandel kommunizieren und welche handelnden Personen in diesen virtuellen Klimawelten auftauchen. Mehr als 50 Spiele zu diesem Thema hat sie selbst gezockt und dabei einige interessante Tendenzen entdeckt. „Auffällig häufig sind die handelnden Personen in diesen Spielen Frauen“, sagt die Forscherin. Eine von ihnen ist zum Beispiel Aloy, eine Jägerin, die im millionenfach verkauften „Horizon Zero Dawn“ in einer postapokalyptischen Zukunftsversion der Erde nach Antworten darauf sucht, welche Entwicklungen die Menschheit in die gegenwärtige Situation gebracht haben. 

Auch sie selbst war bei den großen Fridays for future-Demos dabei. Mit ihrer Forschung im Promotionsprogramm „Gestalten der Zukunft. Transformationen der Gegenwart durch Szenarien der Digitalisierung“ verbindet sie die zwei Herzensthemen Klima und Games. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert ihre Arbeit mit einem Georg-Christoph-Lichtenberg-Stipendium. 

Ihr drittes Herzensthema, Open Science, hat sich daraus fast von selbst ergeben – und zwar zunächst aus Frust. „Als ich das erste Mal publizieren wollte und der Verlag uneingeschränkt alle Rechte an meiner Arbeit verlangte, war ich damit überhaupt nicht einverstanden“, sagt sie. Weil sie nach dem Studium der Amerikanistik und Literaturwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin und dem Master in European History am University College Dublin (Irland) ihr Forschungsfeld in den internetaffinen Game Studies gefunden hatte, stieß sie aber schnell auf Alternativen. „In dem Bereich sind fast alle Zeitschriften open access“, sagt sie. Creative-Commons-Lizenzen statt Rechteabtretung und ein Zugang zu den Inhalten für alle Interessierten – das überzeugte Becklas. „Die eigene Arbeit ist dadurch auch leichter zitierbar, was für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine wichtige Währung ist“, sagt sie. Und wenn Forschende strukturiert auch Rohdaten zur Verfügung stellen, müssen andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Arbeit nicht mehr die gleichen Daten erheben. „Außerdem sind es oft die Steuerzahlerinnen und -zahler, die unsere Forschung bezahlen. Dann haben sie auch ein Recht, die Ergebnisse zu sehen“, sagt sie.

Aus ihrer persönlichen Überzeugung ist inzwischen ein Beruf geworden. Seit Mitte 2023 ist die Promotionsstudentin auch als Mitarbeiterin im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt open-access.network tätig, das den Austausch über die Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen in der Wissenschaft fördert. Carolin Becklas ist dort für das Thema „Informieren“ zuständig, schreibt Texte und gestaltet Videos, die anderen Forschenden den Zugang zum Thema erleichtern sollen. „Natürlich erscheinen auch unsere Materialien mit einer Creative Commons-Lizenz und dürfen nachgenutzt werden – und es ist schön zu sehen, dass das auch tatsächlich passiert“, sagt die Doktorandin.

Die „beeindruckende Breite“ von Becklas Bewerbung – von der Arbeit im Forschungskollektiv und im open-access.network bis hin zum Engagement, ihre eigene Forschung, etwa als Gesprächspartnerin in Podcasts, zugänglich zu machen, - hat die UGO-Jury überzeugt. Sie hat die Preisträgerin dafür mit dem mit 1.000 Euro dotierten Open-Science-Award ausgezeichnet.

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Presse & Kommunikation (Stand: 07.02.2025)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p82n10753 | # |
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