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Prof. Dr. Volker Hohmann
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Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Projektnummer 352015383 – SFB 1330

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13.10.2022 Raum ohne Echo

Eine Welt der Stille eröffnet sich hinter der Tür des sogenannten „reflexionsarmen Freifeldraums” auf dem Campus Wechloy. Zentrales Element des kürzlich renovierten Akustiklabors sind riesige Schallabsorber.

Geräusche von außen können nicht hinein, alle Schallwellen innen werden geschluckt: Der sogenannte „Reflexionsarme Freifeldraum“ der Universität Oldenburg ist einer der leisesten Räume Oldenburgs – und wohl einer der leisesten in ganz Deutschland. Nach knapp 40 Jahren war es notwendig geworden, das außergewöhnliche Akustiklabor umfassend zu renovieren: die keilförmigen Schallabsorber mussten allesamt ausgetauscht werden. Die Baumaßnahme wurde vom Staatlichen Baumanagement Region Nord-West und vom Büro Architekt Fritsch geplant und durchgeführt. Die Universität trägt die Kosten aus Eigenmitteln.

„Der reflexionsarme Raum ist eine zentrale Forschungseinrichtung für das Exzellenzcluster Hearing4all, den Sonderforschungsbereich Hörakustik sowie für viele weitere unserer Forschungsprojekte. Nicht zuletzt nutzen auch außeruniversitäre Hörforschungseinrichtungen den Raum“, betont der Akustiker Prof. Dr. Steven van de Par, dessen Abteilung das Labor betreibt. „Der renovierte Raum bietet nun wieder bestmögliche Bedingungen und die nötige Flexibilität für zahlreiche technische Messungen und unsere Tests mit Probandinnen und Probanden.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen das Labor zum einen, um die akustischen Eigenschaften von Geräten wie Lautsprechern und Mikrofonen besonders präzise zu bestimmen, die sie für bestimmte Forschungsfragen benötigen. Zum anderen finden im Labor auch Hörexperimente mit Versuchspersonen statt, insbesondere zur räumlichen Wahrnehmung

Eine Akustik wie auf einer Bergspitze bei Windstille

Der renovierte Messraum befindet sich in einem eigenen Gebäudeteil, der an den Physik-Trakt auf dem Campus Wechloy angrenzt. Das fensterlose Labor wurde gemeinsam mit dem Hauptgebäude 1984 fertiggestellt und ist als „Raum im Raum“ konstruiert: Der Boden des Quaders steht auf Federn, die wiederum auf der Bodenplatte des Gebäudes ruhen. Alle anderen Wände haben einen Abstand von einem Meter zur Außenhülle, dazwischen befindet sich ein Hohlraum. Lüftung und Lampen lassen sich extrem geräuscharm betreiben. Alle sechs Wände – auch Decke und Boden – sind mit 1,50 Meter langen, keilförmigen Schallabsorbern isoliert. „Insgesamt sind es mehr als 2.500 Keile“, berichtet Dr. Stephan Töpken, der die Renovierung von fachlicher Seite gemeinsam mit dem Techniker Christoph Scheicht betreute.

Um Schallreflexionen innerhalb des Raumes zu vermeiden, war einiges an Aufwand nötig: So sind die neuen Absorber mit einer speziellen, nicht brennbaren Gewebehülle überzogen, die gleichzeitig kaum Schall zurückwirft. Um Versuchsaufbauten und Messgeräte installieren zu können, sind zwischen den Schallabsorbern an Boden und Decke einige wenige Stangen und Haken angebracht. „Unser Raum verfügt über kontrollierte akustische Bedingungen über fast den gesamten Hörfrequenzbereich“, betont Töpken.

Eine Besonderheit des Oldenburger Labors: Dank der enormen Ausmaße der Absorber werden auch Schallwellen bei tiefen Frequenzen effektiv absorbiert. Die Dämpfung reicht hinunter bis zu einer Frequenz von 50 Hertz, einem sehr tiefen Brummton. Weil der Schall aus keiner der drei Raumrichtungen zurückgeworfen wird, herrschen Bedingungen wie im Freien auf der Spitze eines Berges – Fachleute sprechen von „Freifeldbedingungen“.

Das Akustiklabor wird nicht nur von Forschenden verschiedener Fachbereiche der Universität genutzt, sondern auch von Teams der Jade Hochschule und des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT.

[Text/Bild: Pressemitteilung der Universität Oldenburg, Bereich Forschung, Thema Medizinische Physik und Akustik, 13.10.2022 ]

12.10.2022 Studie zur Hörschäden bei Musikern

Eine Folge aus der Reihe „Deutschlandfunk Kultur: Zeitfragen” beschäftigt sich mit den Ergebnissen einer Online-Studie von Kai Siedenburg zum Thema „Hörschäden bei Berufsmusikern”.

Das Audio und der Artikel dazu sind zu finden unter:
Hörschäden bei Berufsmusikern – laut wie ein Presslufthammer. Sven Kochale. Deutschlandfunk Kultur, 06.10.2022
https://www.deutschlandfunkkultur.de/berufsmusiker-gehoer-schaeden-vorsorge-100.html

22.09.2022 Auszeichnung für Akustikerin und „internationale Brückenbauerin“

Anna Warzybok-Oetjen erhält Preis der Deutschen Gesellschaft für Audiologie

Oldenburg. Die Deutsche Gesellschaft für Audiologie (DGA) hat den mit 3.000 Euro dotierten Meyer-zum-Gottesberge-Preis an die Hörforscherin Dr. Anna Warzybok-Oetjen von der Universität Oldenburg verliehen. Mit dem Preis zeichnet die DGA Forschende aus, die nach ihrer Promotion wichtige Arbeiten auf dem Gebiet der Hörforschung veröffentlicht haben. Warzybok-Oetjen promovierte 2012 an der Universität Oldenburg und war anschließend als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Exzellenzcluster „Hearing4all“ tätig. Seit Kurzem koordiniert sie im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereich Hörakustik die Projekte, die sich mit den Grundlagen der Sprachwahrnehmung beschäftigen.

Warzybok-Oetjen hat dazu beigetragen, anerkannte deutschsprachige Tests, mit denen Forschende das Sprachverstehen einer Person messen, auch in anderen Sprachen verfügbar zu machen. Ihre Arbeiten auf diesem Gebiet seien von fundamentaler Bedeutung für die Übertragbarkeit von Testergebnissen in einer Sprache zur jeweiligen anderen Sprache und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung der Sprachaudiologie, würdigte Laudator Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, Leiter der Abteilung Medizinische Physik an der Universität Oldenburg und Sprecher des Exzellenzclusters „Hearing4all“, die Preisträgerin. „Ihre internationalen Kontakte unter anderem nach Polen, Russland, in die Ukraine, nach Italien, China, Rumänien und Brasilien haben ihr den Ruf als internationale Brückenbauerin eingebracht“, so Kollmeier weiter.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Forscherin damit, die Effekte einer Hörminderung zu modellieren. Ziel ist, mithilfe automatischer Spracherkennung voraussagen zu können, welche Gesprächsfetzen eine Person mit Höreinschränkungen versteht und welche nicht.

Anna Warzybok-Oetjen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lothar-Cremer-Preis der Deutschen Gesellschaft für Akustik. Den Meyer-zum-Gottesberge-Preis nahm sie jetzt im Rahmen der DGA-Jahrestagung in Erfurt entgegen. Sie ist die vierte Preisträgerin der Universität Oldenburg.

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Dr. Anna Warzybok-Oetjen, Tel.: 0441/798-5499, E-Mail:

23.07.2022 Simon Kersten gewinnt den ASA "early career presenter award"

Simon Kersten, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Michael Vorländer an der RWTH Aachen, hat auf der 182. Tagung der Acoustical Society of America (ASA) in Denver, Colorado, den „Early Career Presenter Award” des Technischen Kommittees für „Computational Acoustics” bekommen. Prämiert wurde sein Beitrag mit dem Titel „Influence of the Model Parameters for the Finite Element Simulation of Bone Conduction in the Human Head”.

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Einfluss verschiedener Materialparameter auf die Modellierung der Knochenleitung in menschlichen Köpfen, der anhand eines einfachen Ellipsoidmodells dargestellt wurde. Seine Forschung findet im Rahmen des SFB 1330 HAPPAA statt.

08.07.2022 Oldenburger Hörforschung blickt auf erfolgreiches Jahrzehnt zurück

Zehn Jahre Exzellenzcluster und Department für Medizinische Physik und Akustik

Oldenburg. Sie verfolgen ein gemeinsames Ziel – das Hören für alle – und forschen, entwickeln und lehren an den Schnittstellen zwischen Medizin, Physik und Ingenieurwissenschaften: die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Departments für Medizinische Physik und Akustik an der Universität Oldenburg und des dort verankerten Exzellenzclusters Hearing4all. Heute feierten sie mit Ehemaligen und Gästen in einem Festkolloquium das zehnjährige Jubiläum sowohl des Exzellenzclusters als auch des Departments – eines von fünf der ebenfalls 2012 gegründeten Medizinischen Fakultät.

„Wir haben damit gleich doppelt und dreifach Grund zum Feiern“, so der Gründungsdirektor des Departments und Hearing4all-Sprecher Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier. Zu den Jubiläen hinzu komme die Freude über die kürzliche Zusage weiterer Förderung für den ebenfalls am Department angesiedelten Sonderforschungsbereich „Hörakustik“. Die vor fast 30 Jahren begründete Oldenburger Hörforschung blicke auf ein äußerst erfolgreiches Jahrzehnt als eine „Schrittmacherin“ der Universität zurück, resümierte der Physiker und Mediziner.

„Dass in etwa 80 Prozent der Hörgeräte weltweit Know-How aus Oldenburg steckt, illustriert eindrucksvoll die Bedeutung unserer Hörforschung. Sie genießt national wie international höchste Anerkennung“, so Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder.  Neben Hearing4all, das im Jahr 2018 in der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern zum zweiten Mal punktete und bis Ende 2025 gefördert wird, habe sich auch die Struktur als Department bewährt. Dessen Absolventinnen und Absolventen seien „von Industrie, Klinik und Wissenschaft enorm nachgefragt“.

Einige aus diesem Kreis kehrten anlässlich des Jubiläums nach Oldenburg zurück und trafen sich zu einem Alumni-Vormittag. Die Festvorträge beim anschließenden Kolloquium hielten die Bremer Informatikerin Prof. Dr. Tanja Schultz, Expertin für Kognitive Systeme, und der Dresdner Nachrichtentechnik-Experte Prof. Dr. Gerhard Fettweis. Nachmittägliche Führungen durch die Labors des Departments auch für die allgemeine Öffentlichkeit rundeten den Tag ab.

Die Wurzeln der Oldenburger Hörforschung liegen am Institut für Physik, wo ab 1974 der Akustiker Prof. Dr. Volker Mellert lehrte und forschte, sowie am damaligen Institut für Mensch-Umwelt-Beziehungen, das ebenfalls 1974 den Psychologen und Lärmforscher Prof. Dr. August Schick berief. 1993 kam Kollmeier mit einer damaligen Fiebiger-Professur hinzu – einem Förderprogramm für Nachwuchsforschende – und baute in der Folge die Abteilung für Medizinische Physik auf. Der Grundstein für die Oldenburger Hörforschung war gelegt.

Heute sind in den zehn Abteilungen und sieben weiteren Arbeitsgruppen des Departments für Medizinische Physik und Akustik insgesamt knapp 120 Mitarbeitende tätig. Vor zehn Jahren war es maßgeblich am Aufbau der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften beteiligt. Im Exzellenzcluster Hearing4all kooperieren die Forschenden des Departments sowie derjenigen für Neurowissenschaften und für Psychologie mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universität Hannover. Weitere Partner sind die Jade Hochschule, die Hörzentren Oldenburg und Hannover, das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie sowie das Laserzentrum Hannover.

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[Text/Foto: Pressemitteilung der Universität Oldenburg, 08.07.2022]

22.06.2022 - ARD/ZDF-Förderpreis: Dritter Platz für Oldenburger Forscherin:
Wiebke Middelberg in Bonn ausgezeichnet

Oldenburg. Wiebke Middelberg, Doktorandin am Department für Medizinische Physik und Akustik der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Oldenburg, ist am Dienstag in Bonn mit dem mit 2.000 Euro dotierten dritten Platz beim ARD/ZDF-Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ 2022 ausgezeichnet worden. Erstmals ist eine Absolventin der Universität Oldenburg bei diesem Wettbewerb erfolgreich.

Middelberg wurde für ihre Masterarbeit ausgezeichnet, mit der sie im vergangenen Jahr ihr Engineering-Physics-Studium abgeschlossen hat. Darin beschäftigt sie sich mit der Frage, wie Menschen, die ein Hörgerät nutzen, Gesprächen besser folgen können. Ihr Ansatz: Die im Alltag zahlreich – zum Beispiel in Smartphones – vorhandenen Mikrofone können dabei helfen, Störgeräusche und erwünschte Sprachsignale besser zu unterscheiden. Am Beispiel einer Cocktailparty hat sie durch die Verwendung dieser Mikrofone zusätzlich zu den Hörgerätemikrofonen aus dem Stimmenmix eine einzige Stimme in ihrer Verständlichkeit erhöht und alle anderen als unerwünschte Schallquellen unterdrückt. „Anwendungsgebiete von neuen Lösungen durch verbesserte Algorithmen liegen nicht nur in der untersuchten Hörgerätetechnik, sondern zum Beispiel auch in der Sprachsteuerung digitaler Medien“, hieß es in der Begründung der Jury. Middelbergs Arbeit entstand im Sonderforschungsbereichs Hörakustik, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Aktuell promoviert die 25-Jährige in der Arbeitsgruppe Signalverarbeitung von Prof. Dr. Simon Doclo.

Mit dem zum 14. Mal vergebenen Förderpreis zeichnen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Absolventinnen von Hochschulen und Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Ziel ist, talentierte Frauen zu motivieren, sich im Rahmen des Studiums und ihrer Forschung mit dem Bereich der audiovisuellen Medienproduktion und -distribution zu befassen. Unter dem Motto „Meine Idee schreibt Zukunft“ können Frauen Abschlussarbeiten einreichen, die sich mit aktuellen Fragestellungen aus dem Bereich der Medientechnik befassen. Die Teilnehmerinnen sollen durch den Wettbewerb außerdem karrierefördernde Kontakte in die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erhalten.

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[Text: Pressemitteilung der Universität Oldenburg, 22.06.2022]

10.06.2022 PhD-Workshop Oberlethe

Am 8. und 9. Juni 2022 fand auf dem Hof Oberlethe in Wardenburg ein SFB HAPPAA-Workshop für Promovierende und beginnende Postdocs statt.

Der Workshop wurde von einem Team aus Doktorandinnen und Doktoranden organisiert und beinhaltete eine Vielzahl von wissenschaftlichen Programmelementen. Um die Wissenschaftskommunikation auf kreative Weise zu fördern, waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, ihr Forschungsprojekt zu malen und ein kurzes Abstract über ihr Thema in einfacher Sprache zu erstellen. Die Zeichnungen und Abstracts wurden anschließend in einer Postersitzung die drei besten wurden mit einem Preis prämiert.

Darüber hinaus bot der Workshop den Promovierenden und Postdocs die Möglichkeit, über relevante Themen ihrer Arbeiten und ihre Erfahrungen als Promovierende zu diskutieren. Auch ein  Vortrag der Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim aus ihrer TV-Show zum Thema Arbeitsbedingungen und Diversität in der Wissenschaft und seine Auswirkung auf die Forschenden wurde analysiert und diskutiert.

Ein Höhepunkt des Workshops waren die beiden Karrieresitzungen zur Vernetzung mit ehemaligen Doktorandinnen und Doktoranden. Die Alumni (Angela Josupeit (Oticon A/S), Angel Mario Castro Martinez (Telekom), Henning Schepker (Starkey Hearing Technologies), Dorothea Wendt (Eriksholm Research Centre), Birgitta Gabriel (freiberufliche Beraterin für Hörakustik) und Lena Schell-Majoor (Postdoc an der Universität Oldenburg)) stellten ihren Werdegang vor und beantworteten Fragen der Teilnehmer*innen zum Übergang von der Universität in die Industrie, zur Work-Life-Balance, zu hilfreichen Fähigkeiten und Karriereoptionen.

Abgerundet wurde das Programm durch weitere Aktivitäten wie einen Gebärdensprachkurs, Yoga und einen Spieleabend zum weiteren Networking.

08.06.2022 - Hörforscher und SFB-PI Kai Siedenburg in Junge Akademie aufgenommen:
Forschung am Schnittpunkt Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft

Oldenburg. Der Hörforscher Dr. Kai Siedenburg von der Universität Oldenburg ist in die Junge Akademie aufgenommen worden. Die Mitgliedschaft ermöglicht ihm in den kommenden fünf Jahren, mit anderen Nachwuchsforschenden sowie Künstler*innen gemeinsam zu forschen und sich auszutauschen. Dafür stellt die Akademie ein eigenes Budget zur Verfügung.

Aufgabe der Jungen Akademie ist es, den Diskurs zwischen herausragenden Nachwuchswissenschaftler*innen zu stärken und Initiativen zu fördern, die Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft verbinden. Sie ernennt jährlich zehn neue Mitglieder und verabschiedet die gleiche Anzahl Personen nach fünfjähriger Zugehörigkeit in den Kreis der Alumni. Während ihrer Mitgliedschaft veranstalten die Angehörigen der Akademie zum Beispiel gemeinsame Workshops, Symposien und Podiumsdiskussionen, forschen gemeinsam und veröffentlichen ihre Ergebnisse.

Siedenburg forscht am Department für Medizinische Physik und Akustik der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften und leitet die Gruppe „Musikwahrnehmung und -verarbeitung“. Er will Menschen mit Höreinschränkungen einen besseren Musikgenuss verschaffen. Gefördert wird der Hörforscher dabei seit 2019 mit dem renommierten Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung. Diese Förderung unterstützt Nachwuchswissenschaftler*innen mit herausragender Expertise, die bei ihrer Forschung über Fächergrenzen hinweggehen. Zuvor studierte Siedenburg an der Berliner Humboldt-Universität und der University of California, Berkeley (USA) Mathematik und Musik. Bereits in seiner Diplomarbeit in Mathematik spezialisierte er sich auf das Thema Signalverarbeitung. Anschließend promovierte er an der McGill University in Montréal (Kanada) in Musiktechnologie über die Wahrnehmung musikalischer Klangfarben

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[Text/Bild: Pressemitteilung der Universität Oldenburg vom 07.06.2022]

27.05.2022 - Erneuter Erfolg für Oldenburger Hörforschung:
Sonderforschungsbereich der Universität erhält Förderung für weitere vier Jahre

Oldenburg. Intelligente Hörgeräte, die sich individuell an ihre Nutzerinnen und Nutzer anpassen: An diesem Ziel arbeiten Forschende des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Hörakustik“ seit vier Jahren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dem Vorhaben nun erneut Mittel bewilligt: Bis zu 8,1 Millionen Euro erhält das vom Oldenburger Hörforscher Prof. Dr. Volker Hohmann geleitete Vorhaben von 2022 bis 2026 für die zweite Phase. Der SFB mit dem offiziellen Titel „Hörakustik: Perzeptive Prinzipien, Algorithmen und Anwendungen“ (HAPPAA) arbeitet an Hörgeräten und Hörassistenzsystemen, die sich mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) selbstständig an unterschiedliche Umgebungen anpassen und sich dabei immer besser auf die individuellen Nutzerinnen und Nutzer einstellen. An dem Großprojekt, dessen Gesamtlaufzeit auf zwölf Jahre angelegt ist, sind neben der Universität Oldenburg mit der Jade Hochschule, dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT, der Hörzentrum Oldenburg gGmbH, der RWTH Aachen und der TU München weitere führende Einrichtungen aus der Hörforschung beteiligt.

„In unserer alternden Gesellschaft wird es immer drängender, Hörgeräte und andere Kommunikationshilfen zu entwickeln, die auch in schwierigen akustischen Umgebungen funktionieren und im täglichen Leben wirklich weiterhelfen. Die Oldenburger Hörforschung leistet hervorragende Arbeit und ist national wie international hoch anerkannt. Die erneute Förderzusage der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstreicht dies eindrucksvoll“, erklärt Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder.

Der Sonderforschungsbereich „Hörakustik“ verbindet verschiedene Disziplinen, insbesondere Akustik, Psychoakustik, Audiologie, Ingenieurswissenschaften und physikalische Modellierung. In der ersten Förderperiode stand die Wechselbeziehung zwischen Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen und ihrer akustischen Umgebung im Fokus. „In der Realität verändert sich eine Hörsituation ständig, weil Menschen auf Stimmen und Geräusche reagieren. Sie wenden zum Beispiel ihren Kopf zur Schallquelle oder bewegen ihre Augen. Wir bezeichnen das als ‚akustische Kommunikationsschleife‘“, erläutert Hohmann. In der Hörakustik sei dies zuvor kaum berücksichtigt worden.

Dem Team ist es in den vergangenen Jahren gelungen, das Hörgerät in diese Kommunikationsschleife einzubeziehen. „Wir haben eine erste Version des sogenannten ‚immersiven Hörgeräts‘ entwickelt. Es überprüft laufend die aktuelle Hörsituation und schätzt ab, auf welche Schallquelle eine Versuchsperson gerade ihre Aufmerksamkeit richtet“, sagt Hohmann. Das Gerät misst Blickrichtung und Kopfbewegung und passt daraufhin die Signalverarbeitung so an, dass diese Schallquelle für die Versuchsperson optimal zu hören ist. Der bisherige Prototyp ist nicht nur im Labor, sondern auch in Feldversuchen einsetzbar.

Grundlage für diesen Erfolg waren unter anderem neue Wahrnehmungsmodelle, die das Forschungsteam für verschiedene Anwendungsfälle entwickelte. „Diese Modelle sagen vorher, wie Probandinnen und Probanden ein Schallsignal wahrnehmen, ob sie etwa einem Gespräch in einer lauten Umgebung folgen können oder nicht“, erläutert Hohmann. Das Hören mit und ohne Hörverlust in verschiedenen Hörsituationen mit Störgeräuschen und Nachhall zu simulieren, sei essentiell, um neuartige Verfahren für die Signalverarbeitung in Hörhilfen entwickeln und bewerten zu können, so der Forscher.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der ersten Förderperiode ist das sogenannte „Hearpiece“. Dabei handelt es sich um einen speziellen, besonders hochwertigen Ohrhörer für die Forschung: Dank mehrerer Mikrofone und Lautsprecher kann das im Ohr platzierte Gerät Schall genau wie ein Hörgerät verstärken. Die Forschenden nutzen es, um zum Beispiel neue Algorithmen für die Signalverarbeitung direkt im Ohr zu testen. Das Besondere dabei: Das Hearpiece ist akustisch transparent – das Hören mit dem Gerät entspricht also dem normalen Hören mit offenem Ohr. „Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit im SFB konnten wir Methoden der Akustik und der Signalverarbeitung verbinden und haben dadurch große Fortschritte gemacht“, erläutert Hohmann.

Das Team entwickelte zudem eine interaktive, audiovisuelle virtuelle Realität im Labor, um Hörversuche mit Versuchspersonen unter kontrollierten Bedingungen durchführen zu können – in realistischeren Situationen, als dies bisher möglich war. Dazu wurden mehrere komplexe audiovisuelle Szenen geschaffen, in die Versuchspersonen gewissermaßen eintauchen können, etwa eine virtuelle Gaststätte, ein U-Bahnhof oder ein Wohnzimmer. Die Szenen mitsamt den zugehörigen Daten stehen Forschungslabors weltweit für Hörversuche zur freien Verfügung.

In der nun beginnenden zweiten Förderperiode will das SFB-Team die Wahrnehmungsmodelle, Algorithmen und Anwendungen weiterentwickeln und zusammenführen. Ein Ziel ist es, für das Hearpiece und das immersive Hörgerät Algorithmen zur aktiven Geräuschkontrolle zu entwickeln, die von der jeweiligen akustischen Szene abhängen. Dabei greifen die Forschenden auf neueste, selbst entwickelte KI-Verfahren zurück. Langfristiges Ziel ist es, dass jedes Hörgerät ständig dazulernt und immer besser vorhersieht, welche Einstellung für die jeweilige Nutzer*in in einer bestimmten Situation optimal ist. Das notwendige Feedback sollen die Schwerhörenden über ihr Smartphone selbst eingeben können. „Bis wir am Ziel sind, werden wir allerdings noch viel Arbeit investieren müssen“, sagt Hohmann.

Das Team arbeitet außerdem daran, internationale Standards für komplexe akustische Szenen in der Hörforschung und Audiologie zu etablieren, um einen besseren Austausch zwischen Laboren zu ermöglichen. Daneben sollen im SFB neue hörakustische Tests in virtuellen Umgebungen entstehen, mit deren Hilfe sich individuelle Wahrnehmungsunterschiede ermitteln lassen. So soll es möglich werden, Diagnostik und Hörgeräte-Rehabilitation so individuell wie möglich zu gestalten.

Der Sonderforschungsbereich ergänzt die Forschung des Exzellenzclusters Hearing4all, das ebenfalls unter Oldenburger Leitung arbeitet. Zudem fördert er mit einem integrierten Graduiertenkolleg aktiv Promotionsprojekte junger Wissenschaftler*innen.

[Text: Pressemitteilung der Universität Oldenburg vom 27. Mai 2022]

28.04.2022 - Zukunftstag für Mädchen und Jungen: Experimente rund ums Hören

Der „Zukunftstag für Mädchen und Jungen in Niedersachsen“ existiert seit 2005 und ist an das Konzept des bundesweiten „Girls‘ day” bzw. „Boys‘ day” angelehnt. Er dient dazu Mädchen und Jungen „geschlechteruntypische“ Berufe erkunden zu lassen.

Der SFB 1330 und das Department für Medizinische Physik und Akustik beteiligen sich am diesjährigen Zukunftstag mit mehreren Abgeboten zum Thema „Experimente rund ums Hören: Vom Smartphone über virtuelle Realität zum Gehirn”. Zielgruppe sind Mädchen und Jungen der 5./6. bzw. 8./9. Klasse.

Weitere Infos unter: uol.de/zukunftstag

12.04.2022 - Wiebke Middelberg für ARD/ZDF-Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ 2022 nominiert

Eine außergewöhnliche Masterarbeit zahlt sich aus. Für ihre bereits mit dem DEGA-Studienpreis prämierte Masterarbeit „GSC-based noise and interferer reduction for binaural hearing aids exploiting external microphones“ wurde die Doktorandin Wiebke Middelberg Ende März 2022 für den ARD/ZDF-Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ nominiert.

Frau Middelberg ist eine von zehn Personen, deren Abschlussarbeiten in einer letzten Juryrunde Ende Mai um einen der drei mit insgesamt 10.000 € dotierten Preise konkurrieren. Sie ist zugleich die erste Person aus der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die in der vierzehnjährigen Förderpreisgeschichte eine Nominierung für den Preis erhalten hat.

Die Preisverleihung des ARD/ZDF-Förderpreises findet am 21. Juni 2022 um 14:30 Uhr im Rahmen des Global Media Forums im World Conference Center Bonn statt.

Weitere Infos:

22.03.2022 - DEGA-Studienpreis für Wiebke Middelberg

M.Sc. Wiebke Middelberg, Doktorandin in der Abteilung Signalverarbeitung von Prof. Dr. Simon Doclo, hat für ihre Masterarbeit am 22.03.2022 auf der DAGA-Tagung den Studienpreis der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) bekommen.

In ihrer im Rahmen des SFB 1330 Hörakustik entstandenen Masterarbeit mit dem Titel „GSC-based noise and interferer reduction for binaural hearing aids exploiting external microphones“ erforschte Frau Middelberg die Möglichkeiten zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit in Hörgeräten, indem sie externe Mikrophone zur Reduzierung von Störgeräuschen und konkurrierenden Sprechern mitnutzte.

Für weitere Informationen siehe:

03.03.2022 - Hörgeräte: Eine Herausforderung für die Forschung

Ein kleiner Einblick in die Arbeit im Gesture Lab an der Universität Oldenburg anläßlich des Tags des Hörens

NDR, Hallo Niedersachsen, gesendet 03.03.2022, 19:30 Uhr

28.01.2022 - Gesichtsmaske: Das Lippenlesen fehlt allen

Schlechte Sprachverständlichkeit hat vornehmlich visuelle Gründe

Oldenburg. Dass wir unser Gegenüber schlechter verstehen, wenn es eine Gesichtsmaske trägt, liegt in erster Linie daran, dass wir ihm nicht auf den Mund schauen können. Das haben Hörforscherinnen und Hörforscher der Universitätsmedizin Oldenburg herausgefunden. Sie zeigen damit: Nicht nur Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen, sondern auch ein Großteil der anderen profitiert im Alltag unbewusst vom Lippenlesen. Haben sie diese Möglichkeit nicht, sinkt das Sprachverstehen deutlich. Das Ergebnis der Studie „How Face Masks Interfere with Speech Understanding of Normal-Hearing Individuals: Vision Makes the Difference” präsentiert das interdisziplinäre Forschungsteam jetzt im Fachmagazin Otology & Neurotology. Das Team besteht aus Forschenden des Departments für Medizinische Physik und Akustik sowie der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Um herauszufinden, wie sich das Tragen von Stoff- und medizinischen Masken auf das Verstehen von Sprache auswirkt, hatten die Forschenden ihren Probandinnen und Probanden mehrere Sätze vorgespielt. Mal hörten sie nur den Ton, dann sahen sie dazu auch das Video der Sprecherin. Im weiteren Versuchsverlauf war der Mund der Sprecherin von einer virtuellen Maske bedeckt. Dazu hörten die Versuchspersonen entweder den Originalton oder einen mit akustischer Dämpfung, wie sie für die beiden untersuchten Maskentypen typisch ist.

In allen Szenarien maßen die Forschenden, wie gut die Teilnehmenden die vorgespielten Sätze in einer Situation mit Nebengeräuschen verstehen konnten. Das Ergebnis: Trotz gleicher Tonqualität sank das Sprachverstehen umgerechnet um etwa ein Drittel, wenn der Mund der Sprecherin hinter der virtuellen Maske versteckt war. Genauso stark verminderte sich das Sprachverstehen, wenn die Teilnehmenden die Sprecherin gar nicht sehen konnten.

Die Untersuchungen zeigen, dass sich die visuellen Einschränkungen stärker auswirkten als die akustische Dämpfung durch die Masken. Dabei verschlechterte die Stoffmaske die Verständlichkeit wiederum etwas stärker als die medizinische Maske. Aktuell führt das Team Messungen mit FFP2-Masken durch.

Originalveröffentlichung: Rasmus Sönnichsen, Gerard Llorach Tó, Sabine Hochmuth, Volker Hohmann, Andreas Radeloff: „How Face Masks Interfere with Speech Understanding of Normal-Hearing Individuals: Vision Makes the Difference“, Otology & Neurotology (2022), doi.org/10.1097/MAO.0000000000003458

Text: Pressemittelung 017/22 der Universität Oldenburg, Bereich Forschung, 28. 01.2022

Weitere Infos:

  • uol.de/medizin
  • Kontakt: Prof. Dr. Andreas Radeloff, E-Mail:
(Stand: 07.12.2022)