Erfahrungsberichte aus dem FWJ in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Erfahrungsberichte aus dem FWJ in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Hier berichten Teilnehmende des Freiwilligen Wissenschaftlichen Jahres (FWJ) von ihren Erfahrungen in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uni Oldenburg.
Mila Hoffmann, FWJ 2025/2026
Mein FWJ in der Kinderklinik in drei Worten:
- spannend
- abwechslungsreich
- herausfordernd
In der Oberstufe habe ich mich dazu entschieden, Medizin studieren zu wollen. Durch eine Bekannte erfuhr ich von der Möglichkeit eines Freiwilligen Wissenschaftlichen Jahres, welches sie vor dem Beginn ihres Medizinstudiums absolviert hatte und sich ebenfalls positiv anrechnen ließ. Für mich zeigte sich dies als eine gute Möglichkeit, Sicherheit in dem Berufswunsch zu bekommen und bereits so viel wie möglich aus der Medizin mitzunehmen.
Mein Platz ist im Krankenhaus in der Kinderklinik. Hier kann ich sowohl auf verschiedenen Stationen, als auch im OP oder im Labor hospitieren. Das schöne hier sind die Abwechslung und die Möglichkeit, sich mehrere Bereiche ansehen zu dürfen. Wir werden hier sehr ermutigt und unterstützt, verschiedenste Perspektiven des Berufs zu erhalten und selbst mitzubestimmen, in welche Richtung wir uns bewegen möchten. Auch werden wir zu Veranstaltungen eingeladen und mitgenommen, in der sich viele verschiedene Vertreter von interdisziplinären Arbeitsgruppen austauschen. Hier erfährt man hautnah, was es heißt, wissenschaftlich zu arbeiten.
Neben dem theoretischen Teil dürfen wir zum Beispiel auch an der Probengenerierung im Labor teilnehmen oder sind ein fester Teil der Nachsorgesprechstunde für Kinder, die unter einem Risikofaktor zur Welt gekommen sind, zum Beispiel Frühgeburtlichkeit. Nach Entlassung aus dem stationären Aufenthalt stellen sich die Eltern mit ihren Kindern bei uns in der Sprechstunde vor, die Kinder sind also meistens noch sehr klein. Wir als FWJler*innen sind hier vielseitig eingebunden, halten fest, was in der Sprechstunde passiert und dürfen auch bei Teilen von Untersuchungen assistieren.
Prozesse werden schnell selbstständiger, und man selbst auch. Zu Beginn meines FWJs habe ich mir eben nicht nur theoretisches Wissen gewünscht, sondern auch eine persönliche Entwicklung und Verantwortung übernehmen zu dürfen, das habe ich hier auf jeden Fall erfüllt bekommen.
Dieses Jahr waren wir erstmalig zwei FWJlerinnen in der Kinderklinik, das war sehr schön, weil man erste Erfahrungen zusammen machen konnte. Trotzdem war es hier auch wichtig, Aufgaben für sich allein zu bekommen, Projekte die man selber auf die Beine stellen musste und sich dafür verantwortlich fühlen konnte. Für mich war das zum Beispiel die Einführung einer speziellen Hörtestung in der Kinderklinik, für die ich im Evangelischen Krankenhaus hospitieren durfte und die Testung hier nun durchführen kann. Sowas kann am Anfang schwer sein, fühlt sich aber umso besser an, wenn man es selbstständig geschafft hat, meistens traut man sich selber einfach noch nicht genug zu. Und auch wenn man Hilfe braucht, ist das in Ordnung. Ich habe hier auch gelernt, dass Fragen zu stellen wichtig ist und auch ein "Nicht-Wissen" wichtig zur Optimierung von Prozessen sein kann.
Besonders hervorzuheben ist außerdem das Team dieser FWJ Stelle. Alle hier sind extrem offen und zuvorkommend, ich fühle mich hier nützlich und in meinen Aufgaben und Wünschen ernst genommen und bekomme viel Vertrauen, Unterstützung und Geduld entgegengebracht, auch in einem sehr stressigen Arbeitsalltag. Auch damit muss man hier lernen umzugehen, ist aber für das Berufsfeld realistisch. Außerdem habe ich dadurch gelernt, mit stressigen Situationen besser umzugehen und mich schneller und besser zu organisieren, eine Fähigkeit, die auch im späteren Leben, vor allem im Studium, sehr wichtig sein kann. In Hinblick auf das Studium habe ich hier viele Perspektiven gesehen und gehört, durch Kontakt zu Ärzten, Schwestern, etc., aber auch zu Medizinstudierenden, und konnte mir so auch hier ein besseres Bild von dem machen, was auf einen zukommt. Ich habe auch die Möglichkeit, an Vorlesungen teilzunehmen oder an Projekten für oder von Studierenden im Krankenhaus, z.B. am Unterricht am Krankenbett oder am Teddybär-Krankenhaus.
Abschließend kann ich sagen, dass dieses Jahr auch eine unheimlich motivierende Wirkung auf mich hatte. Ich konnte Einblicke in das Berufsfeld gewinnen, besondere Situationen miterleben und habe Ratschläge bekommen, die mich vermutlich noch sehr lange begleiten und unterstützen werden und an die ich mich positiv erinnern werde, genauso an die Kontakte, die man hier geknüpft hat. Ich habe nun das Gefühl, nicht blind in ein Studium zu starten, sondern mit einer Menge an Wissen und einer Idee, wie ich später arbeiten möchte, und diese ist jetzt durch das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr viel konkreter und vor allen Dingen, realistischer geworden.
Allen die ein FWJ machen möchten, empfehle ich diese Stelle sehr. Zwischen Kaiserschnitten, Erstversorgungen, dem Austausch mit Eltern oder Symposien in Groningen oder Mannheim, lernt man hier auch sehr viel über sich selbst, lernt Grenzen kennen oder, noch viel mehr, lernt täglich über diese hinauszuwachsen. Wichtig ist, Fragen zu stellen wo Fragen sind, nur so versteht man wirklich Schritt für Schritt was hinter den Abläufen steckt, jeder macht Fehler und niemand erwartet von einem, bereits alles zu wissen. Das alles ist ein Prozess, genau wie wissenschaftliche Arbeit :) Wichtig ist es auch, Spaß zu haben, und davon hat man hier mit dem Team mehr als genug!
Nina Kurandt, FWJ 2021/2022
Hallo, mein Name ist Nina und ich absolviere seit dem 01. September 2021 ein 12-monatiges FWJ in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin.
Warum hast du dich dazu entschieden, ein FWJ zu machen?
Nach der Schule war ich mir nicht sicher, ob ich Medizin oder Biomedizin studieren möchte – Labor oder Krankenhaus, PatientInnen oder Zellkulturen. Um die Abläufe und die Arbeit im Krankenhaus kennenzulernen sowie Einblick in die Tätigkeit der ÄrztInnen zu bekommen, eignet sich das FWJ in der Kinderklinik prima. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit sowohl den ÄrztInnen als auch den KinderkrankenpflegerInnen kommt man mit beiden Berufen und ihren Arbeitsalltagen in Berührung, kann hinter die Kulissen von Ambulanz und Station schauen und erfährt nebenbei auch viel über die Organisationsabläufe im Krankenhaus.
Was sind deine Aufgabenbereiche?
Eingesetzt bin ich in der pädiatrischen Pneumologie und Allergologie sowie in der Neonatologie. Im Fokus meiner Arbeit steht dabei die „PAPI-Studie“ (Pediatric Airway Pathogen Incidenc Study), eine Studie zu schweren Infektionen mit RSV und anderen respiratorischen Viren im Säuglings- und Kleinkindalter. Unsere pneumologische und allergologische Station ist meist voll besetzt mit PatientInnen, davon viele mit Atemwegsinfektionen. Aber nicht nur diese eine Station betreut Kinder, die sich für die Studie eignen – im Rahmen der Patientenrekrutierung war ich auch schon bei PatientInnen auf der onkologischen Station sowie unserer pädiatrischen Intensivstation. Im Fall einer Atemwegsinfektion mit Erfüllung der Einschlusskriterien spreche ich mit den Eltern und erkläre ihnen Inhalte und Ziele der PAPI-Studie. Wenn sie einwilligen, ihre Kinder in die PAPI-Studie einzuschließen, gehe ich gemeinsam mit den Eltern einen Fragebogen zur Anamnese, Krankheitsgeschichte und Maßnahmen im Rahmen der aktuellen Infektionen durch. Anschließend pseudonymisiere ich die Daten der Kinder und erhebe wichtige Informationen mithilfe der digitalen Krankenakte, die in ein Register eingetragen werden. Aus dem Labor unseres Klinikums bekomme ich die nasopharyngealen Abstriche der PatientInnen zugeschickt, welche in unserer Kindernotaufnahme abgenommen werden. Diese verschicke ich in ein externes Labor nach Freiburg, wo eine Multiplex-PCR durchgeführt wird und wir häufig auf zusätzliche Viren und Mischinfektionen in den Abstrichen aufmerksam werden. Zwei sowie vier Wochen nach der Entlassung telefoniere ich mit den Eltern der RSV-positiven Kinder, um den weiteren Krankheitsverlauf zu erfassen. Zu den Aufgaben im Rahmen der PAPI-Studie gehört zudem noch ein Austausch mit dem Studienzentrum im Hannover und eine regelmäßige Dateneingabe. Da die RSV-Saison im Herbst 2021 sehr stark ausgefallen ist, hatte ich mit der PAPI-Studie alle Hände voll zu tun und konnte eine Vielzahl an PatientInnen einschließen und die unterschiedlichsten Krankheitsgeschichten und Infektionsverläufe miterleben.
Des Weiteren kümmere ich mich um eine Covid-Datenerhebung, das Anaphylaxie-Register, sammle Daten von CF-PatientInnen und hatte die Möglichkeit, bei der Dateneingabe einer Studie auf der neonatologischen Intensivstation auszuhelfen.
Zudem habe ich nebenbei auch die Möglichkeit, andere Stationen, Ambulanzen und Bereiche in der Kinderklinik kennenzulernen, helfe beispielsweise bei organisatorischen Aufgaben auf der Neugeborenenstation und darf Angebote der Uni, einen Englischkurs sowie eine Anatomievorlesung, besuchen. Ich durfte bereits zwei Dienstreisen tätigen, im urologischen, herzchirurgischen und kinderchirurgischen OP hospitieren sowie bei Online-Vorträgen des Klinikums zuhören.
Was glaubst du, bringt dir dieses Jahr?
Ganz viel! Neben dem medizinischen Wissen, was ich mir aneignen kann, dem Einblick in die vielen Bereiche, Stationen und Ambulanzen des Krankenhauses und den Angeboten der Universität, die ich wahrnehmen darf, hilft dieses Jahr bei der persönlichen Weiterentwicklung. Zeitmanagement, Eigenverantwortung, soziale Kompetenzen und Kommunikation sind einige der Fähigkeiten, die bei der Arbeit wichtig sind und die man jeden Tag lernt und übt.
Was hast du bisher in deinem Freiwilligendienst gelernt?
Unglaublich viel! Dank der Studie durfte ich bereits viel über Krankheitsbilder mit ihren Symptomen und Verläufen lernen. Da ich in diesem Zusammenhang beispielsweise auch die Werte von Blutbildern und Blutgasanalysen erhebe, mich über die medizinische Vorgeschichte der Patienten informiere und eine Vielzahl an viralen Erregern kennenlerne, bekomme ich einen sehr vielfältigen Einblick in unterschiedliche Bereiche der Medizin. Des Weiteren durfte ich bereits an vielen Konferenzen teilnehmen, so zum Beispiel einer Online-Anaphylaxieschulung, Vorträgen zu allergologischen Themen und einem zweitägigen Online-Seminar für zukünftige Medizinerinnen und Mediziner, organisiert von der ZEIT. Mit dem Universitätsaccount hat man ebenso Zugriff auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Paper zu den unterschiedlichsten Fachbereichen, Fallbeispielen und Krankheitsbilder. Und wann immer beim Lesen oder bezüglich PatientInnen Fragen aufkommen, werden einem diese von den ÄrztInnen gerne erklärt!
Was war dein Highlight im FWJ?
Auf ein einziges Highlight kann ich mich nicht festlegen. Die Endoskopien, die Anatomievorlesungen, die Konferenzen, die pneumologischen und allergologischen oder neuropädiatrischen Sprechstunden, die Visiten der pädiatrischen Intensivstation und das Sehen einer Patientin mit Omphalozele auf der Neugeborenen-Intensivstation waren alles interessante Erlebnisse.
Ein täglich wiederkehrendes Highlight ist aber meine Arbeitsgruppe und die netten MirarbeiterInnen der Kinderklinik. Der persönliche Umgang ist sehr freundlich und ich habe KollegInnen, an die ich mich jederzeit wenden kann und die mir viele spannende Einblicke in den Krankenhausalltag und die Medizin ermöglichen.
Wieso machst du deinen Freiwilligendienst ausgerechnet an der Uni Oldenburg?
Ein Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr in diesem Rahmen wird nur in Hannover und Oldenburg angeboten. Das deutsche Krebsforschungszentrum bietet in Heidelberg und Mannheim ähnliche Bundesfreiwilligendienste im medizinischen Bereich an, welche aber nicht so nah an der Forschung und an der Arbeit im Krankenhaus orientiert sind. Zudem war die Öffentlichkeitsarbeit in Oldenburg sehr gut – eine informative Website mit allen wichtigen Daten, spannende Erfahrungsberichte von den Freiwilligen der vergangenen Jahre und eine Online-Infoveranstaltung mit den aktuellen FWJleInnen, die von ihren Tätigkeiten und Arbeitsalltagen berichten.
Was die Wohnungssuche und meinen Umzug nach Oldenburg unglaublich erleichtert hat, ist das Angebot des Klinikums, dass ich ein Zimmer im Schwesternwohnheim bekomme, welches in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik liegt. Dort wohne ich mit Menschen zusammen, die zum Großteil eine Pflegeausbildung im Klinikum machen.
Was würdest du zukünftigen Freiwilligen mit auf den Weg geben?
Nehmt euch ruhig ein Jahr nach der Schule, bevor ihr ins Studium startet, vor allem, wenn ihr euch noch nicht sicher seid, wohin euer Weg gehen soll! Ich bin mir dank der Arbeit in der Kinderklinik meines Studienwunsches sicher geworden und habe schon vieles gelernt und vor allem gesehen, was mich nicht nur bei der Entscheidung unterstützt hat, sondern auch während des Studiums wertvoll und hilfreich sein wird. Das FWJ hat mich schon in sehr vielen Hinsichten bereichert, ich würde mich immer wieder dafür entscheiden.
Ein Interview mit Nina Kurandt und ihren beiden FWJ-Praxisanleitungen Prof. Dr. Axel Heep und Dr. Holger Köster ist hier zu finden.