Kontakt

Presse & Kommunikation

+49 (0) 441 798-5446

Mehr

Artikel: Hervorragende Studierende aus aller Welt

Kontakt

Prof. Dr. Martin Butler

Institut für Anglistik und Amerikanistik

Dr. Lydia Potts

  • Seit 2011 koordiniert die Universität Oldenburg den Erasmus Mundus Studiengang EMMIR. Im kommenden Wintersemester beginnen vier weitere Jahrgänge. So wie die achte Kohorte, die im Jahr 2018 startete, werden die Studierenden aus aller Welt ihr Studium in Oldenburg beginnen, es in Norwegen fortsetzen und dann zwei Semester in Slowenien, der Tschechischen Republik, Uganda, Südafrika, Sudan oder Indien verbringen - auch mit der Option, nach Oldenburg zurück zu kommen. Foto: Gabriella Mikiewicz

Gelebte interkulturelle Beziehungen

Seit 2011 bildet der vom europäischen Exzellenzprogramm Erasmus Mundus geförderte Studiengang EMMIR, European Master in Migration and Intercultural Relations, Studierende aus aller Welt aus. Hier berichten vier Alumni von ihren Erfahrungen. 

Seit 2011 bildet der vom europäischen Exzellenzprogramm Erasmus Mundus geförderte Studiengang EMMIR, European Master in Migration and Intercultural Relations, Studierende aus aller Welt aus.

Der in Oldenburg koordinierte Masterstudiengang vermittelt disziplinenübergreifend Theorien, Konzepte und Methoden der Migrationsforschung und ermöglicht es den Studierenden zudem, praktische Erfahrungen zu sammeln. Neben der Universität Oldenburg sind vier europäische, drei afrikanischen und zwei indische Partnerinstitutionen beteiligt. Die Teilnehmenden eines Jahrgangs verbringen das erste Semester gemeinsam in Oldenburg, das zweite an der Universität Stavanger (Norwegen). Anschließend wählen die Studierenden individuell ein Modul an einer der neun beteiligten Institutionen. Die Masterarbeit in einem frei gewählten Partnerland im vierten Semester bildet den Abschluss. Hier berichten vier Alumni von ihren Erfahrungen. 

Gabriela Yanez Atiencia

„In Ecuador, wo ich herkomme, gibt es viele Migranten und Geflüchtete. Als ich klein war, wanderten meine Tanten und Onkel wegen der Wirtschaftskrise im Jahr 2000 aus – nach Italien oder Spanien. Das hat mich beunruhigt, vorher war unsere Familie immer zusammen gewesen. Heute bin ich Anthropologin und beschäftige mich immer noch mit Mobilität. Das EMMIR-Curriculum hat mich wegen der verschiedenartigen und unkonventionellen Forschungsansätze sofort angesprochen. Das Studium hat mir auch wertvolle Einblicke in kunstbasierte Forschung ermöglicht – also wie Kunst und Wissenschaft verschmelzen können, um die Sozialwissenschaften weiterzubringen. Dank EMMIR habe ich Freunde aus aller Welt – unsere Diskussionen waren gelebte interkulturelle Beziehungen. Ich habe gelernt, aufmerksamer und geduldiger zu sein und nicht vorschnell zu urteilen. Um politisch etwas erreichen zu können, ist es heute wichtiger denn je, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, einen Dialog zu schaffen und Polarisierung zu vermeiden.“

 

Daniel Braga Nascimento

„Ich habe mich für das Thema Migration entschieden, weil es ein interdisziplinäres Gebiet ist. Eigentlich bin ich Jurist. EMMIR hat es mir ermöglicht, mich auch in Debatten über Soziologie, Psychologie, internationale Beziehungen, Anthropologie oder Geschichte zurechtzufinden. Dies hilft mir, zu verstehen, warum Menschen überhaupt migrieren und wie Staaten ihre Ziele verfolgen, etwa wenn sie ihre Grenzen öffnen oder schließen. Und ich habe einen Eindruck davon erhalten, wie die Migrationswissenschaften Diskurse prägen und politische Entscheidungsfindungen beeinflussen. Durch EMMIR hatte ich die Möglichkeit, während der zwei Jahre des Programms in vier verschiedenen Ländern zu studieren. Es gibt keinen anderen Studiengang im Bereich der Migrationsstudien mit so viel Mobilität und so vielen Möglichkeiten, sich zu vernetzen und sich während des Masters in verschiedene Projekte einzubringen. Migration braucht evidenzbasierte Lösungen und muss im Einklang mit internationalen Menschenrechtsnormen und -verträgen stehen. Dies beides sind die Herausforderungen unserer Zeit.“

Anne-Kathrin Schulz

„Mit dem Thema Migration habe ich mich zum ersten Mal 2015/16 während der sogenannten Migrationskrise konfrontiert gesehen. Mir ist es sauer aufgestoßen, wie in den Medien berichtet wurde. Als ich im Bachelorstudium – ich hatte in Oldenburg auf Lehramt studiert – in Südafrika war, habe ich entschieden, das Interkulturelle mehr in mein Studium zu integrieren. Da hat mich EMMIR als internationaler Masterstudiengang natürlich gereizt. Es war sehr inspirierend, zwei Jahre lang zusammen mit 30 Leuten mit verschiedenen Hintergründen zu studieren. Man lernt unglaublich viel voneinander und über sich selbst – hinterfragt die eigene Position, das eigene Denken. Migranten sind, und das ist ein universales Phänomen, oft von der Gesellschaft, in der sie leben, ausgeschlossen. Der Zugang zu Bildung, zu Gesundheit ist erschwert. Das sind wirklich grundlegende Dinge. Ich denke, es ist wichtig anzuerkennen, dass die meisten Zugewanderten besonderer Unterstützung bedürfen. Mit meinem Wissen und meiner Auslandserfahrung möchte ich dazu einen Beitrag leisten.”

Oliver Wedemeyer

„Ich habe es oft erlebt, dass Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ungleich behandelt werden –
das hat mich umgetrieben. Nach meinem Bachelor in Sozial- und Erziehungswissenschaften habe ich zunächst mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen gearbeitet. EMMIR hat mich auch wegen der Multinationalität angesprochen. Den Gedanken, von Lehrenden und Studierenden unterschiedlicher Nationalität und sozialer Herkunft zu lernen, fand ich spannend. Viele EMMIR-Studierende bringen sich aktiv in die Gesellschaft ein, was unsere Diskussionen sehr befruchtet hat. Bei meinem Praktikum im Irak habe ich jesidische Geflüchtete kennengelernt, die ihre Situation als Binnengeflüchtete in Gedichten verarbeitet haben. Diese Menschen haben mich sehr inspiriert. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass unsere Gesellschaft auch Migrationsprozesse stärker wahrnimmt, die sonst nicht sichtbar sind – zum Beispiel die rund 4,2 Millionen Binnenvertriebenen im Jemen. Und dass der Staat die Ungleichheit, mit der er unterschiedliche Gruppen von Geflüchteten behandelt, verringert.“

(Stand: 23.05.2022)