Kontakt

Presse & Kommunikation

+49 (0) 441 798-5446

Mehr

Arbeitsgruppe Organische Geochemie

Contact

Dr. Barbara Scholz-Böttcher

Institut für Chemie und Biologie des Meeres

+49 441 798-5362

  • Eine Welle mit Schaumkrone aus der Nähe.

    Bei stürmischem Wetter können Mikroplastikteilchen über die Gischt aus dem Meer in die Luft gelangen. Hier: Auf der Ausfahrt des Forschungsschiffs Heincke vor der norwegischen Küste im Juni 2021. Foto: Alvise Vianello

Wie Mikroplastik in die Meeresluft kommt

Winzige Plastikteilchen sind selbst fernab von Küsten in der Meeresluft zu finden, so das Ergebnis einer Studie, die kürzlich im Fachjournal Nature Communications erschienen ist. Das Mikroplastik stammt aus teils unerwarteten Quellen.

Winzige Plastikteilchen sind selbst fernab von Küsten in der Meeresluft zu finden, so das Ergebnis einer Studie, die kürzlich im Fachjournal Nature Communications erschienen ist. Das Mikroplastik stammt aus teils unerwarteten Quellen.

Die Meeresluft enthält selbst in entlegenen Teilen der Welt Mikroplastikteilchen. Die winzigen Kunststoffpartikel stammen nicht nur von Quellen an Land, sondern gelangen auch über das Meerwasser in die Atmosphäre. Das ermittelten deutsche und norwegische Forschende unter Leitung von Dr. Barbara Scholz-Böttcher von der Universität Oldenburg. Für ihre Studie analysierten sie Luftproben, die sie entlang der norwegischen Küste bis in die Arktis genommen hatten. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachjournal Nature Communications publiziert.

„Mit unserer Studie präsentieren wir erstmals Daten dazu, wie hoch die Masse verschiedener Plastiksorten in der Meeresluft ist“, so Isabel Goßmann, Doktorandin am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg und Erstautorin. Das Forschungsteam sammelte die Proben 2021 während einer Exkursion des Forschungsschiffs Heincke. Der nördlichste Punkt der Fahrt war die Bäreninsel, die südlichste Insel des Svalbard-Archipels, die auf halbem Weg zwischen dem Festland und der Hauptinsel Spitzbergen liegt. Das Team verwendete zwei unterschiedliche Vorrichtungen, um Luftproben zu sammeln. Die Geräte saugten aktiv Luft an und waren in zwölf Metern Höhe am Bug des Forschungsschiffs montiert.

Unterschiedliche Kunststoffe identifiziert

Diese Luftproben analysierten die Forschenden mit Hilfe der Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie. Dieses Verfahren ermöglicht es, die verschiedenen Kunststoffsorten durch thermische Spaltung und selektive Analyse nachzuweisen und zu quantifizieren. Anschließend führte das Team Modellrechnungen durch und rekonstruierte so Quellen und Verbreitungswege der nur wenige Tausendstel Millimeter großen Teilchen.

Das Ergebnis: In allen Proben tauchten Mikroplastikteilchen aus Polyester auf, außerdem Polyethylenterephthalate (PET), die vermutlich als Textilfasern in die Atmosphäre gelangt waren. Auch weitere Kunststoffe ließen sich nachweisen, unter anderem Polypropylen (PP), Polycarbonat und Polystyrol. Eine weitere wichtige Quelle stellte Reifenabrieb dar, also kleine Gummipartikel, die sich bei der Fahrt und vor allem beim Bremsen von Autoreifen ablösen. Die Forschenden ermittelten Konzentrationen von bis zu 37,5 Nanogramm – also Milliardstel Gramm – Mikroplastik pro Kubikmeter Luft. „Diese Schadstoffe sind omnipräsent. Wir finden sie selbst in abgelegenen polaren Regionen“, sagt Hauptautorin Goßmann.

Bisher war kaum etwas darüber bekannt, wie stark die Meeresluft mit Mikroplastik inklusive Reifenabrieb verschmutzt ist. „Es gibt insgesamt nur wenige Untersuchungen zur Konzentration dieser Schadstoffe in der Luft“, so Studienleiterin Scholz-Böttcher vom ICBM. „Unsere Modellrechnungen deuten darauf hin, dass das Mikroplastik in der Meeresluft sowohl direkt von Quellen an Land als auch aus dem Meer stammt“, berichtet die Forscherin. Das Team geht davon aus, dass Plastikteilchen, die nahe der Meeresoberfläche schwimmen, zum Beispiel bei stürmischem Wetter über die Gischt oder durch platzende Luftbläschen in die Atmosphäre gelangen.

Auch Schiffe sind eine Quelle von Mikroplastik

Ins Meerwasser gelangt das Mikroplastik wiederum über Flüsse, aber auch aus der Atmosphäre, aus der die Partikel etwa durch Regen herausgewaschen werden. Eine weitere mögliche Quelle sind Schiffe: In einer früheren Studie hatte ein Team um Scholz-Böttcher nachgewiesen, dass Schiffsanstriche in der offenen Nordsee die größte Quelle für Mikroplastik darstellen. In der aktuellen Studie fanden sich Inhaltsstoffe von Farben wie Polyurethane oder Epoxidharze auch in den Luftproben. 

Neben Forschenden des ICBM waren an der Studie auch Forscherinnen und Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholz-Zentrum für Polar und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, der TU Berlin, des Norwegischen Instituts für Luftuntersuchungen (NILU) und des Norwegischen Instituts für Öffentliche Gesundheit (NIPH) beteiligt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Buckelwal unter Wasser
Adobe Stock / Craig Lambert Photo
EXU Exzellenzstrategie Top-Thema Meereswissenschaften

Ein Plan für den Meeresschutz auf hoher See

Mit dem Inkrafttreten des UN-Hochseeschutzabkommens im Januar stellen sich viele Fragen. Besonders dringend: Wo sollen bis 2030 Schutzgebiete…

mehr: Ein Plan für den Meeresschutz auf hoher See
Eine Person hat eine Taucherausrüstung an und taucht in einem Korallenriff.
Paula Hernandez
Forschung Top-Thema Meereswissenschaften ICBM

Korallen vermehren am anderen Ende der Welt

Weltweit sterben die Korallenriffe. Lassen sich die Meerestiere womöglich künstlich vermehren, um Riffe wieder aufzuforsten? Für Feldexperimente ist…

mehr: Korallen vermehren am anderen Ende der Welt
Bild vom Südozean, Meer und Himmel sind grau, relativ viele Eisschollen treiben auf dem Meer und ein einzelner Eisberg, der aus blauem Gletschereis besteht und schon recht zerklüftet ist.
Johann Klages / AWI
Forschung Top-Thema Meereswissenschaften

Unerwartetes Feedback im Klimasystem

Geringes Algenwachstum trotz hoher Eisenzufuhr: Studie deckt überraschenden Zusammenhang zwischen Rückgang des Westantarktischen Eisschildes und…

mehr: Unerwartetes Feedback im Klimasystem
(Stand: 23.04.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p82n8176
Zum Seitananfang scrollen Scroll to the top of the page